Kreis Kusel
Viel mehr als Wolf und Seuchen: Was die Landwirte im Kreis Kusel beschäftigt
Marcel Müller weiß, was die Landwirte im Kreis Kusel umtreibt. Er ist Vorsitzender des Kreisverbandes Kusel im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Zwar beherrscht die Afrikanische Schweinepest (ASP) schon länger nicht mehr die Schlagzeilen, aber sie „ist immer noch ein Thema für uns“, stellt er klar. Die Lage habe sich gegenüber den ersten Ausbrüchen im Jahr 2024 nicht grundlegend entspannt, auch wenn Ausbrüche aktuell seltener geworden seien. In den Landkreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen waren ASP-Fälle bei Wildschweinen festgestellt worden. Sperr- und Pufferzonen wurden eingerichtet. Auch Hausschweine in Bad Dürkheim waren betroffen. Das Virus sei nicht verschwunden, klärt Müller auf, es gelten weiterhin hohe Hygieneregeln.
Auch die Blauzungenkrankheit hat Müller zufolge zuletzt für Unruhe gesorgt. Sie trifft vor allem Rinder, Schafe, Ziegen sowie andere Wiederkäuer. Und erst im November war ein Fall der Geflügelpest bei einem verendeten Kranich bestätigt worden. Daraufhin folgte eine Stallpflicht für Geflügel, die allerdings im Dezember wieder aufgehoben werden konnte.
„Natürliche beschäftigt der Wolf gerade viele Kollegen“, berichtet Müller. Er selbst habe ein paar Schafe und Ziegen auf dem Hof in Körborn, die „abends aus Sicherheit zurück in den Stall“ müssten. Auch für Kälber sei der Beutegreifer eine Gefahr. „Es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Verlust. Das ist auch emotional ein Verlust.“ Es gelte nun, den Wolf in weniger besiedelte Gebiete zurückzudrängen, sagt er und meint damit den Truppenübungsplatz. „Der Wolf muss seine Angst vor dem Menschen bewahren“, betont Müller.
„Strukturwandel im Kreis Kusel ist vollzogen“
Seit dem Jahr 2010 ist der 46-jährige Landwirtschaftsmeister Vorsitzender des Kuseler Kreisverbandes. Er stellt sich bei der Bauernversammlung im März erneut zur Wahl. Schon lange plädiert er für Bürokratieabbau. Er moniert: Der „Papierkrieg“ werde einfach nicht weniger und fordere viel Zeit von den Landwirten. Insbesondere bei kleineren Betrieben stehe der Aufwand kaum noch im Verhältnis.
Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis geht Müller zufolge weiter zurück. „Der Strukturwandel im Kreis Kusel ist vollzogen“, sagt er. Die Betriebe seien bezüglich ihrer Größe inzwischen so aufgestellt, dass sie zukunftsfähig seien. Es gebe kaum noch kleine und Kleinstbetriebe.
Zahlen für die Betriebe sowie die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Kreis liegen aktuell nur aus dem Jahr 2020 als Ergebnis der Landwirtschaftszählung vor. Damals gab es im Landkreis noch 303 Landwirtschaftsbetriebe, zehn Jahre zuvor waren es noch 355 gewesen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb mit mehr als 24.500 Hektar nahezu unverändert. Im Landesdurchschnitt lag die Nutzfläche je Betrieb bei 44 Hektar. Nach Angaben der Statistikbehörden setzt sich der Trend fort, wonach sich die Anzahl der Betriebe alle zwei Jahrzehnte halbiert. In diesem Jahr soll nach Angaben des Statistischen Landesamts erneut eine Agrarstrukturerhebung stattfinden.
Angespannte Lage an einigen Fronten
Gestiegene Kosten führten dazu, dass bei vielen Kollegen notwendige Investitionen geschoben werden müssten. Aufwendige Genehmigungsverfahren erschwerten zudem Neubauten von Ställen, registriert Müller, der auch Ortsbürgermeister in Körborn ist. Das seien schwierige Bedingungen für Tierhalter. Einige stünden sogar vor der Frage, die Tierhaltung – etwa Schweinezucht – komplett aufzugeben. Die Anzahl des Milchviehs im Kreis Kusel sei dagegen stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau.
Die Lage am Milchmarkt sei weiter angespannt, der Lebensmitteleinzelhandel bestimme die Preise. Müller fordert steuerliche Entlastungen, denn er ist überzeugt: „Der Mittelstand ist das Rückgrat unseres Landes.“ Seine eigene Schweinehaltung hat Müller schon vor Jahren aufgegeben, betreibt aber weiterhin Ackerbau. Zudem ist er am Körborner Ortsrand als Gastronom und bei der Andreas Hermes Akademie, einer landwirtschaftlichen Bildungseinrichtung, als Trainer und Moderator tätig.
Künstliche Intelligenz und Klimawandel-Anpassung
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz machen laut Müller auch vor landwirtschaftlichen Betrieben nicht halt: Neue Techniken würden schon länger bei der Brunst-Beobachtung von Kühen eingesetzt. Inzwischen gebe es auch Versuche mit Robotern als Bodenbearbeiter. Auch zur Unkrautbekämpfung könnten künftig Systeme mit künstlicher Intelligenz eingesetzt werden, blickt er in die Zukunft.
Ein Dauerthema ist für Landwirte das Wetter. „Es regnet meist dann, wenn es nicht passt“, lautet seine Erfahrung. Darunter leide die Qualität des Getreides. Wie sich die Kollegen die Zukunft im Klimawandel ausmalen, dazu gebe es noch keine klare Tendenz, sagt Müller. In Rheinland-Pfalz werde aktuell schon mit Kichererbsen experimentiert, einer Frucht, die bisher eher in Vorderasien und dem Mittelmeerraum zu Hause ist und mit einem hohen Eiweißgehalt punktet. „Das könnte auch bei uns funktionieren“, wagt Müller eine Prognose.