Ulmet
Zukunft der Flurskapelle ungewiss: Sanierung oder Verfall?
Feuchtigkeit und Pilzbefall haben zu erheblichen Schäden an der Flurskapelle geführt. In den zurückliegenden Monaten erfolgte eine umfassende Sichtung und Kartierung der Mängel an der evangelischen Kirche, die am Rande des Ortes umgeben vom Friedhof liegt. Bei einem gut besuchten Gemeindeabend skizzierte Regina Wirth, die sich als Gebäudemanagerin um Kirchenimmobilien im Dekanat Kusel kümmert, drei ganz unterschiedliche Lösungswege für die fällige Erneuerung.
Nichthandeln sei keine Option, betonte die Architektin. Als mögliche Konsequenzen nannte sie Notsicherungsmaßnahmen, die Schließung der Kirche zum Jahresende sowie die Gefahr eines Deckeneinsturzes. Die beste Lösung, die den Anforderungen des Denkmalschutzes genüge, sei aus ihrer Sicht eine umfassende Dachsanierung mit Schieferdeckung sowie Sanierungsarbeiten an der Fassade und im Innenraum der Kirche. Als Größenordnung für diese Variante nannte Wirth Kosten von rund einer Million Euro. Es sei allerdings mit Zuschüssen zu rechnen.
„Kleinere“ Lösung kostet rund 250.000 Euro
Eine Alternative dazu sei eine sachgerechte Behebung der Schäden und die neue Eindeckung des Daches mit Trapezblech, informierte die Gebäudemanagerin. Die geschätzten Kosten dafür betragen nach ihren Worten 250.000 Euro. Ein „tiefer Einschnitt“ wäre die dritte Möglichkeit, sagte Wirth. In diesem Szenario bliebe nur der Kirchturm aus dem elf Jahrhundert erhalten – das Längsschiff werde abgebrochen oder verfalle. Gottesdienste könnten dann nicht mehr in dem Gebäude gefeiert werden.
Mit Blick auf die Finanzsituation der Kirchengemeinde, der rund 700 evangelische Christen aus den Ortschaften Ulmet, Erdesbach und Rathsweiler angehören, sei die „große Lösung“ kaum vorstellbar. Aus dem Verkauf des Pfarrhauses stünden knapp 170.000 Euro zur Verfügung. Eher aufzählend fällt der Hinweis auf andere Nutzungskonzepte für Kirchbauten aus: Herbergskirche, Café mit Bücherei, Kolumbarium, Kino, Konzertsaal oder Radwegekirche.
Kirchbauverein will Beitrag leisten
Ins Detail ging dafür Architekt Gunther Ecker aus Bexbach: Für die Sanierungsarbeiten müssten in der Kirche ein Raumgerüst errichtet, Einbauten wie der Altar entfernt und die historische Stummorgel „eingehaust“ werden. Die stetig steigenden Baupreise illustrierte er anhand der Baustellen-Toilette, für die 41 Euro pro Woche fällig würden – gegenüber 33 Euro im vergangenen Jahr. Ecker riet, sich um Mittel aus Fördertöpfen zu bemühen und fristgerecht Zuschüsse zu beantragen. Auch an Politiker sollte sich die Kirchengemeinde wenden und um Unterstützung bitten.
Margit Drumm, Vorsitzende des Kirchbauvereins, bezeichnete es als eine „moralische Verpflichtung“, den Sakralbau in bestmöglichem Zustand zu erhalten. Dafür könnte der Verein mit 53 Mitgliedern rund 44.000 Euro einbringen. Sie regte überdies an, mit einem speziellen Kirchenkonzert Gelder für die Sanierung einzuwerben. Ohne befriedigende Antwort blieb die Frage, wie hoch die Baurücklagen der Kirchengemeinde aus den vergangenen Jahren sind.
Dekan: Aus Speyer ist kein Geld zu erwarten
In weiteren Wortmeldungen plädierten Kirchenmitglieder für eine bestmögliche Sanierung der Flurskapelle. Auch Ortsbürgermeister Klaus Jung sprach sich für den Erhalt der ortsbildprägenden Kapelle aus. Immerhin ist die katholische Kirche in Ulmet Ende 2024 nach der Profanierung verkauft worden. Dekan Lars Stetzenbach dämpfte allerdings die Hoffnungen auf Zuschüsse aus Speyer. Von der Landeskirche sei nichts zu erwarten. Er warb dafür, erst nach Klarheit über mögliche Zuschüsse zu entscheiden, welche Variante bei der Sanierung zum Zug kommen soll. Andererseits sollte die Entscheidung nach Möglichkeit noch das derzeitige Presbyterium fällen. Im November wählen die pfälzischen Kirchengemeinden ihre neuen Leitungsgremien.