Landtagswahl
Was IGS-Schüler von den Landtagskandidaten in Sachen Bildungspolitik fordern
Etwa 40 Schüler aus der Klassenstufe 13 der Integrierten Gesamtschule (IGS) Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr hatten im Vorfeld der Landtagswahl am 22. März die Gelegenheit, den acht Bewerbern aus dem Landkreis Kusel zu verschiedenen Themenfeldern auf den Zahn zu fühlen und Fragen zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brannten. In einer Runde ging es um den Komplex „Bildungspolitik, Jugend und Chancengerechtigkeit“.
Moderiert von Nick Hunzicker, Cem Bozhüyük und Zeeta Federlein entwickelten sich unter anderem Diskussionen zu Entlastungen von Schulen, besseren Lernbedingungen und zur Rolle von Schulen im Umgang mit mentaler Gesundheit. Immer zwei Kandidaten traten in Duellen von jeweils rund 15 Minuten Dauer gegeneinander an. Die Zeit war also knapp.
Investitionen in Personal und Schulgebäude
Zuerst stiegen Andreas Hartenfels (Bündnis Sahra Wagenknecht) und Katja Daish (Grüne) miteinander „in den Ring“. Hartenfels erklärte, dass es dringend nötig sei, mehr in die Bildung zu investieren. Dabei ging er einerseits auf den akuten Personalmangel bei den Lehrkräften ein und sprach andererseits von dringend notwendigen Aktualisierungen in der technischen Ausstattung von Schulen sowie dem „desolaten Zustand“ vieler Schulgebäude. Daish verwies darauf, dass Schüler eben keine Lobby hätten und es dringend notwendig wäre, sich für sie einzusetzen. Sie forderte, den Lehrberuf – auch durch bessere Vergütung – attraktiver zu machen. Das Geld sei vorhanden, müsse aber umverteilt werden, beispielsweise durch eine Reform der Erbschaftssteuer. Hartenfels griff das Thema Finanzierung auf und äußerte den Wunsch, wieder eine Vermögenssteuer einzuführen. Dies hätte zur Folge, dass dem Land etwa eine Milliarde Euro mehr zur Verfügung stände.
Bei der Frage nach der Finanzierung der von den Grünen geplanten „modernen und professionellen digitalen Infrastruktur“ für Schulen berief sich Daish wiederum auf das Prinzip der Umverteilung. Dadurch wolle man „weg von Fax und Overhead-Projektor“ und hin zu digitalen Fördermöglichkeiten wie der Online-Nachhilfe. Hartenfels erklärte zum Thema Mobbing in digitalen Räumen, dass genau solches Fehlverhalten Grund dafür sei, Schülern frühestmöglich Kompetenz im Umgang mit Medien zu vermitteln. Man müsse bereits im Elternhaus ansetzen, da die Dauer der Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen zu hoch und der Zugriff auf nichtkindgerechte Inhalte oft uneingeschränkt möglich sei. Daish beurteilte das differenzierter: Man solle sich zunächst fragen, welche Kinder einen sehr hohen Medienkonsum hätten – dabei komme man zu der Erkenntnis, dass diese meist aus „prekären Verhältnissen“ stammten und sich aufgrund mangelnder altersgerechter Förderung Fernseher, Tablet und Co. zuwenden würden.
Forderung: „110 Prozent Lehrkräfte an Schulen“
In der nächsten Runde gingen Oliver Kusch (SPD) und Helge Schwab (Freie Wähler) an den Start. Erneut ging es ums Thema Lehrermangel. Schwab sagte, dass seiner Meinung nach „110 Prozent Lehrkräfte“ pro Schule angestrebt werden müssten – dazu setzte er die durchschnittlichen Krankheitstage der Lehrer mit den Schultagen ins Verhältnis. Schon in der Ausbildung der Lehramtsstudenten müsse gesichert werden, dass diese frühzeitig den Arbeitsalltag kennenlernen, um die Anzahl der Abbrecher möglichst gering zu halten. Lehrkräfte seien „keine Saisonarbeiter“ und müssten nach Abschluss ihrer Ausbildung direkt eine Anstellung erhalten.
Kusch sprach davon, Schüler individueller fördern zu wollen. Aufgrund persönlicher Erfahrungen plädierte er für einen Zugang zu Bildung „unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“. Man könne außerdem nicht alle „Defizite der Gesellschaft den Lehrern auferlegen“, so Kusch. Kinder sollten allerdings schon früh unterstützt werden, beispielsweise durch Sprachstandermittlung inklusive nötiger Hilfestellung und verstärkter Schulsozialarbeit. Bei allen Baustellen dürfe man die positiven Entwicklungen wie Lernmittelgutscheine und das Bundesausbildungsförderungsgesetz nicht aus den Augen verlieren. Schwab stimmte Kusch hinsichtlich der Frühförderung zu. Er stehe hinter einem verpflichtenden Vorschuljahr für alle Kinder. Nicht jedes sei Kind gleich, weshalb alle Arten der Ausbildung gleichermaßen Respekt verdienten.
„Zufriedenstellende Digitalisierung“: Schüler widersprechen
Das dritte Duell bestritten Alejandra Catalina Monzon (AfD) und Otto Rubly (CDU). Erneut ging es um den Personalmangel im Bildungssektor. Auch die CDU halte an dem Wunsch von 110 Prozent besetzten Stellen fest, so Rubly. Zur Digitalisierung sagte er, dass der Internetausbau an Schulen wie der IGS recht zufriedenstellend sei – eine Aussage, die bei den Schülern nicht auf Zustimmung stieß. Es komme häufig vor, dass für geraume Zeit keine Internetverbindung bestehe, was den Unterricht einschränke, berichtete ein Schüler. Monzon warnte vor einer zu starken Fokussierung auf den digitalen Unterricht. Zumindest in der Grundschule sei es wichtig, dass die Kinder auch an das analoge Lernen herangeführt würden. Beim Thema Bildungsgerechtigkeit hielt es die AfD-Kandidatin für wichtig, dafür zu sorgen, dass alle Schulanfänger die deutsche Sprache beherrschten – andernfalls könne „kein Unterricht stattfinden“. Sprach-Kitas betrachte sie kritisch, da Kinder immer den „angenehmeren Weg bevorzugen und in ihrer Muttersprache kommunizieren“ würden.
Rubly bezeichnete wie Schwab ein verpflichtendes Kitajahr als Grundvoraussetzung für gleiche Startbedingungen in den Schulalltag. Des Weiteren plädierte er für das G9-Abitur mit Abschluss im Sommer, um genügend Zeit zum Erlernen des Unterrichtsstoffs während der Oberstufe zu ermöglichen. Ferner erwähnte der ehemalige Kuseler Landrat die Schwimmoffensive, die es allen Grundschülern ermöglichen solle, Schwimmen zu lernen. Die Schüler hinterfragten, wie diese Idee praktisch umsetzbar sei. Rubly antwortete, dass ihm die Herausforderungen durchaus bewusst seien. Der zeitaufwendige Weg zum nächsten Schwimmbad sei sicher ein zu klärender Punkt, allerdings würden die Fahrtkosten von der Schwimmbad GmbH übernommen. Monzon wurde dazu befragt, dass im AfD-Wahlprogramm eine Verbindung zwischen Migration und Problemen an Schulen hergestellt werde. Sie entgegnete, dass sich dies sich auf die Gewalttäter unter den Migranten beziehe, und verwies auf die BBS sowie die Realschule plus in Kusel, an denen es einen Ausländeranteil von rund 30 Prozent gebe.
Eine Extra-Steuer für die Superreichen?
In der letzten Runde standen sich Sebastian Demmel (Linke) und Tonit Haliti (FDP) gegenüber. Wie seine Vorredner versprach auch Haliti, die Ausgaben für Bildung priorisieren zu wollen. Er schilderte seine Erfahrung, in der Pause zwischen den Diskussionsgesprächen auf den Schultoiletten keine Papierhandtücher vorgefunden zu haben – dies sei nur eine von vielen Baustellen. Es sei wichtig, dass jeder unabhängig von seiner Herkunft oder seinem Aussehen die gleichen Chancen habe. Demmel nahm den Ball auf und erklärte, dass Die Linke eine „Schule für alle“ anstrebe, um Vielfalt und bessere Vernetzung garantieren zu können. Ebenfalls sollten seiner Meinung nach ein kostenloses Schulessen angeboten, kleinere Klassen ermöglicht und mehr Sozialpädagogen in Bildungsstätten eingesetzt werden. Um den Druck auf Schüler zu verringern, sollte ferner durch mehr Personal individueller auf Sorgen und Probleme eingegangen werden. Haliti betonte, dass etwa das von der Koalition aus SPD und FDP beschlossene Abschaffen unangekündigter Hausaufgabenüberprüfungen eine Entscheidung gewesen sei, die einen entspannteren Lernalltag sicherstelle. Die Schule müsse stärker auf spezielle Talente eingehen, forderte der Gastronom aus Rehweiler. Er setze sich mit der FDP für Handwerker-Gymnasien ein, um die Vorurteile rund um Ausbildungsberufe abzubauen.
Als es abschließend darum ging, wie die vorgeschlagenen Maßnahmen finanziert werden sollen, kam es zum professionellen Schlagabtausch zwischen den Landtagskandidaten. Demmel brachte seine Meinung kurz und knapp mit dem Slogan „Tax the Rich“ auf den Punkt – das Konzept sieht vor, die Superreichen stärker zu besteuern. Haliti hielt dagegen, ob man Menschen, die sich durch harte Arbeit etwas aufgebaut hätten, dadurch bestrafen wolle. Demmel erwiderte, dass von diesem Szenario lediglich das reichste Prozent der Bevölkerung betroffen wäre – worauf Haliti wiederum entgegnete, dass die genannten Superreichen der Gesellschaft oft auch etwas zurückgäben. Er nannte Innovationen wie den KI-Campus als Beispiel. Die Diskussion wurde durch Ablauf der vorgegeben 15 Minuten unterbrochen. „Das hat Spaß gemacht“, resümierte Tonit Haliti.