Glanbrücken Wie Bürger sich gegen die Folgen von Starkregen wappnen können

Die Workshopteilnehmer betrachten gemeinsam mit den Fachleuten Karten, die Auswirkungen eines Starkregenereignisses auf Glanbrüc
Die Workshopteilnehmer betrachten gemeinsam mit den Fachleuten Karten, die Auswirkungen eines Starkregenereignisses auf Glanbrücken zeigen.

Im Norden des Kreises laufen bis Ostern Workshops zur Vorsorge gegen Starkregen, die Bürger sensibilisieren sollen. Ein Besuch in Glanbrücken zeigt, wie das gelingt.

Knapp 20 Menschen sind in Glanbrücken zum Workshop gekommen. Sie wollen sich informieren, wie sie sich und ihre Häuser und Grundstücke gegen Starkregen wappnen können, und eigene Erfahrungen einbringen. In der Runde werden Fotos früherer Hochwasserereignisse gezeigt, Erinnerungen an mit dem Boot zugestellte Post aus dem Jahr 1995 geteilt. Glanbrücken kennt Hochwasser – doch Ingenieur Andreas Durawa macht deutlich: Zwischen Hochwasser und Starkregen gibt es große Unterschiede. Denn Hochwasser sei für Anlieger in Gewässernähe erkennbar und der zeitliche Ablauf einschätzbar. Folglich könnten Maßnahmen getroffen werden; Bürger könnten „oft gut mit der Situation umgehen“.

Starkregenereignisse kämen hingegen unverhofft und oft an unerwarteten Stellen. „Das sind intensive, punktuell auftretende Ereignisse, die zeitlich nicht einschätzbar sind. Es gibt nur eine geringe Vorwarnzeit und Schäden sind überall möglich, nicht nur in Gewässernähe“, so Durawa. Genau hier liege einer der Knackpunkte, denn „das ist nur in geringem Maß im Risikobewusstsein der Bevölkerung verankert“.

Mit kleinen Schritten vorsorgen

Im Fall von Glanbrücken zeigten die Modelle, dass hundertjährliche Hochwasserereignisse von 50 Zentimetern bis zu einem Meter über normalem Pegel nicht zu extremen Wasserständen führten. Bei einem hundertjährlichen Starkregenereignis mit 40 bis 47 Litern Niederschlag pro Stunde seien in Teilen des Ortes Wassertiefen von bis zu vier Metern möglich. „Das ist nicht nur Theorie. Auch mehr ist möglich“, warnt Durawa. Auch wenn kein vollständiger Schutz möglich sei, sollte öffentlich und privat Vorsorge getroffen werden.

Zur öffentlichen Vorsorge zählen Rückhaltungsmaßnahmen, Renaturierung, frei gehaltene Abflüsse und Schutzkonzepte. Private Vorsorge umfasst neben dem Objektschutz – soweit möglich – die Information bei Gefährdung, etwa über Warnapps, sowie Risikovorsorge. Dazu gehören persönliche Alarm- und Einsatzpläne, Notgepäck und die Sicherung wichtiger Dokumente.

Das Ingenieurteam hatte im Vorfeld Bestandsaufnahmen gemacht: Es lief die Bäche ab, prüfte die Außenbereiche und dokumentierte Schwachstellen. Fotos zeigten verlandete Bögen an der Glanbrücke, kritische Einlaufbauwerke sowie Ablagerungen von Brennholz direkt am Gewässer. Schon im Außenbereich seien ein Wasserrückhalt, Geröll- und Schlammfang möglich. Auch kleine Maßnahmen könnten Verbesserungen bringen.

Bürger sollen eingebunden werden

„Wenn das Bewusstsein für Starkregen da ist, ist schon etwas gewonnen“, erklären die anwesenden Ingenieure. Ingenieur Wilhelm Vatter erklärte, die Aufgabe sei, Schwachstellen zu identifizieren – ergänzt um das Wissen vor Ort. „Die Leute wissen, wo die Knackpunkte sind“, sagt er. Deshalb soll die Bevölkerung eingebunden und deren Beobachtungen ernst genommen werden.

Bis Ostern plant das Team weitere Workshops in den Gemeinden. Danach sind öffentliche Begehungen mit Bürgern vorgesehen, um Maßnahmen zu diskutieren. Gegen Herbst/Winter wird ein Konzept mit Maßnahmen und grober Kostenschätzung erwartet, jedoch noch ohne Planung. Denn nur die genannten Maßnahmen seien förderfähig, so die Ingenieure.

Finanzierung für Maßnehmen ist offen

Ortsbürgermeister Uli Röder treibt die Frage um, wer Maßnahmen umsetzt und finanziert. Schutz werde benötigt, eine Erhöhung der Grundsteuer sorge jedoch für Konflikte. Glanbrücken ist – wie viele Ortsgemeinden – finanziell nicht auf Rosen gebettet. Ohne Konzept müssten Maßnahmen komplett selbst bezahlt werden. Aber oft zeige bereits das Drehen an kleinen Stellschrauben Wirkung.

Besonders eindrücklich war bei den Teilnehmern eine Karte, die die Starkregenauswirkungen auf einzelne Gebäude sichtbar machte. Die Bürger kamen schnell mit den Ingenieuren ins Gespräch. Sie stellten fest: Wird zum Beispiel Brennholz entfernt, können Abflüsse freibleiben – ein kleiner Schritt mit konkreter Wirkung.

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