Homberg / Kirrweiler
Windrad: Maschinenhaus ausgebrannt – Schadensursache und -höhe noch unklar
47 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Homberg, Deimberg, Herren-Sulzbach und von der Stützpunktwehr in Lauterecken waren am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr wegen eines brennenden Windrades alarmiert worden. Als die Wehren am Windpark Kirrweiler eintrafen, stand das Maschinenhaus einer der drei Windkraftanlagen bereits lichterloh in Flammen. „Wir haben dann weiträumig abgesperrt“, sagt der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, Markus Böhmer: „Etwas anderes bleibt uns bei solchen Bränden nicht übrig.“ Da die Rotoren stillstanden, habe die Feuerwehr in einem Radius von gut 500 Metern um die Anlage abgesperrt. Hätte sich der Rotor noch gedreht, hätte das Gelände noch weiträumiger abgesichert werden müssen. Böhmer: „Man kann sich das zwar nicht so richtig vorstellen, aber bei entsprechenden Windgeschwindigkeiten könnte ein abgebrochener Flügel bis zu einem Kilometer durch die Luft fliegen.“
Mehr als die Zufahrtsstraßen – allesamt Feld- und Wirtschaftswege – abzusperren, sei den Feuerwehrleuten nicht geblieben. Böhmer: „In den Sicherheitsbereich gehen natürlich auch wir nicht rein. Zumal wir auch keine Chance haben, in solchen Höhen zu löschen.“ Die Maschinenhäuser der Nordex-N117-Anlagen befinden sich laut der Internetseite des Windparks auf 120 Metern Höhe. Ein Innenangriff durch den Turm? Böhmer lacht und sagt: „Da geht niemand rein.“ Böhmer kann sich nicht daran erinnern, dass in der Vergangenheit im Landkreis schon mal ein Windrad gebrannt hat: „Wir hatten mal einen Einsatz bei Jettenbach, aber nicht wegen eines Brandes, sondern weil eine Lüftungsklappe einer Windkraftanlage laut geklappert hat.“
Kleiner Feuerwehr-Trupp bleibt über Nacht
Nach den Absperrmaßnahmen zogen die meisten Einsatzkräfte ab. Lediglich ein kleiner Trupp blieb zur Brandwache zurück. In wechselnder Besetzung wurde so bis zum Morgen der Brandschutz sichergestellt. Böhmer: „Das war aus unserer Sicht dann unproblematisch. Im Hochsommer, bei Trockenheit, hätte sich daraus vielleicht ein Geländebrand entwickeln können.“ Selbst dann müsse der Sicherheitsabstand zwingend eingehalten werden: „Wir müssten dann warten, bis der Brand zu den Einsatzkräften kommt.“ Einsatzende für die Wehr war laut Böhmer gegen 8.30 Uhr.
Lobende Worte für die Einsatzkräfte gab es am Donnerstagmorgen von Rüdiger Milke, Prokurist der Stadtwerke Bad Vilbel, die den Windpark gemeinsam mit den Stadtwerken Viernheim betreiben. Der Einsatz sei professionell abgelaufen, niemand sei zu Schaden gekommen – und dank der Witterung habe auch keine größere Brandgefahr bestanden. „Dass der Rotor während des Brandes stillstand, das war großes Glück im Unglück“, sagt Milke, der am Morgen nach dem Brand in Kirrweiler war, um sich mit Mitarbeitern der Herstellerfirma zu treffen und sich den Schaden anzuschauen. „Jetzt geht es darum, eine Bestandsaufnahme zu machen und die Schäden näher zu begutachten“, sagt Milke.
Schadenshöhe: 1,5 Millionen sind ein Schätzwert
„Wir können momentan noch nichts sagen. Weder zur Ursache noch zur genauen Schadenshöhe. Ob es bei den am Mittwochabend genannten 1,5 Millionen Euro bleibt, müssen wir mal sehen“, erläutert Milke. Für die Stadtwerke Bad Vilbel, die drei Windparks an Land und einen in der Ostsee betreiben, sei es der erste Brand einer Anlage. Der Windpark Kirrweiler sei seit dem Start 2015 gut gelaufen, sagt Milke, der zu den Brandursachen nicht spekulieren möchte. Bei Fragen, wie es nun konkret mit dem ausgebrannten Maschinenhaus weitergeht und wann die Anlage betreten werden kann, verweist der kaufmännische Leiter der Stadtwerke auf Nordex.
Während am Donnerstagmorgen wegen dichten Nebels nichts zu sehen war, zogen der Anblick des ausgebrannten Maschinenhauses und vor allem die spektakulären Bilder des nächtlichen Brandes am Nachmittag Schaulustige auf die Militärstraße, die zum Truppenübungsplatz führt. „Ich habe 2015 fotografiert, wie die Anlagen aufgestellt wurden“, erzählt ein älterer Mann mit Fotokamera. Jetzt wolle er auch den Schaden dokumentieren. Er stelle sich die nächsten Schritte für die Anlagenbetreiber schwierig vor, schließlich könnten auch Tage nach dem Brand noch Teile vom Windrad abfallen. Die Absperrung bleibe deswegen vorerst bestehen, sagt Milke und appelliert deshalb an Schaulustige, auf der Jagd nach einem guten Foto die Absperrungen nicht zu ignorieren. Weitere Sicherungsmaßnahmen lägen nun im Zuständigkeitsbereich der Herstellerfirma.
Gelände wird „rund um die Uhr“ kontrolliert
Nordex, ein börsennotiertes Unternehmen mit nach eigenen Angaben „40 Jahren Erfahrung im Onshore-Windbusiness“ und Sitz in Hamburg, spricht auf Anfrage der RHEINPFALZ von einem „Zwischenfall bei einer Anlage“ des Typs N117/2400. Die Zugangswege seien abgesichert, und das Gelände werde rund um die Uhr durch ein Überwachungssystem kontrolliert, sagt ein Pressesprecher. Derzeit arbeite ein Team aus Nordex-Mitarbeitern mit dem Betreiber an der Schadensbearbeitung. Zur Brandursache könne aktuell nichts gesagt werden.
Der Windpark Kirrweiler ist im Besitz einer Betriebsgesellschaft, die im Eigentum der Stadtwerke Bad Vilbel und Viernheim ist. Die drei Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 2400 Kilowatt haben jeweils eine Nabenhöhe von 120 Metern und einen Rotordurchmesser von 117 Metern. Der Windpark ist im Jahr 2015 ans Netz gegangen.