Kreis Kusel
SPD verliert, AfD legt deutlich zu: Was bei den Wahlergebnissen ins Auge fällt
Die tiefrote Karte des Landkreises Kusel, die sich auf der Website des Landeswahlleiters dem Betrachter bietet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die SPD auch im Kuseler Land herbe Verluste hinnehmen muss. Im Wahlkreis Kusel, deckungsgleich mit dem Gebiet des Landkreises, haben die Sozialdemokraten zwar die meisten Zweitstimmen (Landesstimmen) bekommen (29,7 Prozent), gegenüber der vorherigen Landtagswahl im Jahr 2021 (41,9) allerdings über zwölf Prozentpunkte eingebüßt. Den dicksten Gewinn verzeichnet die AfD bei den Zweitstimmen im Kreis: Die Alternative für Deutschland hat gegenüber 2021 um 15,4 Prozentpunkte zugelegt. Waren es damals noch 11,1, sind es heute 26,5 Prozent. Mit diesem Zweitstimmenanteil liegt die AfD noch vor der CDU, die 24,1 Prozent der Stimmen eingefahren hat.
Der Sieg der CDU auf Landesebene spiegelt sich im Wahlkreis nur in den Erststimmen (Wahlkreisstimmen) wider. Otto Rubly aus Schönenberg-Kübelberg, Wahlkreiskandidat der Christdemokraten, sicherte sich am Sonntagabend recht deutlich das Direktmandat – und das ist gleichzeitig der nächste Dämpfer für die SPD. Rubly konnte die meisten Erststimmen auf sich vereinigen: 30,4 Prozent. Hier fallen natürlich deutliche Gewinne mit weit mehr als 40 Prozent in den großen Gemeinden Schönenberg-Kübelberg, Rublys Heimat, und Brücken ins Gewicht. Auch in Dittweiler und Nanzdietschweiler hat er sehr gut abgeschnitten. Ebenso in anderen Teilen des Landkreises, etwa in der Stadt Lauterecken: Dort sicherte sich der ehemalige Kuseler Landrat 33,7 Prozent der Stimmen, im kleinen Kappeln sogar über 50 Prozent. In der Verbandsgemeinde (VG) Kusel-Altenglan ist sein Sieg in Rathsweiler besonders deutlich.
Monzon gewinnt in vielen Gemeinden
Während SPD-Kandidat Oliver Kusch (insgesamt 27,8 Prozent der Erststimmen) in der Kreisstadt die meisten Wahlkreisstimmen einheimsen konnte, 718 an der Zahl, dort aber auch nur knapp vor Rubly (671) liegt, konnte sich die AfD-Kandidatin auch in etlichen Gemeinden behaupten. Insgesamt erhielt Catalina Monzon 24,9 Prozent der Erststimmen. Sie setzte sich etwa in Odenbach und Eßweiler durch, sehr klar auch in Pfeffelbach und Albessen. In ihrer Heimatgemeinde Gries erhielt Monzon nicht die meisten Erststimmen, sondern Rubly, dafür aber unter anderem in Waldmohr, Herschweiler-Pettersheim und Altenkirchen.
Kusch hingegen lag am Ende des Wahlabends etwa in Rehweiler, Matzenbach und Etschberg recht deutlich vorne. In Jettenbach ebenso – und dort klarer als in der Nachbargemeinde Rothselberg, von wo der Kardiologe stammt.
Drei Farben, ein paar Patt-Situationen
Fast alle Gemeinden sind auf der Website des Landes Rheinland-Pfalz rot, schwarz oder blau eingefärbt – bis auf wenige Ausnahmen. Einmal dominiert orange: Helge Schwab, Landtagskandidat der Freien Wähler, konnte sich nur in seiner Heimatgemeinde Hüffler durchsetzen, deren Ortsbürgermeister er auch ist. Schwab erhielt in Hüffler 35,5 Prozent der Stimmen, Kusch landete mit 25,3 Prozent auf dem zweiten Platz. Besonders spannend muss die Auszählung in Krottelbach gewesen sein: Dort liegen Kusch und Rubly mit jeweils 118 Voten gleichauf.
Ein solches Phänomen zeigt sich in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein sogar zweimal: Im wenige Einwohner zählenden Unterjeckenbach (46 Wähler, 44 gültige Stimmen) haben der Sozialdemokrat und der Christdemokrat jeweils 15 Stimmen erhalten, in Heinzenhausen wiederum teilt Kusch sich mit Monzon die Spitze (jeweils 41 Stimmen). Eine Pattsituation bei den Zweitstimmen gibt es nur in Lauterecken: Dort haben die CDU und die AfD jeweils 261 von insgesamt 945 gültigen Zweitstimmen erhalten, jeweils also 27,6 Prozent.
Auffällige Gewinne und Verluste
Große Verluste bei den Zweitstimmen verzeichnet die SPD gegenüber 2021 in allen drei Verbandsgemeinden, augenfällig sind dabei etwa Waldmohr und Schönenberg-Kübelberg (jeweils ein Verlust von mehr als 15 Prozentpunkten), auch Oberstaufenbach (minus 19,9), Wahnwegen (minus 19,5) und Ginsweiler (minus 23,9) stechen hervor. Die AfD gewinnt etwa in Oberalben, Dunzweiler, Hoppstädten und Reipoltskirchen mehr als 20 Prozentpunkte dazu, im kleinen Ehweiler sogar mehr als 25. Das CDU-Ergebnis in Wolfstein hat sich weder verbessert noch verschlechtert, einen auffälligen Stimmengewinn konnten die Christdemokraten in Bosenbach (plus 13,2) und Niederstaufenbach (plus 16) verzeichnen.
Grüne, FDP und Freie Wähler verlieren in allen drei Verbandsgemeinden, die Linke verzeichnet im Kreis einen Gewinn von 0,3 Prozentpunkten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht liegt in allen drei VGs zwischen zwei und drei Prozent des Zweitstimmenanteils.
Wie sieht die Wahlbeteiligung aus?
Die Wahlbeteiligung im Landkreis hat gegenüber der vorherigen Landtagswahl zugenommen: Lag sie 2021 noch bei 64,3 Prozent, haben nun 70,3 Prozent der Wahlberechtigten mitgestimmt. Im Oberen Glantal lag die Wahlbeteiligung in Rehweiler am höchsten (83,2 Prozent), am niedrigsten in der Stadt Waldmohr (61,9). Auch in zwei anderen Städten des Landkreises war die Wahlbeteiligung vergleichsweise schlecht: mit 61,1 Prozent in Kusel und 61,5 Prozent in Lauterecken – in Wolfstein war sie mit 68,8 Prozent hingegen etwas besser.
Mehrere kleine Gemeinden im Nordkreis schafften eine Wahlbeteiligung von über 80 Prozent, Albessen in der Kreismitte ebenso. In Hausweiler durfte aufgrund der geringen Anzahl der Stimmzettel nicht ausgezählt werden, die Urne wurde in die Nachbargemeinde Buborn gebracht. Dafür haben die Gemeinden – laut Landeswahlleiter – zusammen eine hundertprozentige Wahlbeteiligung geschafft: Alle 104 Wahlberechtigten haben auch gewählt.
In der VG Lauterecken-Wolfstein dauerte die Auszählung in einigen Bezirken recht lange. Im Laufe des Abends wurde die Aktualisierung der Seite des Landeswahlleiters gestoppt. Das Ergebnis von Offenbach-Hundheim war erst gegen 23.30 Uhr dort sichtbar, zählte damit zu den letzten der annähernd 4700 Bezirke in Rheinland-Pfalz, die einliefen. Laut Wahlvorstand wurde das Ergebnis jedoch fristgerecht gemeldet. Die „sorgfältige und korrekte Auszählung“ habe mehrere Durchgänge erfordert.
