Wandertipp
Von Kusel ins Saarland auf dem Fritz-Wunderlich-Weg
„Ein Städtchen liegt im Pfälzerland, im Tal, so wunderschön. Dort ist’s, wo meine Wiege stand, wohin meine Träume gehn.“
Wer kennt ihn nicht? Den berühmten Kuseler Kammersänger Fritz Wunderlich, das Aushängeschild der kleinen Kreisstadt. 95 Jahre alt wäre er dieses Jahr geworden, wäre der bekannte Opernsänger nicht infolge eines Treppensturzes allzu früh verstorben.
Büsten und Statuen, Gedenksteine, die nach ihm benannte Fritz-Wunderlich-Halle oder sein Geburtshaus in der Trierer Straße erinnern noch heute an den großen lyrischen Tenor. Doch auch ein Rad- und Wanderweg ist nach ihm benannt: Der 24 Kilometer lange Fritz-Wunderlich-Weg, der von der Geburtsstadt der Kuseler Berühmtheit über die ehemalige Bahntrasse ins saarländische Freisen führt.
Zur Serie "Mit Michelle unterwegs"
Dieser Text erschien im Rahmen der Wanderserie "Mit Michelle unterwegs". Unsere RHEINPFALZ-Redakteurin Michelle Pfeifer war in ihrer Heimat unterwegs und hat sich die schönsten Wege im Kuseler Land angeschaut.
Verbindendes Element
„Musik ist zweifellos ein verbindendes Element. Wege sind es gleichermaßen“, betont die Fritz-Wunderlich-Gesellschaft. Der Name des Sängers fungiere demnach als Synonym für den grenzüberschreitenden Rad- und Wanderweg von Rheinland-Pfalz ins Saarland. „Fritz Wunderlich ist immer gerne zurück in die Heimat gekommen, um die Mutter und seine Freunde zu besuchen“, erzählt Vorsitzende Ingrid Hirschberger im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich bin sicher, er würde es heute sehr begrüßen, dass es einen solchen Wanderweg gibt.“
Bereits seit 1993 lockt der beliebte Rad- und Wanderweg Bewegungsfreudige in die Kreisstadt. Die Strecke eignet sich aufgrund ihrer geringen Steigung auch besonders gut für Ungeübte und Anfänger.
Besungene Motive
Mit Wunderlichs Kusellied im Ohr, das jedem Kuseler bekannt sein dürfte, lässt sich entlang des Weges so manches besungene Motiv wiedererkennen. So geht es vorbei an der Burg Lichtenberg, der größten Burganlage der Pfalz, die sich majestätisch über das Tal erhebt und den Wanderer ehrfürchtig zu sich aufblicken lässt. Schon Fritz Wunderlich sang damals: „Die alte Burg schaut still ins Tal, erzählt von vergangener Zeit, sie sah uns schon so manches Mal als Kinder voll Seligkeit.“
Durch zwei mehrere hundert Meter lange Tunnel, immer entlang der ehemaligen Bahnlinie Kusel - Türkismühle, überschreitet der Wanderer alsbald die saarländische Landesgrenze. In Schwarzerden lohnt ein Abstecher zum Mithras-Tempel etwa 300 Meter abseits des Weges. Eine Felswand aus rotem Sandstein mit eingehauenem Relief bildete einst die Rückwand eines im dritten Jahrhundert erbauten Tempels, in dem die Gläubigen dem persisch-römischen Lichtgott Mithras huldigten.
Schatten spendende Bäume
Weiter geht es über Stock und über Stein, unter dichten, schattenspendenden Baumkronen. „Der Wald, der war unser liebstes Ziel, der Bach war unser Meer, der Mühlberg sah unser frohes Spiel, die Kinderzeit kommt niemals mehr.“
Als Fritz Wunderlich damals den Kinderschuhen entwuchs, hätte wohl noch keiner geahnt, dass ihm eine solche Karriere bevorstehen würde. „Seine Mutter vertrat immer die Auffassung, er solle etwas Ordentliches lernen“, erzählt Ingrid Hirschberger. „Sie wollte, dass er sich beim damaligen Landratsamt bewirbt.“ Eine Bewerbung habe der jugendliche Fritz auch tatsächlich geschrieben, nur soll sie nie beim Landratsamt angekommen sein. „Er hat sie in den Kuselbach geworfen“, sagt die Vorsitzende der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft lachend, „spätestens da hat es die Mutter dann eingesehen und er durfte fortan Gesangsunterricht in Kaiserslautern nehmen.“
Eine der größten Steinbrücken
Auf ein beeindruckendes Bauwerk aus vergangener Zeit stößt der Wanderer in Oberkirchen. Die Talbrücke stellt in ihrer Bauart und mit ihren zwölf Bögen eine der größten Steinbrücken Südwestdeutschlands dar und bietet einen herrlichen Blick über das obere Ostertal. Bereits im Jahr 1866 gab es Anregungen für den Bau der Bahnlinie zwischen Kusel und Türkismühle. Der Erste Weltkrieg verhinderte jedoch weitere Planungen, sodass es erst 1931 grünes Licht gab und das letzte Teilstück der Westrichbahn zwischen Freisen und Kusel schließlich im November 1936 in Betrieb genommen werden konnte. Noch heute sind entlang der ehemaligen Bahntrasse hochstehende Form- und Sperrsignale zur Sicherung des damaligen Fahr- und Rangierbetriebs sowie Vorsignale zur Ankündigung des Hauptsignals in Bremswegabstand zu sehen.
Nach nur 33 Jahren Betriebszeit wurde die Westrichbahn schließlich aufgrund „mangelnder Inanspruchnahme“ zunächst für den Personen- und bald darauf auch für den Güterverkehr eingestellt. Während die Gleise bereits Anfang der 70er-Jahre demontiert wurden, wurde die aus dem Gestein der Steinbrüche Pfeffelbach und Thallichtenberg gefertigte Talbrücke saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Seit der Eröffnung des Fritz-Wunderlich-Weges stellt die eindrucksvolle Talbrücke in Oberkirchen eine besondere Station des Bundesländer übergreifenden Weges dar.
„Gott erhalte mein Städtchen“
Wenngleich Fritz Wunderlich nicht mehr am Leben ist, so bleibt doch die Erinnerung an ihn. Wachgehalten durch Orte, Statuen, Büsten und eben Wege wie diesen. Die Erinnerung an einen großen Opernsänger, der stets heimatverbunden blieb. Die Erinnerung an eine Berühmtheit, die einen solchen Wanderweg sicherlich begrüßen würde. „Zieh in die Welt ich einst mal fort, dann bitt ich: Gott erhalt’s, mein Städtchen, meinen Heimatort, mein Kusel in der Pfalz.“
Die Serie



