Rammelsbach
Steinbruch-Erweiterung: Anwohner befürchten Schäden an ihren Häusern
Tiefe Risse ziehen sich durch Rammelsbach: Wer durch die Straßen der Ortsgemeinde geht, erkennt sie auffällig häufig an Wohngebäuden, teils aber auch in der Asphaltdecke. „Immer ist es das gleiche Bild an den Häusern“, kritisiert ein Anwohner, der gemeinsam mit anderen Rammelsbachern die entsprechenden Stellen zeigt. Fast immer sind an den Außenwänden senkrechte Spalte zu sehen, die sich ab der Höhe des Sturzes waagrecht über die Fassade hinweg fortsetzen. Die Putzrisse ausbessern? Nur eine vorübergehende Lösung, beklagt ein anderer Hausbesitzer: „Die Risse kommen wieder zurück.“
Es sind weit mehr als zwei Dutzend solcher Schäden, die mehrere Anwohner den RHEINPFALZ-Reportern im Süden der Ortsgemeinde, westlich der Abbruchkante des Steinbruchs, aber auch im Ortskern zeigen. Viele von ihnen sind Mitglied der „Arbeitsgruppe Steinbruch“, die sich gegen die geplante Steinbruch-Erweiterung der Basalt AG positioniert. Inzwischen hat sich offiziell eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben formiert. Am 22. März haben die Rammelsbacher bei einem Bürgerentscheid die Möglichkeit, für oder gegen die Erweiterung stimmen.
Bereits seit langem ist die Stimmung im Ort wegen der geplanten Erweiterung deutlich angespannt. Auch beim Ortstermin mit der RHEINPFALZ machen die Gegner ihren Standpunkt noch einmal deutlich: Sie sind überzeugt, dass die Schäden an ihren Häusern und den Erderschütterungen, die durch Sprengungen im Steinbruch ausgelöst werden, zusammenhängen. „Mit der Erweiterung wird’s noch schlimmer“, befürchtet eine Rammelsbacherin, die wie andere Anwohner auch nicht nur über wackelnde Schränke, sondern vor allem über einen Wertverlust ihrer Immobilie klagt.
Die Vermutung, die sie und viele Bürger im Ort teilen: Ein Großteil der Gebäude in Rammelsbach stehe auf einer Felsbank, die bei jeder Sprengung in Erschütterung gerät – und da die Häuser kaum Fundamente hätten, fingen die Fassaden bei Sprengungen an zu bröckeln.
Steinbruch-Betreiber weist Vorwürfe zurück
„Wir nehmen die Bedenken der Bürger sehr ernst“, sagt Dominik Watzig, Referent für Liegenschaften und Genehmigungen bei Basalt, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Gleichzeitig weist Watzig die Vorwürfe zurück, Sprengungen im Steinbruch hätten Risse an Häusern oder an Straßen verursacht.
Das Unternehmen verweist dabei auf jahrelange sprengbegleitende Messungen von Erschütterungen bei Rammelsbach und ein Gutachten, das der RHEINPFALZ nicht vorliegt. Demnach habe ein unabhängiger Sprenggutachter bestätigt, dass alle gemessenen Werte unterhalb der offiziellen Grenzwerten lägen. Werden diese eingehalten, „treten Schäden im Sinne einer Verminderung des Gebrauchswertes, deren Ursachen auf Erschütterungen zurückzuführen wären, nach den bisherigen Erfahrungen nicht auf“, zitiert Watzig aus dem Gutachten. Selbst bei einer Überschreitung sei nicht zwangsläufig mit Schäden zu rechnen.
Betreiber vermutet andere Ursachen
Fest steht allerdings: Die Schäden in Rammelsbach sind unübersehbar und tauchen auffällig häufig westlich der Abbruchkante des Steinbruchs auf. Bereits bei einer Infoveranstaltung der Basalt AG im November hatten mehrere Anwohner auf die Schäden im Ort hingewiesen und nach einer Erklärung gefragt. Die RHEINPFALZ hatte über die Veranstaltung berichtet – auch darüber, dass die Verantwortlichen der Basalt AG Pfusch am Bau als mögliche Ursache angegeben hatten. Massimo Döbell, Mitarbeiter der Betreiberfirma, erläuterte damals, dass mithilfe von Gutachten Baumängel nachgewiesen worden seien.
Inzwischen äußert sich das Unternehmen auf die Anfrage der RHEINPFALZ deutlich zurückhaltender: Sollten trotz Einhaltung der Grenzwerte Risse auftreten, sei davon auszugehen, dass andere Ursachen dafür verantwortlich sind. In solchen Fällen müssten unabhängige Sachverständige die Schäden prüfen, sagt Watzig. Sollte dann nachgewiesen werden, dass diese tatsächlich auf den Steinbruchbetrieb zurückzuführen sind, hafte das Unternehmen – konkret die Südwestdeutschen Hartsteinwerke, die zu der Basalt AG gehören.