Pfälzerwald
Ärger auf der Nello-Hütte: Leerrohre für Glasfaser bleiben leer
Dem Wanderclub Nello ist es vor drei Jahren gelungen, seine oberhalb von Rhodt gelegene Hütte für die Zukunft fit zu machen. Dadurch, dass er sein rund 100 Jahre altes Domizil ans Versorgungsnetz anschloss. Dafür hatte der Verein eifrig Spenden gesammelt. Das Geld, rund 150.000 Euro, bekam man durch Patenschaften zusammen.
Wofür Internet auf der Hütte gut ist
So kommt es, dass seither die Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom genutzt werden. Im Untergrund liegen auch noch Leerrohre, die für einen Internetanschluss nötig wären. Sofern Glasfaser eingeblasen wären, hätte man auf der Wanderhütte Netz. Das würde den Verantwortlichen neue Möglichkeiten eröffnen. Denkbar wäre etwa Kartenzahlung, was im Pfälzerwald bislang nur auf der Landauer Hütte am Zimmerbrunnen bei Dernbach möglich ist. Dort hatte man schon zu Deutsche-Mark-Zeiten in Eigenregie Leitungen verlegt, dabei auch an eine Telefonverbindung gedacht, sodass vor einiger Zeit ein Internet-Tarif neu dazugebucht werden konnte. Auf der Nello-Hütte wünscht man sich Internet, damit Wanderer zum Beispiel mit der App Komoot ihre Tour auch spontan umplanen können.
Staat finanziert Internet-Anschlüsse in der Natur
Doch technisch ist das nicht möglich. Die Landauer Hütte hat einen Internet-Zugang über einen Telefonanschluss. Die Nello-Hütte hat zwar einen Telefonanschluss, aber kein Internet. Das liege daran, dass das Gebäude von der nächsten Vermittlungsstelle für den Internet-Anschluss zu weit entfernt sei, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Günter Brauch. Außerdem hat der Verein nun Pech.
Die Nello-Mitglieder haben 2022 auf einer Länge von rund 1600 Metern vom Hüttenbrunnen hoch zu ihrem Domizil auf dem Kesselberg Leerrohre für Glasfaserleitungen mitverlegt. Der Anschluss wird bei solchen abgelegene Zielen dank staatlicher Hilfen finanziert.
Doch so gut es von den Verein gemeint war, den Prozess zu beschleunigen, indem sie die Leerrohre schon verlegt: Diese werden wohl ungenutzt bleiben. Und das liegt wohl am Wechsel des Glasfaser-Vertragspartners in diesem Bereich.
Die Nello-Hütte hatte man nicht auf dem Schirm
Um die Sache zu verstehen, muss man etwas ausholen: Man muss wissen, dass der Breitbandausbau im Pfälzerwald unter der Regie des Landkreises erfolgt. Die Kreisverwaltung hat diese und andere Flächen im Blick, wo Anbieter wie die Deutsche Glasfaser nicht auf eigenem Antrieb tätig werden.
Für den geförderten Ausbau musste eine Liste erstellt werden. Mit den Adressen, welche dabei berücksichtigt werden sollten. Da abgelegene Ziele wie die Nello-Hütte im Modenbachtal keine Anschrift mit Straße und Hausnummer haben, konnten diese nicht einfach auf Knopfdruck am PC abgerufen werden, sondern wurden teils nachträglich auf die Liste gesetzt. Etwa dann, wenn jemand aus der Kreis- oder Verbandsgemeindeverwaltung diese Orte vermisste.
Wie sich herausstellt, hatte man die Nello-Hütte nicht auf den Schirm. Deshalb kam sie in der ersten Runde des geförderten Ausbaus auch nicht zum Zuge, dafür aber der „Nachbar“ vom Hüttenbrunnen. Für diese Arbeiten, die inzwischen erledigt sind, war Inexio zuständig. Das unter dem Dach der Deutschen Glasfaser agierende Unternehmen sorgte dort und anderswo für Glasfaser-Anschlüsse.
Telekom nutzt eigene Infrastruktur
Nun hat ein anderes Unternehmen den Auftrag, verbliebene Ausflugsziele im Pfälzerwald wie die Nello-Hütte mit schnellem Internet zu versorgen, und zwar die Telekom. Zum Bedauern des Wanderclubs. Denn für die Telekom ist es nur logisch, im Falle der Nello-Hütte ihre Telefonleitungen zu nutzen. „Die stellt die wirtschaftlichste, umweltschonendste und technisch sinnvollste Lösung dar“, heißt es auf Anfrage. Andernfalls müsste man neue Trassen verlegen beziehungsweise fremde Trassen anmieten, um auf die zur Nello-Hütte hoch führenden Leerrohre zugreifen zu können.
Günter Brauch kann darüber nur den Kopf schütteln. Nicht nur, weil der Verein für die Verlegung der Leerrohre geschätzt 20.000 Euro in den Sand gesetzt habe. Dadurch, dass die Leitungen der Telekom oberirdisch verlaufen, seien diese auch noch störanfällig. Beim jüngsten Austausch diese Woche informiert er, dass die Telefonleitung wieder defekt sei. Der Ehrenamtliche ist daher skeptisch, ob die Internetverbindung stabil sein werde, was man sich beim geförderten Ausbau verspricht. Hinzu kommt eine weitere Sache: Wann die Nello-Hütte schnelles Internet bekommt, ist unklar. Es gibt dafür noch keinen Zeitplan, wie aus Reihen der Telekom zu hören ist.
