Kommentar Stimmungstief im Kreis Kusel: Sorgen ernst nehmen, nicht befeuern

Kaum jemand wird behaupten, dass es im Kreis keine Probleme gibt. Aber dass ein Drittel der Bürger pessimistisch in die Zukunft schaut, das sind zu viele.

Über dieses Stimmungsbild dürften sich wohl nur Psychotherapeuten freuen – und deren Wartelisten sind ohnehin schon lang. Jedenfalls schaut fast ein Drittel der Menschen im Landkreis „etwas pessimistisch“ oder „sehr pessimistisch“ in die Zukunft. Also zumindest gut ein Drittel all derer, die an der CMR-Umfrage im Auftrag der RHEINPFALZ teilgenommen haben. Das ist ein überraschend hoher Wert. Die Nachbarn im Donnersbergkreis sind deutlich positiver eingestellt.

Was genau die Wählerinnen und Wähler, die angerufen wurden, zu dieser Einschätzung bringt, ist nicht abgefragt worden. Und gegen pessimistische Zukunftsaussichten aus Sorge um den eigenen Job oder den Gesundheitszustand eines Familienmitglieds kann kein Kreispolitiker etwas tun. Doch alle in verantwortlichen Positionen – ob in der Verwaltung oder in Parteien und Wählergruppen – sollten diese Momentaufnahme ernst nehmen. Und sich fragen, wie sie dazu beitragen können, den Menschen im Landkreis etwas mehr Zuversicht zu geben. Lust zu machen, auf das, was die Zukunft bringt – und nicht noch Ängste zu schüren.

Demokratische Parteien sollten sich mit dem Umfrageergebnis beschäftigen. Sie dürfen Menschen (und Wähler), die sorgenvoll in die Zukunft blicken, nicht jenen überlassen, die ihnen mit vermeintlich einfachen Lösungen eine Verbesserung versprechen. Oder die sogar absichtlich ein besonders düsteres Bild der Zukunft malen.

Wahlkämpfende Politiker, die sich jetzt lobend über die schöne Westpfalz mit der Natur und den tollen Wanderwegen zu Wort melden, helfen dabei wenig. Doch ein Anfang ist gemacht, wenn sie am Wahlkampfstand nicht nur Menschen einen Kugelschreiber in die Hand drücken, sondern ihnen zuhören. Nicht nur lächeln und winken.

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