Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel SPD-Spitzenkandidat Oliver Kusch im Porträt: Pendler zwischen Praxis und Parlament

Oliver Kusch in seinem Wahlkreisbüro: Der in Kaiserslautern geborene Mediziner will sein Direktmandat im Wahlkreis Kusel verteid
Oliver Kusch in seinem Wahlkreisbüro: Der in Kaiserslautern geborene Mediziner will sein Direktmandat im Wahlkreis Kusel verteidigen.

Vom Behandlungszimmer nach Mainz: Oliver Kusch will erneut als Direktkandidat für den Wahlkreis Kusel in den Landtag einziehen – und setzt dabei auf seine Berufserfahrungen.

Montags, dienstagmorgens und freitags praktiziert er als Kardiologe in Kusel, die Zeit dazwischen verbringt er in Mainz: Oliver Kusch schafft den Balanceakt zwischen Arztpraxis und Parlament. „Ich habe zwei Traumberufe“, sagt der Mediziner, der seit 2021 als Wahlkreisabgeordneter für die SPD im Landtag sitzt – und dort bleiben möchte. Viel Freizeit bleibt dem 58-Jährigen angesichts seines vollen Terminkalenders nicht: Schätzungsweise 70 bis 80 Stunden pro Woche widmet er nach eigenen Angaben seiner Arbeit als Arzt und Abgeordneter. „Trotzdem mache ich immer deutlich, dass mir die Arbeit viel Spaß bereitet“, betont Kusch.

Der in Rothselberg aufgewachsene Mediziner trat 1992 in die SPD ein. Dazu bewegt habe ihn vor allem der sozialdemokratische Grundsatz der Chancengleichheit, sagt Kusch. Als Beispiel nennt er das 1971 unter Bundeskanzler Willy Brandt eingeführte Bafög-System: Dieses habe maßgeblich dazu beigetragen, dass er ab 1988 an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Humanmedizin studieren konnte. Nach seiner Promotion folgten mehrere berufliche Stationen, unter anderem in Homburg und Völklingen – bis er sich 2004 nach der Geburt seines Sohnes für eine Niederlassung in Kusel entschied. „Den Schritt habe ich nie bereut“, sagt Kusch.

Bildungsgerechtigkeit und Gesundheit im Fokus

Auch im Wahlkampf setzt der Sozialdemokrat auf Chancengleichheit: Beispielsweise wolle die SPD landesweit die Lernmittelfreiheit einführen, um Familien finanziell zu entlasten. Ziel sei, allen Schülern in Rheinland-Pfalz kostenlos notwendige Schulbücher und Lernmaterialien zur Verfügung zu stellen. In Sachen Kommunalfinanzen brauche es wiederum eine stärkere Unterstützung des Bundes, betont Kusch: Kommunen im ganzen Bundesgebiet hätten dasselbe Problem, dass ihnen Gesetze ohne ausreichende Finanzierung auferlegt würden. „Um die Situation zu verbessern, sind wir gerade in Verhandlungen mit dem Bund“, sagt Kusch.

In puncto Verkehrspolitik sei ihm weiterhin ein Anliegen, die Glantalbahn zu reaktivieren und den Ausbau von Elektroladesäulen im ländlichen Raum voranzubringen. Er selbst pendele mit einem Elektroauto zwischen Kusel und Mainz, sagt Kusch, der gleichzeitig die Aufweichung des EU-„Verbrenner-Aus“ als richtig bezeichnet. „Gerade in einer Region wie bei uns im Kreis Kusel, wo die Leute im Schnitt weniger verdienen, sind viele auf den Verbrenner angewiesen“, sagt Kusch.

Ein weiterer Schwerpunkt ist für den gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag die medizinische Versorgung. „Ich bin überzeugt, dass angehende Ärzte eher in der Westpfalz bleiben, wenn sie dort ausgebildet werden“, sagt der Sozialdemokrat. Aus diesem Grund habe er sich etwa für die Gründung der Medical School Kaiserslautern des Westpfalz-Klinikums eingesetzt: Junge Leute studieren zunächst drei Jahre lang in Budapest und wechseln dann nach Kaiserslautern.

„Es geht um den Erhalt der liberalen Demokratie“

„Kommunen sind lebendige Orte, die die Demokratie erhalten“, sagt Kusch. Kommt der Bus nicht, gibt es keinen Hausarzt mehr und funktioniert das Schulsystem nicht, sinke das Vertrauen der Bürger in die Politik. Umso wichtiger sei es, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und einen Dialog auf Augenhöhe zu führen, ergänzt der SPD-Politiker. Bei der Landtagswahl stehe für ihn auch der Erhalt der liberalen Demokratie im Mittelpunkt – von Anfeindungen und Polemik in der Politik halte er nichts.

Für den Wahlkampf wolle er bis Ende Februar alle Orte im Landkreis Kusel mindestens einmal besuchen, sagt Kusch. Trotz des Abstands der SPD zur CDU in den vergangenen Wahlumfragen ist er überzeugt, dass die Sozialdemokraten das Ruder noch herumreißen können – das hätten Erfahrungen aus vergangenen Landtagswahlen gezeigt. „Es wird aber kein Spaziergang werden“, sagt Kusch.

Und wenn der Terminkalender für Oliver Kusch doch etwas Freizeit zulässt? Dann gehe er am liebsten laufen, trete auf seinem Indoor-Bike in die Pedale oder kümmere sich um seine Streuobstwiese, sagt Kusch. Auch das Reiten gehöre zu seinen Hobbys – der SPD-Mann ist Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Kusel. Ebenso stehe er gern als DJ hinter dem Mischpult, verrät Kusch: Die Leidenschaft für den Techno begleite ihn seit seiner Jugend.

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