Glanbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Brettspieltreff in Glanbrücken Jung und Alt zusammenbringt

Während sich eine Dreier-Gruppe einem Würfelspiel widmet, versuchen die anderen im Parallelspiel Bösewichte innerhalb ihrer Grup
Während sich eine Dreier-Gruppe einem Würfelspiel widmet, versuchen die anderen im Parallelspiel Bösewichte innerhalb ihrer Gruppe zu ermitteln.

Die Brettspielkultur in Deutschland ist immaterielles Kulturerbe. Wie gemeinsames Spielen Generationen verbindet zeigt der Brettspieltreff in Glanbrücken. Ein Besuch.

Kurz vor 14 Uhr füllen sich die Räume im Gerätehaus neben der Feuerwehr: Einige bringen eigene Spiele mit, andere kommen mit professionellen Spielekoffern, sogar Kuchen steht bereit. Ziel ist der Jugendraum, der zum zweiten Mal den offenen Brettspieltreff beherbergt. Die Erfahrung im Brettspielen ist nicht entscheidend.

Spielleiterin Claudia Michel und ihr Partner Sebastian Demmel hatten die Idee zum Glanbrücker Brettspieltreff. Beide spielen oft
Spielleiterin Claudia Michel und ihr Partner Sebastian Demmel hatten die Idee zum Glanbrücker Brettspieltreff. Beide spielen oft und gerne auch analog. Dazu laden sie seit November einmal monatlich jeden Interessierten ein.

Die Initiative geht auf Spielleiterin Claudia Michel und ihren Partner Sebastian Demmel aus Glanbrücken zurück. Beide spielen leidenschaftlich und organisierten früher private Runden, deren Mitglieder sich mit der Zeit verstreuten. Im Internet fanden sie einen Spieletreff in Hennweiler im Hunsrück und schlossen sich dort an. Michel wollte schon vor Jahren selbst einen Treff aufbauen, scheiterte jedoch zunächst an fehlenden Räumen: „Da hätte ich den Raum regulär mieten müssen.“

Mehrere Runden werden parallel gespielt

In Glanbrücken fand die Idee schnell Unterstützung. Ortsbürgermeister Uli Röder, selbst begeisterter Brettspieler, war sofort dabei. Im November feierte der Treff Premiere mit rund 15 Teilnehmenden. „Wir haben von 14 bis 2 Uhr nachts hier gesessen“, sagt Michel. Während Demmel die Tische so rückt, dass mehrere Runden parallel stattfinden können, hofft Röder, dass sich das Angebot etabliert.

Spiele mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sind vorhanden, dennoch bringen die „Profis“ Gesellschaftspiele in speziellen
Spiele mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sind vorhanden, dennoch bringen die »Profis« Gesellschaftspiele in speziellen Taschen mit.

Über das Förderprogramm „Dritter Ort“ sollen der Jugendraum und sein Umfeld weiter aufgewertet werden. Für den Spieletreff ist ein Budget von 500 Euro für Neuanschaffungen vorgesehen. Getränke gibt es auf Spendenbasis; Überschüsse werden in Spiele investiert.

Beim monatlichen Treff kennen sich manche bereits, andere lernen sich schnell kennen. Wer den Raum betritt, findet rasch Anschluss – oft über mitgebrachte Spiele.

Karten und „Heckmeck im Bratwurmeck“

Die Auswahl reicht von leicht bis anspruchsvoll. Eine Gruppe startet mit einem Kartenspiel, eine andere mit „Heckmeck am Bratwurmeck“. Wer mitmachen möchte, setzt sich einfach dazu. Das Du ist üblich, unabhängig vom Alter. Michel erklärt die Regeln anschaulich, beantwortet Fragen und spielt die ersten Züge vor. In der Eingangsphase geben sie und Demmel Hilfestellung und Tipps. Besonders praktisch ist ein faltbares, samtbezogenes Würfelbrett: Die Würfel fallen leise und bleiben auf dem Tisch.

Gewinnen steht oft nicht im Vordergrund; gespielt wird um des Spielens willen. Der Austausch ist Teil des Erlebnisses: Zwischendurch gibt es Kaffee und Kuchen, Gespräche über Gott und die Welt. „Es gibt aber schon auch Spiele, die mit etwas mehr Eifer gespielt werden“, sagt Michel.

„Im Spiel bist du Mensch“

Neu dabei ist Thomas Knopf, gebürtig aus Heidelberg, seit drei Jahren in Langweiler. Er besucht bereits einen Spieletreff in Odernheim – dort als „Benjamin“ mit 67 Jahren. Besonders schätzt er, „sich spielerisch kennenzulernen“. Seine Erfahrung: „Im Spiel bist du Mensch“, die Chemie zeige sich schnell. Auch Erna Eckel aus Medard spielt leidenschaftlich und suchte genau so ein Angebot.

Der Sohn der 72-jährigen Witwe lebt in Wien; statt allein zu Hause zu sitzen, sucht sie aktiv Gesellschaft und hat neben anderen Hobbys nun eine weitere Anlaufstelle. Das Publikum ist überwiegend zwischen 40 und Anfang 70. Eine Ausnahme ist die 11-jährige Layla, die mit ihren brettspielbegeisterten Eltern aus Kirn angereist ist.

Während einige noch würfeln, startet eine Gruppe „Blood on the Clocktower“, ein Spiel aus der Kategorie soziale Deduktion. Jede Person erhält vom Geschichtenerzähler eine Rolle; durch geschickte und logische Züge wird ermittelt, wer zu den Guten oder zu den Bösen gehört – oder es wird geschickt vertuscht.

Info

Das nächste Treffen im Jugendraum Glanbrücken findet am Samstag, 24. Januar, ab 14 Uhr statt; späteres Erscheinen ist möglich. Das Angebot ist offen und kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Freunde, Spiele und Knabbereien dürfen mitgebracht werden. Fragen beantwortet Spielleiterin Claudia Michel unter Telefon 0152 59228309.

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