Kreis Kusel Starkregen, Hitze und Stürme: Wen betreffen die Naturgewalten besonders?

Ebenfalls soll gesammelt werden, wo Bäche besonders schnell über die Ufer treten.
Ebenfalls soll gesammelt werden, wo Bäche besonders schnell über die Ufer treten.

An welchen Hängen drohen bei Starkregen Flutwellen? Wo wird’s im Sommer schnell zu heiß? Und gibt’s Stellen, an denen die Kanalisation bei Unwettern an ihre Grenzen gerät? Diese Fragen sollen nun Experten beantworten: Menschen, die im Landkreis leben.

„Was wir aktuell erleben, ist ziemlich atypisch“, sagt Lukas Kuhn, Klimaanpassungsmanager des Landkreises Kusel, „fürs Grundwasser ist der viele Regen gut, aber für die Landwirtschaft nicht.“ Von einzelnen Jahren abgesehen, lasse sich beobachten, dass es öfter zu Starkregen und Unwettern als noch vor 20,25 Jahren. Kuhn: „Die Forschung zeigt, dass bei uns in der Region die Regenmenge übers Jahr hinweg etwa gleichbleibt. Allerdings ändert sich, wann der Regen kommt.“ Es sei damit zu rechnen, dass es künftig heftiger regne: „Das wird beispielsweise eine Herausforderung für die Infrastruktur.“ Kanalnetze stießen dann an ihre Grenzen. Gleichzeitig werde es im Sommer längere Trockenperioden geben, sagt Kuhn. An diese wissenschaftlich belegten Veränderungen gelte es sich anzupassen.

Er nennt ein Beispiel: „Wenn wir wissen, dass nach langer Trockenheit bei einem Starkregen das Wasser über einen Hang nach unten in ein Dorf schießt, dann kann man mit einigen Veränderungen etwas bewirken.“ Busch- und Baumreihen am Feldrand beispielsweise könnten dazu beitragen, dass die Wassermassen nicht ungehindert bergab fließen, weil Wasser versickern und die Begrünung Sand und Erde aufhalten könne. Dazu müssten Kommunen, Landwirte und der Forst zusammenarbeiten. „Das passiert an vielen Orten auch schon“, sagt Kuhn. Denn die Landwirte hätten ja ebenfalls ein Interesse daran, dass die nährstoffreichen Oberböden bei Starkregen nicht weggespült werden.

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Kommentar

Zum Unwetter sind Experten vor Ort gefragt: Sie.

Gesucht: Hinweise aus der Bevölkerung

Als Klimaanpassungsmanager könne er es jedoch nicht leisten, über Wochen und Monate durch den Landkreis zu fahren und sich solche – möglichen – Brennpunkte anzusehen: „Das ist eine Mammutaufgabe.“ Stattdessen hat er mit Mitarbeitern von Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltungen eine erste Bestandsaufnahme gemacht. Dabei seien schon etliche Problemgebiete identifiziert worden. Beispielsweise wachse der Ohmbach bei Starkregen schnell über sich hinaus – im wahrsten Sinne. Generell seien kleine Bächlein gefährlich, weil sie bei heftigen Regenfällen schnell anschwellen und über die Ufer treten.

Doch es geht nicht nur um Überschwemmungen und Flutwellen – Hitze sei ebenfalls ein Thema. Kuhn: „Wir wissen, dass Hitze auf versiegelten Schulhöfen oft problematisch ist. Ebenso auf öffentlichen Plätzen. Dort ist die Hitzebelastung besonders hoch und die Aufenthaltsqualität im Sommer besonders gering.“ Vor schweren Stürmen sei der Landkreis in den vergangenen Jahren – bis auf wenige Ausnahmen – weitestgehend verschont geblieben, aber auch dieses Feld werde im Klimaanpassungsmanagement thematisiert.

Online-Ideensammlung mit Präsenzveranstaltung

Nun sind die Experten vor Ort gefragt – also die Bürgerinnen und Bürger. „Die wissen, wo gefährliche Stellen sind“, sagt Kuhn, „und wir hoffen, dass sie uns möglichst viele Anregungen geben, was wir uns genauer anschauen sollten.“ Gesammelt werden die Anregungen aus der Bevölkerung auf der Online-Plattform des Landkreises, www.mitmachen-landkreiskusel.de. „Dazu müssen sich die Nutzer lediglich mit der E-Mail-Adresse anmelden“, erklärt Nadine Kropp von „Land L(i)eben“, dem Smart-City-Projekt des Landkreises Kusel.

Seit Monatsbeginn können auf der Internetseite unter dem Punkt „KlimaFolgen im Landkreis Kusel“ Ideen und Brennpunkte angegeben werden. Kropp: „Wir suchen nicht nur nach Problemen, sondern auch nach kreativen Lösungen.“ Die Anmerkungen auf der Karte sind öffentlich einsehbar, damit andere Nutzer von Tipps profitieren können. Bis Jahresende ist die interaktive Karte verfügbar, sagt Kropp, die auf große Bürgerbeteiligung oft.

Wer keine Möglichkeit hat, seine Hinweise online einzutragen, bekommt in einer Präsenzveranstaltung dazu die Gelegenheit. Wann und wo die stattfinden wird, ist noch offen. Kuhn: „Vermutlich nach den Ferien.“ Alle Eingaben werden gesammelt, ausgewertet und ins GIS – das Geo Informationssystem der Verwaltung – eingespeist. „Wenn wir bestimmte Brennpunkte ausmachen können, kommen wir vielleicht noch einmal in die Gemeinden, um genauer darüber zu sprechen.“ Anschließend werde ein Konzept erstellt, dessen konkrete Maßnahmen in den folgenden drei Jahren umgesetzt werden sollen.

Klimaanpassungsmanager Lukas Kuhn will unter anderem wissen, wo die heißesten Plätze im Landkreis sind.
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