Relsberg Vier Gänge und ein Mord: Beim Krimidinner beweisen die Darsteller ihre Spontanität
Das sechste Krimidinner des Heimat- und Kulturvereins Relsberg bot Einblicke in die Abgründe der Modewelt und einen Todesfall: Kulinarische Genüsse, humorvolle Momente, unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Darstellern und eine große Portion Spannung – das sind die Komponenten für ein gelungenes Krimidinner. Die Relsberger Theatergruppe hat sich darin bereits einen Namen gemacht, sodass alle vier Vorführungen binnen drei Stunden ausverkauft waren. Die Nähe wird schon beim Einlass deutlich, denn die Darsteller, bereits in ihren Rollen, begrüßen das Publikum und erste Häppchen stehen bereit. Dann beginnt das Schauspiel in der stilvoll eingerichteten Gemeindehalle, die zum Showroom der Fashion-Week geworden ist.
Doch die glitzernde Modewelt ist kein Zuckerschlecken, es wird mit harten Bandagen gekämpft. Die Entwürfe der Designerin Claire Lindan (Manuela Gaß) sind vor dem Produktionsstart abhandengekommen. Um ihren guten Ruf zu wahren, muss sie eine Show liefern, daher wird ein Wettbewerb für Nachwuchsdesigner veranstaltet. Doch ganz so einfach wird es nicht, denn ausgerechnet die ihr verhasste Designerin Tizzia (Irena Hentzel) mischt als Jurorin mit, und auch mit Claires Assistentin Alice (Tina Condé) läuft es nicht rund – Schuld in erster Linie ist ihr eigener Mann Damian (Jürgen Jensen), seines Zeichens Künstler und frauenliebender Windhund.
Ein Mord auf dem Laufsteg? Egal, die Show muss weitergehen
Bissige bis boshafte Kommentare, Intrigen und Heimlichkeiten häufen sich, garniert mit den speziellen Befindlichkeiten der Fashionwelt und skurrilen Charakteren wie Directeur Carol Stockwell (Matthias Rahm). Das Chaos gipfelt in einem Todesfall. Ein Mord auf dem Laufsteg? Skandalös, aber die Show muss weitergehen und die Contenance gewahrt oder zumindest vorgespielt werden. Verhaltensforscherin George Longfoot (Matthias Rahm) ermittelt, obwohl ihre Schwester (Tina Condé) weitere Verwirrung stiftet. DJ und Techniker Michael Rudolf sowie die Souffleusen Daniela Armbrust und Melanie Henn wirkten ebenfalls an dem Spektakel voller Irrungen und Wirrungen mit.
So ein Krimidinner fordert die gesamte Mannschaft des Vereins. Ohne Distanz durch Bühne und Vorhang, mit Improvisationen und Interaktion mit dem Publikum, bieten Krimidinner für die Darsteller so einige Fallstricke, die es beim Bühnentheater nicht gibt. Seit Januar probte die Gruppe 28 Mal, um die Rollen zu perfektionieren – inklusive britischen Akzent und passender Attitüde. Bei der Premiere lief alles glatt, auch die rund 20 Helfer haben beim Vorbereiten und Servieren eine reife Leistung abgeliefert und perfektes Timing für das Dinner bewiesen. Typisch für das Format: Das Publikum wird gefordert. Diesmal nicht nur beim Mitraten zur Lösung des Falls, sondern auch konkret im Stück als Jury und Models bei der Präsentation gewagter Streetwear-Kreationen. Besonders solche Sequenzen erfordern von allen Schauspielern viel Spontanität und Improvisation, sind aber auch für alle das Salz in der Krimidinner-Suppe.
Nicht nur die Schauspieler haben jede Menge zu tun
Zu jeder Vorstellung gibt es 100 Vier-Gänge-Menüs, und selbst da mischt die Theatergruppe aktiv mit, kümmern sich um Salat und Dessert – darunter Kirschstreusel-Schnittchen im Streetwear-Look. Für vier Veranstaltungen verarbeitet die Gruppe 200 Eier, 87 Becher Sahne, 24 Vanille-Schoten, 14 Flaschen Olivenöl, 100 Schalotten, zehn Kilo Erdbeeren, 36 Gläser Kirschen und 16 Kilo Salat. Das Blumenkohlsüppchen mit Diätsahne und Pollo Fino vom „Laufsteghähnchen“ mit Gratin von der „Lager-Feldkartoffel“ und buntem Gemüse im Hundertwasser-Design lieferte eine Metzgerei aus Gundersweiler.