Meinung
Stolpersteine: Ängste gemeinsam überwinden
Auf dem Weg zum Arzt, vor einer Behörde, dem eigenen Haus: Kleine Betonsteine im Gehweg, die mit einer Messingplatte versehen sind, gibt es vielerorts. Ein 1992 initiiertes Kunstprojekt, das an die Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Es war nicht immer unumstritten, Stichwort „mit Füßen getreten werden“, hat sich aber zu einem Erfolgsmodell der Erinnerungskultur entwickelt. Das liegt auch daran, dass mit den Steinen Geschichten verbunden sind, die einem die Opfer nahebringen, ihr Schicksal vor Augen führen, das Herz berühren. Und zwar dort, wo sie zuletzt wie jeder andere, wie du und ich, lebten. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass Angehörige von NS-Opfern keine Kompromisse schließen wollen, wenn es darum geht, wo Stolpersteine gesetzt werden. Das wäre auch nicht im Sinne des Erfinders.
Haltung zeigen
In Steinbach am Glan tut man sich offensichtlich schwer damit, ein Stolperstein-Projekt umzusetzen. Darüber im Gemeinderat nichtöffentlich zu diskutieren, ist aber falsch. Welche Ängste bestehen, wie kann man diesen begegnen, wie lauten die Erfahrungen andernorts – es gibt so einige Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen und Ängste mit guten Argumenten zu überwinden, ohne möglicherweise ein Dorf zu spalten. Auch wenn das Ergebnis in diesem besonderen Fall feststeht, ja feststehen muss: Es gilt, Haltung zu zeigen. Und dazu gehören auch Stolpersteine.
