Wolfstein
Wie KOB auf Fachkräftesuche auch in Portugal Mitarbeiter wirbt
Fast 50 Weber werden in den kommenden Jahren bis 2030 beim Textil-Unternehmen KOB in Wolfstein in den Ruhestand gehen, davon alleine zehn im nächsten Jahr. Auch einige Mechaniker und Spinner gehen auf die Rente zu – und im Unternehmen muss man sich Gedanken machen, wie sie ersetzt werden können. Fast 200 Mitarbeiter verliert das Unternehmen in zehn Jahren (2020 bis 2030) alleine aufgrund der demografischen Entwicklung.
Mit viel Engagement in der Ausbildung wird dem begegnet, und auch die Automatisierung kann einiges auffangen. „Vor 30 Jahren haben hier 1300 Menschen gearbeitet. Heute schaffen 800 die gleiche Menge“, erklärt Personalleiter Michael Bohrmann. Automatisiert werde „quer durch den Prozess“, doch es gebe auch Grenzen. „Es ist so viel zu tun – wir brauchen Experten“, verdeutlicht er die Herausforderung des Kohortenwechsels. Folglich der Blick ins Ausland, um Fachkräfte zu finden. „Menschen mit textilen Vorkenntnissen sind Gold wert“, sagt Bohrmann.
Aus Nord-Portugal in die Westpfalz
Eine solche Expertin, die in Portugal angeworben werden konnte, ist Salome Padilha. „Ich liebe Wolfstein, die Natur und meine Arbeit und Kollegen“, sagt sie. Die 52-Jährige ist seit 2019 bei KOB. Sie hat in einer Fabrik im Norden Portugals elastische Bänder gewebt, wollte gerne zur Tochter in die Schweiz ziehen, fand dort aber keine Möglichkeit, als Weberin zu arbeiten. In Portugal musste sie einen zweiten Job annehmen, damit das Geld reichte. Arbeitssicherheit und pünktliches Gehalt seien nicht so selbstverständlich gewesen wie bei KOB. „Alles, was versprochen wurde, wurde auch gehalten“, betont sie. Zuerst kam sie ganz alleine in die Westpfalz, später folgte ihr Ehemann, der inzwischen auch bei KOB arbeitet.
Im Sozialen Netzwerk war Salome Padilha auf ein Werbevideo des Medizinprodukteherstellers aus Wolfstein aufmerksam geworden. Hauptperson darin: Ausbilderin Monica Oliveira, deren Familie aus Portugal stammt. Denn dort und in Italien waren Fachkräfte ausgemacht worden, „die auch wechselwillig sind“, erklärt Pressesprecherin Francoise Fuchs. Ein Glücksfall sei da Monica Oliveira gewesen, über welche die Erstkontakte liefen, die hier bei Wohnungssuche und Integration half. „Sie lebt Willkommenskultur“, betont Fuchs. „Man gewinnt ja auch Freunde“, sagt Oliveira zu ihrem auch privaten Engagement.
Erst selbst, jetzt per Dienstleister
Nicht alle, die nach Wolfstein kamen, blieben. Doch mit acht Fachkräften, die seit 2019 das KOB-Team verstärken, ist Bohrmann zufrieden. Mit Nachzüglern wie Salome Padilhas Mann seien sogar elf neue Arbeitnehmer durch die erste Initiative gewonnen worden. Dafür habe sich der enorm große Aufwand gelohnt. Doch er war so groß, dass sich das Unternehmen entschied, für die im vergangenen Jahr gestartete zweite Initiative einen portugiesischen Dienstleister zu beauftragen. Der schaltet Stellenanzeigen, führt erste Interviews, bevor geeignete Bewerber nach Wolfstein geholt werden für ein ein- bis zweitägiges Kennenlernprogramm. Fünf Mitarbeiter seien so bereits angeworben worden, erklärt Bohrmann.
Längst nicht alle aus dem Ausland stammenden Arbeitskräfte hat KOB dort auch direkt hergeholt. Ein syrischer Flüchtling habe sich gemeldet, sei extra nach Wolfstein gezogen, um in der Textilindustrie arbeiten zu können, was mit einer Anpassungsqualifizierung möglich war. „Unsere Ausbilder in der Lehrwerkstatt kümmern sich nicht nur um die Jungen in Ausbildung, sondern bieten auch Qualifikation für die aus dem Ausland Kommenden. Die textilen Fachkräfte lernen unsere Maschinen kennen“, erklärt Bohrmann. Manchmal würden auch neue Mitarbeiter weitergebildet, die „keinen textilen Hintergrund haben“. Das seien etwa Familienangehörige, die aus dem Ausland mit kämen, oder auch Menschen aus der Region.
Deutschunterricht während der Schicht
Ziel sei immer die langfristige Bindung der Arbeitnehmer, auch in Verpackung und Konfektionierung, betont Ariane Hilker, Leitung Personalentwicklung: „Bei unseren Medizinprodukten ist die Verpackung Bestandteil des Produkts.“ Wichtig sei auch das Erlernen der Sprache. Es sei ein Sicherheitsaspekt, dass Arbeitsanweisungen verstanden würden.
Deshalb bietet KOB mit der Kreisvolkshochschule in Früh- und Spätschicht Deutschunterricht an, auch für polnisch- und arabischsprechende Mitarbeiter, die auf anderen Wegen zum Unternehmen kamen. Die Einarbeitung beim Medizinproduktehersteller sei eine Riesenherausforderung, betont Bohrmann. „Es tut weh, wenn nach einem halben Jahr jemand geht, weil wir viel investiert haben.“