Wochenendkolumnen RHEINPFALZ Plus Artikel Wackelt die SPD-Hochburg? CDU setzt im Wahlkreis Kusel auf Ex-Landrat Otto Rubly

kandidat rubly

Vom Kreishaus ins Landesparlament? Otto Rubly will 2026 nach Mainz. Er könnte der SPD in der Hochburg Kusel mächtig Kopfschmerzen und seinem B-Kandidaten den Weg bereiten.

Der CDU im Landkreis Kusel ist ein Coup gelungen: Kaum aus der Kreisverwaltung raus, will Otto Rubly schon in den Landtag rein. Ende September hatte die RHEINPFALZ noch spekuliert, dass es so kommen könnte. Jetzt ist er offiziell für die Wahl im März 2026 als Direktkandidat nominiert worden. Damit dürfte die Kandidatenriege für die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen vollständig sein.

Haben die sonst niemanden? Wo ist der CDU-Nachwuchs? Das sind legitime Fragen. Die Antwort liegt auf der Hand: Aus dem Stand heraus hätte im Landkreis Kusel kaum ein anderer Christdemokrat dieselben Chancen wie Rubly, der SPD das Direktmandat abzuluchsen. Dabei haben die Genossen seit Jahrzehnten das Ticket nach Mainz gebucht – wenn auch bei den vergangenen Wahlen mit stetig sinkenden Ergebnissen. In Wikipedia ist zu lesen: „Der Wahlkreis gilt landesweit als eine der ausgeprägtesten Hochburgen der SPD, deren Kandidaten ihn stets direkt gewinnen konnten.“

Rückendeckung aus Mainz

Das ist ein großer Druck für Oliver Kusch, der seit 2021 SPD-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis ist. Vor ihm hatte Jochen Hartloff seit Mitte der 1990er das Direktmandat inne. Kusch, Kardiologe mit Praxis in Kusel, ist gern im Landkreis unterwegs, vornehmlich in Begleitung wandernd. Er bekommt gerade reichlich Rückendeckung aus der Landeshauptstadt: Bildungsminister Sven Teuber besuchte jüngst das Siebenpfeiffer-Gymnasium, Gesundheitsminister Clemens Hoch stand zum neuen Bestattungsgesetz Rede und Antwort und Landesvater Alexander Schweitzer besuchte die Kerwe in Hoppstädten, weil er es bei der „Baumpflanz-Challenge“ nicht schaffte, ein Bäumchen zu pflanzen. Offenbar hat die SPD gemerkt, dass es in diesem Wahlkampf keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dass der Gewinner des Wahlkreises ein rotes Parteibuch hat ...

Bei einem schwachen – sprich zu unbekannten – CDU-Mitbewerber wäre die Entscheidung ums Wahlkreis-Direktmandat wohl zwischen Kusch und Alejandra Catalina Monzon von der AfD gefallen. Auch wenn viele das nicht gerne lesen. Doch alle anderen aufgestellten Kandidaten haben kaum Aussichten, direkt in den Landtag einzuziehen. Rubly schon. Der ist nach acht Jahren im Chefsessel der Kreisverwaltung im Landkreis weithin bekannt – nicht zuletzt, weil er in seiner Amtszeit Wochenende für Wochenende auf Veranstaltungen unterwegs war. Und nach seiner Amtszeit übrigens auch auf der Kerwe in Hoppstädten ...

Spekulieren wir mal ein wenig

Die Kandidatur „vom Oddo“, wie ihn viele nennen, dürfte im Wahlkampf die anderen Parteien schmerzlich Stimmen kosten: Seine Forderungen nach Gewerbeflächen, einer besseren finanziellen Ausstattung für Kommunen und einem „Masterplan Westpfalz“ hat er als Landrat bis zur Amtsübergabe immer wieder erneuert: Für viele Menschen im Landkreis sind das ganz entscheidende Punkte. Deswegen werden die im Wesentlichen auch von allen Kandidatinnen und Kandidaten so unterschrieben. Rubly nehmen die Wählerinnen und Wähler aber womöglich noch am ehesten ab, sich in Mainz nachdrücklich dafür einzusetzen.

Die Kandidatur Rublys gibt der Kreis-CDU Zeit, einen – vergleichsweise – jungen Kandidaten aufzubauen. Spekulieren wir mal ein wenig: Der 68-jährige Otto Rubly gewinnt das Direktmandat im Landkreis und ist künftig Landtagsabgeordneter statt Landwirt. Nach zwei, drei Jahren entscheidet er sich, kürzertreten zu wollen. Das Alter, mehr Zeit für Hobbys ... Dann käme sein B-Kandidat ins Spiel: Sebastian Borger rückt in den Landtag nach, wenn Rubly ausscheidet. Als Landtagsabgeordneter hätte Borger bis zur nächsten Wahl Zeit, sein Profil zu entwickeln.

Die AfD wird es mit der Brechstange versuchen

Spekulieren wir weiter: Wenn die CDU einen Kandidaten aufbauen will – für die übernächste Landtagswahl beispielsweise –, dann böte es sich doch an, ihm eine Position im Landkreis zu geben, auf der er den Landrat vertreten kann. Es wäre also nur konsequent, wenn die Kuseler CDU als Ersten Kreisbeigeordneten ihren Kreisvorsitzenden vorschlägt. Sebastian Borger hätte dadurch Gelegenheit, sich bei den Menschen im Landkreis bekannt zu machen.

Kurz noch zur dritten Bewerberin mit Aussichten aufs Direktmandat – auch wenn das nicht allen gefällt: Bei der Landratswahl im Februar war die bis dato in weiten Teilen des Landkreises völlig unbekannte AfD-Kandidatin Catalina Monzon nur knapp am Einzug in die Stichwahl vorbeigeschrammt. Die Partei wird es im Landtagswahlkampf wieder mit der Brechstange versuchen und eifrig Prominenz von Bundes- und Landesebene in die Westpfalz bringen, um hier einen Wahlkreis direkt zu gewinnen. Gut möglich, dass Anfang 2026 wieder eine AfD-Großveranstaltung im Landkreis stattfinden wird.

x