Interview
Vortrag in Schönenberg-Kübelberg: Warum Kinder und Smartphone nicht zusammenpassen
Herr Steininger, am 16. April sprechen Sie ab 18.30 Uhr im Konferenzraum von Minitec in Schönenberg-Kübelberg über die Smartphone-Nutzung von Kindern. Warum ist das aktuell so ein großes Thema?
Man sieht einfach immer stärker, welche Auswirkungen die Smartphone-Nutzung auf Kinder hat. Deswegen werden immer mehr Eltern, Lehrer, aber auch die Politik darauf aufmerksam, dass Handlungsbedarf besteht. Das sieht man beispielsweise an anderen Ländern wie Australien, wo seit Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige gilt. Wir sehen in Ländern wie Finnland, die digitale Vorreiter waren, dass diese das Rad wieder zurückdrehen, weil sie erkennen, dass das Ganze nicht zwingend nur zu positiven Effekten führt.
Warum passen Kindheit und Smartphone Ihrer Meinung nach nicht zusammen?
Selbst als Erwachsene erschrecken wir uns regelmäßig über unsere Bildschirmzeit und sehen, wie abhängig wir von allem sind, was da auf uns einprasselt, und wie wenig wir uns selbst kontrollieren können. Für Kinder ist das um ein Vielfaches schwieriger. Das Herumtreiben in sozialen Medien schüttet Dopamin aus, was wiederum dazu führt, dass Kinder sich schlecht davon lösen können. Das führt zu negativen Effekten. Nicht-digitale Situationen werden dadurch auf Dauer als langweiliger empfunden.
Ab welchem Alter halten Sie ein Smartphone für sinnvoll?
Da kann man sich natürlich streiten – und das tut die Wissenschaft auch. Hierbei ist es ganz interessant, einmal die Unternehmer und Gründer von sozialen Plattformen zu betrachten, beispielsweise Mark Zuckerberg, und wie diese mit ihren Kindern umgehen. Die sagen: Vor 13 oder 16 Jahren gibt es für unsere Kinder keine Handys. Die frühe Smartphone-Nutzung ist in einer vulnerablen Phase der Gehirnentwicklung gefährlich. Bis eine gewisse Reife entstanden ist, sind wir im Alter von 15 bis 16 Jahren.
Welche Rolle spielen diese sozialen Plattformen beim Selbstbild junger Menschen?
Da gibt es große Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Bei Jungs sind es eher Onlinespiele, die sie in ihren Bann ziehen. Bei Mädchen hingegen sieht man viel stärkere negative Effekte. Sie vergleichen sich mit Influencern und dann passiert es, dass Neun- bis Zehnjährige mit dem Schminken anfangen oder sich hässlich finden. Das führt zu extremen Herausforderungen vor allem bei Mädchen. Dort sehen wir, dass Angststörungen und Klinikeinlieferungen aufgrund von psychologischen Notfällen sehr viel häufiger vorkommen als bei Jungs.
Gibt es auch positive Effekte?
Kinder lernen durch bestimmte Apps oder Programme Fremdsprachen. Ganz allgemein können Smartphones die Kontakte zu Freunden oder beispielsweise Großeltern, die weiter weg wohnen, fördern. Sinnvoll in Schulen eingesetzt, können sie Lernerfolge bewirken.
Was sind typische Fehler, die Eltern machen können?
Eltern müssen letzten Endes ihren Erziehungsauftrag selbst wahrnehmen. Aber auch sehr gebildete Eltern sind hinsichtlich der Smartphone-Nutzung der Kinder meist wenig sensibilisiert. Durch die Schule entsteht ein enormer Gruppenzwang, weil die Kinder berichten, dass schließlich jeder ein Handy hat und man ohne Gerät der einzige Außenseiter sei. Beim Elternabend stellt sich dann oft heraus, dass das gar nicht stimmt.
Welche Rolle sollten Schulen bei der Smartphone-Nutzung der Kinder spielen?
Sie sollten die Eltern sensibilisieren und gemeinsame Wege finden, wie man diesem Thema begegnen kann. Ich sehe die Schulen da in einer gewissen Aufklärungspflicht. Gleichzeitig haben viele Schulen Medienunterricht, um zu zeigen, dass es wichtig ist, darauf zu achten, was den Kindern begegnet. Deswegen ist das altersgerechte Ausgestalten der Nutzung von digitalen Mitteln so wichtig.
Termin
Vortrag über Smartphones und Kinder am Donnerstag, 16. April, 18.30 Uhr, im Konferenzraum von Minitec in Schönenberg-Kübelberg.
Zur Person
Dennis Steininger ist Wirtschaftsinformatiker und Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre, genauer für Entrepreneurship, an der RPTU Kaiserslautern. Außerdem leitet er als Geschäftsführer das Business und Innovation Center in Kaiserslautern. Er klärt in Vorträgen über das Thema Smartphone und Kindheit auf.