Kusel Sozialkaufhaustier aus der Kleidersammlung: Zwerghamster Luigi nach Rettung putzmunter
Samstags lässt sich’s besonders gut „hamstern“: Da entfaltet sich vor seinem Mäulchen ein Buffet, das für den Kleinen viel zu groß sein dürfte. Oder? „Er kriegt samstags immer mehr – weil ja sonntags niemand da ist“, erläutert Dana Müller, warum das Tierchen wochenends erst einen Schlemmer- und dann einen Fastentag einlegt. Vielleicht teilt er sich auch gut ein, wer weiß. Nahrungsvorräte bräuchte er eigentlich nicht zu hamstern: Luigi ist bestens versorgt in seinem neuen Zuhause.
Der Kleine lebt seit wenigen Wochen im Gewerbegebiet Kusel. Dort, wo sein ohnehin kurzes Leben beinahe vorzeitig geendet hätte. Vor der Tür der früheren Gewerbehalle reihen sich rote Container aneinander – aufgestellt vom Roten Kreuz, das das langgestreckte, großräumige Gebäude seit nunmehr 20 Jahren schon nutzt. So lange gibt es schon das DRK-Sozialkaufhaus am Rande von Kusel.
Lebendige Ware gibt’s im Kaufhaus nicht
Unter der Regie des Rot-Kreuz-Kreisverbandes werden dort Kleider, Möbel, Hausrat, auch Nippes, Flitter und Tand und noch so einiges mehr zu erschwinglichen Preisen angeboten. Ware, die anderswo ausgedient hat, für den Restmülleimer oder die Sperrmüllkippe aber noch zu schade, zu neu oder zu kostbar scheint.
Obwohl: In dieser Frage herrschen durchaus unterschiedliche Vorstellungen zwischen Spendern, dem Personal und den Kunden und Vertretern der jeweiligen Gruppen untereinander. Doch ohne nun die Unternehmensphilosophie näher zu ergründen: Fest steht jedenfalls, dass lebendige Wesen in dieser sozialen Einrichtung mit Sicherheit nicht vermittelt werden.
Preisetiketten finden sich im Hause eh nicht – und Luigi kriegt schon gar keines. „Wir geben ihn nicht mehr her“, spricht Dana Müller ein Machtwort. Da ist sich die stellvertretende Leiterin des Kaufhauses mit Dirk Teßmann einig. Der ist auf dem Papier zwar ihr Vorgesetzter, im Umgangston aber lässt nicht mal eine Nuance finden, die auf Hierarchiebeharren schließen ließe. Müller, die Dienstälteste im Team, klingt jedenfalls resoluter.
Teßmann – ein in der Pfalz heimisch gewordener Berliner – war dabei, auch seine Ehefrau Petra, zudem Dana Müller und Marina Boll. Sie schoben Dienst in dem Moment, da das Kaufhaus nicht auf den Hund, aber auf den Hamster kam. Obwohl das recht schnell zu klären war, herrschte anfangs zumindest kurzzeitig Verwirrung über die korrekte Einordnung der Findelkreatur in ein tierisches Kategoriensystem. „Was sollen wir denn mit der Maus“, soll der Berliner gerufen haben. „Sieht eher aus wie ein Hamster“, wird seine bessere Hälfte Petra im Nachhinein zitiert. Und Mit-Finderin Marina Boll soll gleich schon die Adoption des Kleinen durch das gesamte Team angeregt haben, so die Rekonstruktion der Geschehnisse Ende Januar.
An einem Montag aus der Tüte gepurzelt
Entdeckt worden war der Hamster bei der turnusgemäßen Leerung der Kleidercontainer nach dem Wochenende. Also war’s ein Montag, ein näherer Blick auf den Kalender und kurzes Kramen im Oberstübchen aller Beteiligten lassen den 26. Januar als Tag des Fundes festklopfen. Jedenfalls: Nach dem Öffnen der Containerklappen sei das winzig-wuselige Etwas nebst alten Klamotten aus einer Tüte gepurzelt.
Gut, dass rasch eine Grundausstattung zur Hand war, um dem obdachlosen Hamster fürs Erste Unterschlupf zu bieten. Gut, wenn man auf mehreren Hundert Quadratmetern so ziemlich alles vorrätig hat. Ein umgittertes Gehege fand sich jedenfalls vor Ort. Inzwischen ist auch die Ausstattung des Terrariums angewachsen. Unter anderem steht ein Hamsterrad als Fitnessangebot bereit.
Das Sozialkaufhaus lebt von der Spendenbereitschaft einiger Menschen im Kuseler Land. Die hilft nun auch, Luigi ein neues Heim bieten zu können. Man habe einiges gekriegt für den ersten Hausbewohner. Nicht lumpen ließen sich nach Aussage der Tierfreunde die beiden Fachhandlungen für Tierbedarf: Die Filialen von Fressnapf in Kusel sowie Zoo & Co. in Altenglan hätten sofort geholfen.
Dass das erste und einzige Sozialkaufhaustier durchzubringen ist, davon sind die Halter überzeugt – zumal der Zeitraum überschaubar ist. Zwerghamster werden nicht alt. Auch wenn Luigi noch ziemlich jung zu sein scheint: Mehr als zwei, allenfalls zweieinhalb Jahre Lebenserwartung hat er nicht. Bleibt noch die Frage, warum er Luigi getauft worden ist: Die Antwort liegt für Marina Boll und Dana Müller auf der Hand: „Sieht er nicht aus wie ein Italiener?“