Kreis Kusel
Zwischen Faszination und Sorge: Wolf im Glantal von Wildkamera fotografiert
Die Aufnahme dürfte schon jetzt heißer Anwärter aufs „Foto des Jahres“ sein: Erstmals ist ein Wolf im Landkreis Kusel auf seinem nächtlichen Streifzug festgehalten worden. Im Internet sorgt das Bild momentan für Wellen und provoziert ungezählte Kommentare von Wolfsbefürwortern wie von Gegnern. Geschossen hat das Foto die Wildkamera von Jäger Klaus Werner. Gemeinsam mit Harald Bollenbacher hat er das Jagdrevier Patersbach gepachtet, das sich vom Glan bis an die Blaubacher Gemarkung erstreckt.
Am frühen Dienstagmorgen war der Wolfsrüde zwischen Erdesbach und Patersbach fotografiert worden. Ausgelöst hat die Kamera um 5.52 Uhr. „Ein stattlicher Kerl, der sich breit vor die Kamera gestellt hat“, wie Werner sagt. Nachdem er das Foto in die Jäger-Whatsapp-Gruppe gestellt hatte, verbreitete es sich online wie ein Lauffeuer – mal mit mehr, mal mit weniger richtigen Informationen. Werner erzählt lachend: „Sonst sind auf der Kamera nur Rehe, mal ’ne Sau, Damwild oder ein Waschbär zu sehen.“ In den vergangenen Tagen sei sein Telefon heißgelaufen, erzählt er.
Haarbüschel wird im Labor untersucht
Ein Wolfsbeauftragter habe sich noch am Dienstag mit den Jägern getroffen, erzählt Werner, unter anderem habe man zugeschneite Fußspuren erkennen können. Ein Haarbüschel an einer Brombeerhecke sei gesichert und zur Auswertung an ein Labor geschickt worden. In dem Revier sei bislang noch nichts gefunden worden, was auf einen Wolfsriss hinweise.
Geht es nach Helmut Drumm, kann das gerne so bleiben. Die Eseltouren, die der Erdesbacher organisiert, sind gefragt: Für das neue Jahr liegen schon etliche Anmeldungen von Gruppen vor. Nachdem allerdings im Glantal im Dezember mehrfach tote Schafe und Ziegen entdeckt wurden – mit dem Verdacht auf Wolfsriss –, treibt den ehemaligen Polizisten die Sorge um seine Tiere um.
Sorge um die Esel
Dieser Zustand sei nicht tragbar, klagt Drumm und verweist auf die Nutztierrisse in der Gemarkung Niederalben sowie zwischen Eschenau und Ulmet. In beiden Fällen liegt noch kein Ergebnis der DNA-Untersuchung vor, die im Senckenberg-Institut erfolgt. „Die Beteiligung eines großen Beutegreifers (Luchs oder Wolf, d. Red.) kann derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden“, teilt das Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) mit, das die Entwicklung des Wolfsbestandes in Rheinland-Pfalz überwacht.
Das Foto von Werners Wildkamera besorgt Drumm ebenfalls. Als Tierhalter mache er sich Sorgen um seine drei Esel, die nahe beim Wohnhaus in einem offenen Stall gehalten werden. „Die kann man nicht einsperren“, sagt der 72-Jährige. Am Stall habe man sich mit Gabeln „bewaffnet“, um die Esel gegen Übergriffe zu schützen. Für Problemwölfe sollte der Abschuss erleichtert werden, findet Drumm.
Keine Förderung für Eselhalter mit alten Eseln
Kein Verständnis habe er, dass zwischen der Meldung von Nutztierrissen und dem Befund der dabei genommen DNA-Probe, die Aufschluss über die Herkunft eines Wolfes gibt, gut zwei Wochen vergingen. Da bleibe nur zu hoffen, dass zwischenzeitlich nichts passiere, folgert Drumm, der auch lange Jahre Ortsbürgermeister war.
Als merkwürdig empfindet der Erdesbacher überdies, dass ihm keine Förderung zum Schutz seiner Nutztiere zustehe, obwohl sein Anwesen im 2023 ausgewiesenen Präventionsgebiet Hunsrück liegt. Von Kluwo habe er die Auskunft erhalten, förderfähig sei Herdenschutz nur für Rinder, Pferde und Esel, die noch nicht einjährig sind.
Die B420 ist bislang die Grenze
Doch Drumms Esel „Fritz“ zählt schon 27 Jahre, die Stuten Lilli und Lotti haben 19 beziehungsweise 13 Jahre auf dem Buckel. Das Wolfpräventionsgebiet Hunsrück umfasst eine Fläche von 2340 Quadratkilometern. Die Grenze verläuft entlang der rheinland-pfälzischen Landesgrenze mit Luxemburg und dem Saarland und dann mit der B420 bis Lauterecken, danach entlang der B270 bis Fischbach und dann mit der B41 bis Kirn.
Innerhalb von Präventionsgebieten können Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren gefördert werden. Förderfähig sind Investitionen zum Schutz vor Schäden durch den Wolf an Schafen und Ziegen, Gehegewild, Lamas, Alpakas sowie Rindern, Pferden und Eseln bis zum Alter von einem Jahr. So kann beispielsweise die Anschaffung von speziellen Schutzzäunen bis zu 100 Prozent gefördert werden. Auch die Anschaffung von eigens zertifizierten Herdenschutzhunden gilt als eine Bedingung für den „wolfsabweisenden Grundschutz“.