Kreis Kusel
Von Enttäuschung bis Freude: So kommentieren die Direktkandidaten das Wahlergebnis
„Das zeigt mir, dass meine Arbeit, die ich als Landrat gemacht habe, gut war“, sagt Otto Rubly (CDU) gegen 21.45 Uhr. Er feiert seinen Wahlsieg im Naturfreundehaus in Steinbach mit Parteikollegen und „Bürgerinnen und Bürgern, die dazugekommen sind“. Dass er das Direktmandat im Landkreis Kusel gewonnen hat, freut ihn natürlich: „Es gab im Landkreis noch nie einen direkt gewählten CDU-Landtagsabgeordneten.“
Er habe den Wahlsieg nicht fest eingeplant, freue sich aber darauf, „die Anliegen aus dem Landkreis Kusel und aus der Westpfalz in Mainz vorbringen zu können“. Rubly blickt auf einen intensiven Wahlkampf zurück, der aus seiner Sicht „vor allem von Sachpolitik geprägt war. Wir hatten einen guten, demokratischen Wahlkampf.“
Enttäuschung bei Sozialdemokraten
Trotz erstem Platz bei den Landesstimmen im Wahlkreis Kusel ist die Stimmung bei den Sozialdemokraten getrübt. „Natürlich ist es nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft haben“, sagt SPD-Direktkandidat Oliver Kusch, der den Wahlabend in seinem Wahlkreis verbringt. Dass die SPD in dem traditionell rot geprägten Kreis Kusel Stimmverluste hinnehmen musste und er bei den Wahlkreisstimmen auf den zweiten Platz abgerutscht ist, führt Kusch auf eine nationalkonservative Tendenz zurück, die sich bundesweit bemerkbar mache. Im Wahlkampf habe er teilweise eine aggressive Stimmung gegen die SPD erlebt.
„Wir müssen sehen, dass wir uns neu sortieren und mit den Themen in den Vordergrund rücken“, zieht er am Sonntag als Fazit aus dem Wahlergebnis. Speziell die Probleme des Landkreises Kusel, etwa die Infrastruktur im ländlichen Raum, müssten stärker in den Fokus rücken.
AfD in Mainz in Feierlaune
Grund zur Freude hat Catalina Monzon: Die Direktkandidatin der AfD – Platz fünf auf der Landesliste – konnte rund 25 Prozent der Wahlkreisstimmen auf sich vereinen. „Ich bin sehr glücklich, die Stimmung war total ausgelassen“, kommentiert Monzon gegen 21.30 Uhr kurz vor ihrer Abreise die AfD-Wahlparty in Mainz.
Das gute Abschneiden der Partei zeige ihrer Meinung nach, dass viele Wähler der AfD am ehesten zutrauen, die Probleme im Land zu lösen. „Wir sind die neue Arbeiterpartei“, ist Monzon überzeugt. Ihren Schwerpunkt wolle sie als Landtagsabgeordnete auf gesundheitspolitische Themen legen.
Freie Wähler: „Eindrucksvolle Jahre“ für Schwab
Helge Schwab (Freie Wähler) verbringt den Wahlabend in der Landeshauptstadt und zieht es wegen Gedränge und Lautstärke vor, sein Statement schriftlich abzugeben. Dass seine Partei im nächsten Landtag nicht mitwirkt, kommentiert er mit den Worten: „Der Wähler hat entschieden.“ Er sei dankbar, dass er in den vergangenen Jahren dem Land Rheinland-Pfalz dienen „und an dessen Geschichte mitschreiben“ durfte. Die Jahre seien „eindrucksvoll und arbeitsreich“ gewesen.
Den Gewinnern der Landtagswahl wünscht der Hüfflerer nach eigenen Angaben „viel Kraft und Erfolg bei der Bewältigung der derzeitigen Herausforderungen“.
BSW: Hartenfels war nicht zu erreichen
Andreas Hartenfels, der Spitzenkandidat des Bündnisses Sahra Wagenknecht und Direktkandidat für den Wahlkreis Kusel, ist am Wahlabend für die RHEINPFALZ nicht zu erreichen.
Grüne: Kandidatenfokus hat geschadet
Grünen-Direktkandidatin Katja Daish verfolgt das Wahlgeschehen zuhause bei ihrer Familie in Altenkirchen – morgen müsse sie ja arbeiten. Die Stimmverluste bei den Grünen auf Landesebene erkläre sie sich mit dem Fokus auf die beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU. „Ähnlich war es in Baden-Württemberg – nur waren jetzt die Rollen von SPD und Grünen vertauscht“, sagt Daish. Und im direkten Vergleich mit den Sozialdemokraten im Nachbarbundesland stünden die Grünen mit ihrem Wahlergebnis vergleichsweise gut da.
Positiv für den Wahlkreis Kusel hebt Daish hervor, dass es gelungen sei, ein Direktmandat der AfD zu verhindern. Ihr Fazit: „Weitermachen“, um die Grünen im ländlichen Raum präsenter zu machen.
Linke wollen Kreisverband gründen
„Ob ich enttäuscht bin?“, fragt Sebastian Demmel (Direktkandidat der Linken), „ich bin vor allem enttäuscht, dass so viele Menschen gegen ihre eigenen Interessen wählen.“ Er ist am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr gerade mit dem Auto auf dem Rückweg von der Wahlparty in Kaiserslautern. Die Party ist ins Wasser gefallen, da es die Linke nicht in den Landtag geschafft hat.
Mit dem Ergebnis der Wahlkreisstimmen zeigt er sich zufrieden, kündigt an, sich weiter in der Linken engagieren zu wollen. Demmel: „Unser nächstes Ziel ist es, einen Kreisverband zu gründen und uns hier besser aufzustellen.“ Im Wahlkampf habe er viele tolle Begegnungen gehabt.
Hoffnungsschimmer bei der FDP
Bei Tonit Haliti (FDP) läuft eine kleine Wahlparty parallel zum Gastronomiebetrieb im Budche in Glan-Münchweiler, als die RHEINPFALZ anruft. Aus seiner Enttäuschung über das schlechte Abschneiden der Liberalen macht er keinen Hehl. „Wir sind aber hoffnungsvoll und packen es an“, sagt er mit Blick auf das Wahljahr 2029. Im politischen Geschäft will Haliti auf jeden Fall tätig bleiben, sagt er. „Wir bleiben positiv. Nun muss richtig gearbeitet werden, damit wir wieder auf die Bildfläche kommen.“
Besonders spannend gemacht haben es bei der Landtagswahl am Sonntagabend drei Wahlbezirke: Die Ergebnisse aus Offenbach-Hundheim, Lauterecken und Wolfstein liefen auf der Internetseite des Landeswahlleiters erst spät ein. Offenbach-Hundheim zählte zu den zehn landesweit letzten Stimmbezirken, die Ergebnisse meldeten ... Kommentar
