Aschbach
Warum Modellfliegen für die Mitglieder des MSV Aschbach mehr als nur ein Hobby ist
Der Modellsportverein (MSV) Aschbach ist ein kleiner Verein mit 30 Mitgliedern, die einem eher außergewöhnlichen Hobby nachgehen. Hobby? Bei einem Besuch auf dem Fluggelände hört es sich im Gespräch mit mehreren MSV’lern so an, als ob es für sie weit mehr als nur eine schöne Freizeitbeschäftigung ist. Viele von ihnen widmen sich schon seit Jahrzehnten mit Stolz und Begeisterung dem Modellfliegen. Der Verein besitzt ein eigenes Fluggelände – etwa 7000 Quadratmeter groß, auf einer Anhöhe bei Aschbach gelegen. Die malerische Landschaft und ein weiter Blick über das Glantal geben einem fast das Gefühl, selbst in einem Flugzeug zu sitzen und das Pfälzer Bergland von oben zu genießen.
Die Mitglieder des MSV sind durchweg älteren Semesters und kommen nicht nur aus der Umgebung. Martin Thiel aus Medard fliegt bereits seit 1971. Er war schon in den Alpen und den Vogesen aktiv, früher bestritt er Wettbewerbe. Auch Randulf Drumm aus Wolfstein, Gerhard Weber aus Zweibrücken und Günter Schäfer aus Rodenbach sind bereits seit mehr als 25 Jahren dabei. Niemand hat nur ein Modell – im Laufe der Jahre haben sich bei allen die Keller und Garagen gefüllt. Es geht ja nicht nur ums Lagern. Die Modelle müssen auch gebaut, gewartet und repariert werden.
Modelle haben heute hochmoderne Steuerungscomputer
Wie bei den meisten Vereinen, bereitet auch beim MSV den Verantwortlichen das Durchschnittsalter Kopfzerbrechen. Es werden dringend junge Mitglieder gesucht, die im besten Fall schon als Kinder spielerisch Modellbau und -flug kennenlernen wollen – abseits von Handy und Computer. Wobei die heutigen Steuerungen der Flugmodelle hochmoderne Steuerungscomputer sind, die einiges an technischem Verständnis erfordern. Der Verein beteiligt sich daher auch am Ferienprogramm der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein und veranstaltet an zwei Samstagen im Juli ein ganztägiges Programm für Kinder und Jugendliche. Es werden Fluggleiter zusammengebaut, die anschließend in einem Wettbewerb vorgeführt werden.
Um überhaupt mit den Modellen fliegen zu dürfen, muss ein Verein einige Voraussetzung erfüllen – auch finanziell. Zunächst benötigt er einen vom Deutschen-Modellflieger-Verband im Auftrag des Verkehrsministeriums ausgewiesenen Platz sowie eine Aufstiegsgenehmigung vom Deutschen Bundesluftfahrtamt. Der MSV Aschbach hat den Vorteil, dass ihm das Gelände gehört. Dazu kommen für jedes aktive Mitglied eine eigene Versicherung und eine amtliche Flugerlaubnis. Bei Flugbetrieb auf dem Platz muss eine Flugleitung benannt werden, die auf die Umgebung, den Rad- und Wanderverkehr sowie die Witterungsbedingungen zu achten hat.
Elektronische Antriebe setzen sich immer mehr durch
Im Laufe der Jahre hat sich, wie in vielen Bereichen, auch im Modellbau und -flug einiges verändert. Immer mehr setzten sich elektronisch angetriebene Modelle durch, sodass heute nur noch ältere, originalgetreue Nachbauten von Flugzeugen mit Verbrennungsmotoren ausgerüstet sind. Elektromotoren sind leiser, wartungsärmer und weniger aufwendig zu verbauen. Zudem braucht es keine Kraftstoffkanister, und sie sind geruchsneutral. Die Motorleistung ist ohne Zeitverzögerung abrufbar, was Martin Thiel bei einer Vorführung mit seinem komplett in Holzbauweise hergestellten Modell eindrucksvoll vorführt. Er zeigt einen perfekten Kunstflug mit Manövern, die den Betrachter an den physikalischen Gesetzen zweifeln lassen.
Die Mitglieder des MSV Aschbach verbringen ihre Wochenenden regelmäßig auf dem Platz. Es wird nicht nur geflogen, sondern über Modelle, Steuerungen und über mögliche, aber auch scheinbar unmögliche Flugmanöver gefachsimpelt. Abstürze kämen schon mal vor, seien aber selten, berichten die Mitglieder. Und sie betonen, dass Sicherheit immer vorgehe. Darin sehen sie auch den hauptsächlichen Grund dafür, dass es in all den Jahren noch keine dramatischen Vorkommnisse in ihrem Verein gegeben habe. Wenn es aber bei einer Landung doch mal zu einem Absturz komme, dann sei stets ein Totalschaden die unweigerliche Folge, wird nicht ohne Schmunzeln erzählt.
Neugierige sind jederzeit willkommen
Die Zeit auf dem Flugplatz ist also für die Mitglieder nicht nur Beschäftigung mit den Modellen. Es wird auch gegrillt, sich unterhalten und freundschaftliche Beziehungen werden gepflegt. Neugierige könnten sich den Flugbetrieb jederzeit ansehen, einige Besucher kämen sogar regelmäßig zum zuschauen. Für einen Einstieg sei zunächst ein eigenes Modell notwendig. Langjährige Mitglieder seien im Besitz älterer Exemplare, die sie Anfängern oder Neugierigen unter Anleitung zur Verfügung stellten. Dem Lernen dient der „Lehrer-Schüler-Betrieb“ mit zwei Steuerungen: Dabei hat der Lehrer eine Art Vorrangschaltung und kann jederzeit die Steuerung freigeben oder wieder übernehmen. Nach einer kurzen Einführung in Flugtheorie, die Bedienung von Höhen- und Seitenruder sowie in Wetterkunde kann schon die Steuerung übergeben werden. Die Ausübung ihres Hobbys koste kein Vermögen, verweisen die Mitglieder darauf, dass es fertige Modelle schon ab 300 Euro gebe. Doch wie teuer Modellfliegen in Summe werde, entscheide sich letztendlich individuell im Laufe der Jahre.
Info
Informationen zum Verein gibt es beim Vorsitzenden Günter Lewandowski unter Telefon 0152 38514616 oder per E-Mail an lewagu1@web.de.
Die Serie: Vereinssache
In der Serie „Vereinssache“ stellen wir eingetragene Vereine aller Art vor: vom Sport- über Wander- und Förder- bis hin zu Freizeitvereinen. Wer vorgestellt werden möchte, kann sich per E-Mail bei der Redaktion melden: redkus@rheinpfalz.de.