Lohnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Von oben nach unten: Obst- und Gartenbauverein gibt Tipps für den Winterschnitt

Der optimale Zeitpunkt für den Winterschnitt ist da. Warum welche Triebe und Äste wie geschnitten werden sollten, erklärten Vere
Der optimale Zeitpunkt für den Winterschnitt ist da. Warum welche Triebe und Äste wie geschnitten werden sollten, erklärten Vereinsvorsitzender Wolfgang Michel (im Vordergrund mit Schere) und Lohnweilers Ortsbürgermeister Markus Müller.

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen wurden am Wochenende Obstbäume in Lohnweiler geschnitten. Dazu gab’s jede Menge Tipps von den Experten.

Ins Vogelgezwitscher mischt sich ein munteres Stimmengewirr. „Wenn es so weitergeht, müsst ihr Parkplätze anbauen“, scherzen die Besucher. Knapp 50 Interessierten werden anschaulich Grundlagen beim kostenlosen Schnittkurs des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Lohnweiler vermittelt. Ziel des Schnitts ist es, das Wachstum zu lenken, damit Licht und Luft in den Baum kommen. Ein gutes Grundgerüst hält den Baum gesund, und Früchte werden weniger anfällig für Pilze.

Die perfekte Zeit für den Winterschnitt liegt zwischen Ende Februar und Anfang März. Optimal für eine schnellen Heilung der Wunden ist sonniges und trockenes Wetter, bei leichten Plusgraden – so wie am Sonntag. Doch bevor auf der noch feuchten Wiese an drei Bäumen mit Muskelkraft geschnitten und gesägt wird, vermittelt das eingespielte Duett um den Vereinsvorsitzenden Wolfgang Michel und Lohnweilers Ortsbürgermeister Markus Müller Grundlagen zum richtigen Werkzeug, zu Schnittarten und zum Wuchs verschiedener Obstbaumarten.

Wer nicht klettert, fällt nicht runter

Es gibt ein paar Grundregeln: Je mehr geschnitten wird, desto stärker wird das Wachstum angeregt – daher ist weniger oft mehr. Senkrechte Äste wachsen schneller als flache, an denen Obst wächst – zu flach sollten sie aber nicht sein, da sie sonst abbrechen können. Wichtig sei zu entfernen, was nach innen wächst, auch Knospen sollen nach außen zeigen. Doch vor dem Spitzenschneiden wird empfohlen, das Grundgerüst samt Krone, möglichst in der Mitte, in Form zu bringen. So bleibt der Baum stabil stehen. Dazu sollte es ein paar Leitäste geben, an denen Obst wächst. Michel und Müller machen den Gästen Mut: „So viele Fehler kann man nicht machen.“

Gleich der erste, noch junge Apfelbaum hat mehrere Kronen. Mit der Japansäge am Teleskopstab vollzieht Müller „einen kardinalen Schnitt“ und nimmt ordentlich Holz weg. Es knarzt und knackt, der gerade Schnitt ohne Risse ist gelungen. Michel und Müller schneiden da und dort, erklären dabei, weshalb welche Triebe entfernt werden – schon bald hat der Baum ein passendes Grundgerüst. Hochzuklettern ist dabei nicht nötig. Michel steigt nicht auf Bäume. Denn, so lautet seine Weisheit, „dann kann man auch nicht runterfallen“.

Nicht jeder Baum wird jedes Jahr geschnitten

Empfehlenswert sei, den Schnitt oben zu starten und sich nach unten zu arbeiten. Gehe man umgekehrt vor, könnte einen zwischendurch die Motivation verlassen – mit der Folge, dass die Früchte später weiter oben wachsen würden. Wichtig sei, beim Schneiden immer wieder vom Baum abzurücken, denn „im Baum sieht man zu wenig“, erklärt Michel. Oder man macht es wie Georg und Silvia Dölp aus Heinzenhausen. „Sie guckt und sagt an, ich schneide“, erklärt Georg Dölp lachend.

Nicht jeder der 54 Bäume auf dem Gelände des OGV werde jedes Jahr geschnitten, keiner gedüngt oder gespritzt. Aus den Bioäpfeln werden jährlich 450 bis 500 Liter Apfelsaft gewonnen, der Rest wird in der örtlichen Brennerei zu Schnaps verarbeitet, berichtet Michel, der seit 15 Jahren an der Vereinsspitze steht.

Ein Spezialtipp für Kirschbäume

Christoph Krauth aus Hohenöllen hat auf dem Sulzhof drei Obstwiesen. Er erkennt nun selbst: „Ich habe zu viel geschnitten, weniger ist mehr. Es wurden viele Fragen geklärt, und das nicht jeder Baum jedes Jahr geschnitten werden muss, nimmt Druck.“ Katrin Hammes aus Offenbach-Hundheim hat Opas Garten in Eschenau übernommen, der für sie ein Ausgleich zum Büroalltag sei. In einem Teil gedeihe Gemüse, auf der Wiese habe die Familie fünf Obstbäume gepflanzt, die von Anfang an passend gestutzt werden sollen. Während einige Besucher wie Herbert Brand aus Lohnweiler jedes Jahr dabei sind, war es für Jürgen Werner aus Relsberg das erste Mal. Er hat eine Obstwiese und vor Jahrzehnten mal Schnittkurse besucht. „Das wollte ich auffrischen, und man lernt immer was dazu. Früher wurde bei großen Wunden Harz verwendet, das macht man heute nicht mehr so.“ Stefanie Ludes konnte nicht nur Wissenswertes zum Schnitt mitnehmen. „Es macht auch Spaß, Leute zu beobachten, die das richtig können. Es ist eine Kunst, und die Tipps motivieren.“

Neben dem Winter- gibt es auch den Sommerschnitt, der sich für alte Bäume sowie für langsamer wachsendes Steinobst anbietet. Durch den langsamen Wuchs schließen sich Wunden nicht so schnell und können sich eher infizieren. Müllers Spezialtipp bei Kirschbäumen: „Schneiden, wenn die Kirschen reif dranhängen und die Früchte vom Boden pflücken.“

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