Bedesbach RHEINPFALZ Plus Artikel Warum für die Fledermauszählung in Bedesbach nur die Weibchen interessant sind

Die Pollichia-Kreisgruppe Kusel hat am Freitagabend in Bedesbach Fledermäuse gezählt. Der Rechner der Gruppe, Ralf Hellwig, zeig
Die Pollichia-Kreisgruppe Kusel hat am Freitagabend in Bedesbach Fledermäuse gezählt. Der Rechner der Gruppe, Ralf Hellwig, zeigt auf einem Laptop die von Kameras erfassten Exemplare unter dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses.

Die Fledermauszählungen in Bedesbach bieten Besuchern ein beeindruckendes Schauspiel. Die Resonanz war diesmal gering – die Anzahl der Tiere zur Freude der Initiatoren hoch.

Als die Nacht über Bedesbach hereinbricht, richten sich die Blicke auf ein unscheinbares Flugloch im Dach des Bedesbacher Dorfgemeinschaftshauses. Ralf Hellwig und Susanne Brücher stehen bereit, sie halten den Zähler in der Hand. Wenig später schießen die ersten Fledermäuse in die Nacht hinaus.

Zur Abendzählung der Pollichia-Kreisgruppe Kusel sind am Freitagabend nur zwei weitere Naturfreunde gekommen. „Im vergangenen Jahr hatten wir noch 40 Besucher“, sagt der Rechner der Kreisgruppe, Ralf Hellwig. Er vermutet, dass der Feiertag und das lange Wochenende viele Menschen auf Reisen gelockt hat. Nicht so Jutta Keller aus Altenkirchen, die zum ersten Mal an der Fledermauszählung in Bedesbach teilnimmt. „Ich bin seit über 40 Jahren im Tierschutzverein des Landkreises Kusel aktiv“, erzählt sie. Fledermäuse sind ihr nicht fremd. Bereits bei der bundesweiten Fledermausnacht in Börsborn hat sie die Tiere am dortigen Glockenturm beobachtet – sie findet das spannend.

1228 Tiere wurden bei der Zählung in Bedesbach registriert.
1228 Tiere wurden bei der Zählung in Bedesbach registriert.

Schleiereule besetzt Nistkasten für Fledermäuse

Weiterhin erzählt Keller, sie habe an ihrem Wohnhaus Fledermauskästen angebracht. Diese würden inzwischen angenommen. Auch ein Nistkasten am Hausgiebel sei bewohnt – allerdings von einer Schleiereule. „Das fasziniert mich“, sagt sie und verfolgt gespannt das Schauspiel am Abendhimmel. Seit Jahrzehnten dient der Dachstuhl des Dorfgemeinschaftshauses als Wochenstube für das Große Mausohr, die größte heimische Fledermausart. Hunderte trächtige Weibchen kommen jedes Jahr hierher, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. „Vor 24 Jahren, als wir mit den Zählungen begonnen haben, waren es gerade einmal 300 Tiere“, berichtet Hellwig. Seither habe sich die Population mit kleineren Schwankungen kontinuierlich vermehrt. Gezählt werden bei diesem ersten Termin ausschließlich die Weibchen: Sie „fliegen aus, schlagen sich den Bauch voll, kommen zurück und säugen ihren Nachwuchs“, erklärt Hellwig. Am Ende des Abends sind genau 1228 Tiere registriert.

Ralf Hellwig zeigt den Teilnehmerinnen der Fledermauszählung Fotos vom Großen Mausohr.
Ralf Hellwig zeigt den Teilnehmerinnen der Fledermauszählung Fotos vom Großen Mausohr.

In etwa fünf Wochen, am 10. Juli, folgt die zweite Zählung, bei der dann die Jungtiere erfasst werden. Statistisch bringe jedes Weibchen ein Junges zur Welt. Vor 24 Jahren wurde der Dachstuhl des Dorfgemeinschaftshauses eigens fledermausgerecht umgebaut. Die Tiere gelten als äußerst standorttreu und kehren jedes Jahr nach Bedesbach zurück, um ihre Jungen aufzuziehen. Die Ergebnisse der Zählung werden zusätzlich an den Fledermausforscher Hans König aus Kirchheimbolanden und an die Fledermauskoordinationsstelle in Mainz gemeldet.

Die Pollichia-Kreisgruppe freut sich über Spenden für ihren Fledermaus-Schutz.
Die Pollichia-Kreisgruppe freut sich über Spenden für ihren Fledermaus-Schutz.

Größte Kolonie im weiten Umkreis

Im Kreis Kusel ist Bedesbach der einzige bekannte Wochenstubenstandort. Im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern dürfte es sich sogar um die größte Kolonie handeln, vermutet Hellwig. Susanne Brücher begleitet die Zählungen seit 2015. „Es ist spannend, die Entwicklung über die Jahre zu beobachten“, sagt sie. Beim jährlichen Reinigen des Dachstuhls im Dezember würden nur wenige verendete Tiere gefunden. „Die Krankheiten haben wir gut im Griff.“ Lediglich einmal habe ein Milbenbefall den Einsatz eines Kammerjägers erforderlich gemacht.

Die Pollichia-Kreisgruppe Kusel zählt 65 Mitglieder, von denen etwa 15 aktiv mitarbeiten. Neben dem Fledermausschutz engagieren sie sich unter anderem in der Astronomie, bei Grabungen im Steinbruch Rammelsbach, auf der Burg Lichtenberg und in der Pflege wertvoller Naturschutzflächen. Die letzten Fledermäuse verschwinden in der Dunkelheit. Für Besucher wie Jutta Keller bleibt die Erinnerung an einen besonderen Abend, an dem Hunderte lautlose Jäger den Himmel über dem Glantal bevölkerten.

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