Schönenberg-Kübelberg
Zu dritt durchs Leben – wie drei Schwestern ihren eigenen Weg finden
Drei auf einen Streich hieß es vor über elf Jahren bei Familie Mohrbacher aus Schönenberg-Kübelberg. Mutter Denise und Vater Matthias erinnern sich noch gut an die freudige Nachricht. „Zuerst hieß es: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger. Dann die Information, dass es Zwillinge sind – und kurz darauf waren Drillinge auf dem Ultraschallbild zu sehen“, berichtet Matthias Mohrbacher. „Ich habe erst mal geweint“, erzählt die 37-jährige Mutter, die heute über die anfängliche Überforderung lachen kann.
Beim letzten Besuch der RHEINPFALZ hatten die drei Kinder gerade das Laufen gelernt. Mittlerweile stehen die Mädchen fest auf eigenen Beinen. Sie besuchen die fünfte Klasse des Siebenpfeiffer-Gymnasiums in Kusel – allerdings in getrennten Klassen. „Das ist ganz gut“, sagt Milia, „so wird man auch mal als einzelne Persönlichkeit wahrgenommen und nicht immer nur im Dreierpack.“
Getrennte Klassen, gemeinsame Freizeit
Trotzdem bestreiten die Schwestern ihren Alltag größtenteils gemeinsam: Sie turnen und tanzen beim Turnverein 1964 Brücken, spielen Instrumente und machen Rope Skipping. Ein voller Wochenplan also. Während in der Baby- und Kleinkindphase öfter mal die eine oder andere Hand fehlte, wie der 49-jährige Vater berichtet, gibt es heute andere Herausforderungen. Durch die getrennten Klassen haben die Mädchen eigene Freundeskreise entwickelt, und damit ist auch der logistische Aufwand gestiegen – etwa bei Fahrten zu verschiedenen Freunden.
Ob Flugreisen, bei denen jedes Kind eine eigene Begleitperson brauchte, oder Freizeitparkbesuche, bei denen alle neben Mama oder Papa sitzen wollten: In vielen Situationen habe man gemerkt, dass die Gesellschaft eher auf Familien mit zwei Kindern ausgelegt ist, sagen die Eltern. Doch die Familie hat Lösungen gefunden: Ein Kleinbus wurde angeschafft, Reisen wurden zunächst mit dem Auto unternommen, und beim Prager-Eltern-Kind-Programm (Pekip) wurden nur zwei Kinder gleichzeitig angemeldet, sodass gewechselt werden konnte.
Vom Windeln wechseln zum Flügge werden
Wenn Arbeitskollegen, die selbst frischgebackene Eltern sind, Matthias Mohrbacher fragen, wie man den Alltag mit Drillingen bewältigt, muss er manchmal selbst kurz überlegen. „So schlimm war es gar nicht. Ob ich jetzt bei einem Kind oder bei dreien die Windel wechsele – den Aufwand habe ich so oder so“, sagt er und lacht.
Obwohl die drei Mädchen ab und an streiten, sind sie doch ein Herz und eine Seele. Meist gehe es um ganz banale Dinge, die auch andere Geschwister kennen. „Dann geht es um Klamotten, die wir teilen, das Fernsehprogramm oder darum, wer aufräumen muss“, erzählt Milia. „Meistens sind es aber Kleinigkeiten“, ergänzt Marleen, die Jüngste.
Innerhalb der Geschwistergruppe hat jede ihre Rolle: Milia vermittelt bei Streit, Milena übernimmt als „Chefin“ und Älteste oft die Führung, und Marleen gilt als besonders offen und mutig im Alltag. Einig sind sich alle bei einem ihrer neuesten Hobbys: der Pflege eines Ponys, das ihre Oma allen Enkelkindern geschenkt hat.
Aufregende Teenagerzeit steht bevor
Mit Blick auf die kommenden Teenagerjahre zeigt sich Mutter Denise Mohrbacher gelassen. Sie beschreibt ihre Töchter als „wirklich sehr brav“. Auf die Frage nach Streichen fällt ihr zunächst nichts ein – bis Milia ergänzt: „Am 1. April haben wir so viele Scherze gemacht, dass Mama uns abends nicht mehr geglaubt hat, dass tatsächlich ein Regenbogen am Himmel war.“ Momente, die wohl gut zu verkraften sind.
„Es wird jedes Jahr leichter – aber auch anders“, sagt die Mutter. In der Pandemie sei es für die Mädchen ein Vorteil gewesen, dass sie mit den gleichaltrigen Geschwistern gemeinsam zuhause – und nicht alleine – waren. Doch es bleiben Herausforderungen für die Familie: So spüre man es auch finanziell, wenn etwa drei Klassenfahrten gleichzeitig anstehen. Größere Ausgaben wie für der Führerschein werden die Familie künftig weiterhin gleich mehrfach – und zeitgleich – treffen.
Für die Zukunft wünschen sich die Eltern vor allem eines: dass die enge Bindung der Schwestern bestehen bleibt. „Die Zeit vergeht rasend“, sagt die gelernte Erzieherin – und blickt gemeinsam mit ihrem Mann gespannt auf das, was vor Milia, Milena und Marleen liegt.
Info
Der Weltgeschwistertag wird jedes Jahr am 10. April gefeiert. Er wurde unter anderem von Claudia Evart ins Leben gerufen, die ihrer bei einem Autounfall verstorbenen Geschwister gedenken wollte. Seither dient er dazu, die Beziehung zwischen Geschwistern zu würdigen.