Kaiserslautern / Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Versuchte Tötung in zwei Fällen: 30-jähriger Kurde steht nach Tat in Kusel vor Kaiserslauterer Gericht

Prozessauftakt vorm Lauterer Landgericht: Angeklagt ist ein 30-Jähriger, der in Kusel zwei andere Asylbewerber schwer verletzt h
Prozessauftakt vorm Lauterer Landgericht: Angeklagt ist ein 30-Jähriger, der in Kusel zwei andere Asylbewerber schwer verletzt hat.

Vorfall und Fahndung haben die Kuseler kurz in Atem gehalten. Rasch aber war der Mann gefasst, der in der AfA auf zwei andere eingestochen hat. Jetzt steht er vor Gericht.

An einem späten Samstagabend war’s passiert: Mehrere Rettungswagen und Polizeifahrzeuge brausten Richtung Kuseler Windhof. Dort war es am 20. September vergangenen Jahres zu einem folgenschweren Vorfall gekommen: Ein 30 Jahre alter Mann hatte in der Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende (AfA) zwei Mitbewohner mit einem Messer schwer verletzt. Dann war er geflüchtet – und über Nacht abgetaucht. Die folgende Großfahndung der Polizei inklusive Helikopter- und Drohneneinsatz sorgte für einiges Aufsehen. Tags darauf wurde der Täter in Altenglan festgenommen. Seit diesem Tag ist der Mann in Haft. Fast genau ein halbes Jahr später ist am Donnerstag im Zuge des Strafverfahrens die Hauptverhandlung eröffnet worden. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag in zwei Fällen.

Eine große Strafkammer des Landgerichts Kaiserslautern versucht nun, Licht in die Vorfälle in der AfA zu bringen. Es gilt, ein mögliches Motiv zu erkunden sowie zu untersuchen, inwieweit der 30-Jährige zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Dabei ist die Expertise eines psychiatrischen Sachverständigen gefragt. Dies nicht von ungefähr. Denn neben anderem spielen Promillewerte in dem Verfahren eine nicht unwesentliche Rolle: Die Blutalkoholkonzentration dürfte mitentscheidend sein bei der Antwort auf die Frage, inwieweit der Angeklagte zum Zeitpunkt der Taten in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war – ob er also Herr seiner Sinne und Handlungen gewesen ist, als er wild sein Messer schwang.

Richter schlägt Antwortmöglichkeiten vor

Gegenüber der Polizei und später auch der Staatsanwaltschaft hat sich der 30-Jährige zunächst ausgeschwiegen. Am ersten Prozesstag ließ er zunächst seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Recht überraschend stand der Mann aber auch danach weiter über einen Dolmetscher Rede und Antwort – nachdem sein Verteidiger zunächst nur Angaben zur Person angekündigt hatte. Nicht etwa, dass dies die Sache für die Prozessbeteiligten viel leichter gemacht hätte. Der Angeklagte zupfte doch ziemlich heftig an den Geduldsfäden der im Saal versammelten.

Denn er schaffte es kaum, auch die einfachsten Fragen zu beantworten. „Sie brauchen doch nur Ja, Nein oder Weiß nimmer zu sagen“, schlug Vorsitzender Raphael Mall Antwortalternativen vor – auch er, der Stellvertretende Gerichtspräsident, hatte mehrfach die Augen verdreht. Mall biss aber ebenso auf Granit wie der Psychiater, der nicht erkunden konnte, wie viel Whiskey der Angeklagte zwischen einem Krankenhausaufenthalt gegen 21 Uhr und seinem Auftritt gegenüber den späteren Opfern nicht lange vor Mitternacht getrunken hat.

Schuld sind Alkohol, Drogen und Feindseligkeiten

Getrunken hat er, das war im Krankenhaus ermittelt worden. Dort wiederum war der Mann am Tattag gelandet, weil der Mann vor der abendlichen Tat selbst etwas abgekriegt hat. Bei einer Schlägerei vorm Lidl im Kuseler Gewerbegebiet hatte er einiges einstecken müssen. Attackiert hätten ihn die beiden Brüder, auf die er später eingestochen hat. Was aber gar nicht seine Absicht gewesen sei: Er selbst frage sich, wie einem so ruhigen und eigentlich gar nicht aggressiven Menschen wie ihm das habe passieren können.

Der Mann ist nach eigenen Angaben Kurde. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden. Einspruch gegen die Entscheidung habe er wegen dieses Vorfalls, der ihn in Untersuchungshaft geführt hat, nicht einlegen können. Ärgerlich, die Sache mit dem Messer – an der er nach eigener Auffassung wenig Schuld trägt, wie sich zumindest aus der Übersetzung seiner Schilderungen schließen lässt.

Schuld sind demnach der Suff, das Koks und die „türkische Mentalität“ seiner beiden Kontrahenten. Die hätten ihn gedemütigt und seine Mutter aufs Schwerste beleidigt. Besoffen war er nach eigenem Bekunden selbst. Eine ganze Flasche Whiskey habe er geleert. „Ich war nicht gut drauf“, wurde als Grund dafür übersetzt. Während er trinke, seien die türkischen Brüder oft durch Koks berauscht. Aus Sicht der beiden Opfer der Kuseler Messerattacke stellt sich die Sache allerdings doch ganz anders dar. Die Verhandlung wird am Dienstag, 24. März, 9 Uhr, fortgesetzt.

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