Offenbach-Hundheim
So läuft es mit den „Zukunftsgemeinden“ im Kirchenkreis Obere Nahe
Die Kirchengemeinden Grumbach-Herren-Sulzbach sowie Offenbach – das schon jetzt mit Medard-Wiesweiler und Niederalben-Niedereisenbach pfarramtlich verbunden ist – sollen mit Weierbach-Sien und Dickesbach zum 1. Januar 2026 zur „Zukunftsgemeinde 3“ fusionieren. „Natürlich begrüßen das nicht alle“, räumt die Superintendentin des Kirchenkreises Obere Nahe, Jutta Walber, ein. Aber es gebe doch die Einsicht, unter veränderten Bedingungen neue Formen für Kirche zu finden, registriert die Pfarrerin.
Gründe: Weniger Geld, weniger Mitglieder
Von der Strukturveränderung betroffen sind auch die Kirchengemeinden Pfeffelbach und Burg Lichtenberg. Beide sollen mit Wolfersweiler und Westrich Nahe, die im Kreis Birkenfeld die Orte Baumholder, Berschweiler und Reichenbach umfasst, zur „Zukunftsgemeinde 4“ fusionieren. Eine weitere „Zukunftsgemeinde“ soll rund um Herrstein entstehen. Die Namen dieser drei künftigen Großgemeinden sind noch nicht gewählt.
Mitgliederschwund, Rückgang der Finanzkraft der Gemeinden und eine angestrebte Verwaltungsvereinfachung sind unter anderem Gründe für die angestrebten Fusionen. In Idar-Oberstein, dem Sitz der Superintendentin, startet der Fusionsreigen bereits zum 1. Januar 2025. Zur neuen „Edelsteingemeinde“ gehören dann Kirchenmitglieder aus den Gemeinden Göttschied, Idarbachtal, Leisel, Siesbach und Veitsrodt-Herborn. Ebenfalls Anfang 2025 fusionieren Birkenfeld, Bosen, Nohfelden, Achtelsbach-Brücken, Niederbrombach und Sötern zur „Hoffnungsgemeinde Nahe-Hochwald“.
Das Gemeindeleben leidet
Rund um Offenbach hatte sich die Pfarrerlandschaft spürbar ausgedünnt, nachdem Johannes und Freya Hülser im März 2022 ins Dekanat Kusel gewechselt waren. Zuständig sind seither Tanja Bodewig aus Idar-Oberstein und Denise Roth aus Herren-Sulzbach. Doch Pfarrerin Roth ist derzeit nur mit einer halben Stelle eingesetzt. In Offenbach leidet das Gemeindeleben offenbar unter der personellen Situation. Gottesdienste und Kulturveranstaltungen in der Abteikirche werden seltener angeboten. War diese einst ein Zentrum der rheinischen Gemeinden im Kreis Kusel, so fühlen sich viele Kirchenmitglieder nun alleingelassen. Im vergangenen Jahr wurden sogar Gerüchte laut, dass die Abteikirche geschlossen werden soll.
Es fehle ein Ansprechpartner in der Nähe, berichtet Jutta Lißmann aus Offenbach-Hundheim. Auch konnte bei den Presbyteriumswahlen im Februar das Gremium mangels Kandidaten nicht besetzt werden. Daher wurde nun zur Leitung der Kirchengemeinde ein Bevollmächtigtenausschuss bestellt, dessen Vorsitzende Lißmann ist.
Für Sonntag, 23. Juni, bereitet die Kirchengemeinde die Kloster- und Apostelkerb vor. Lißmann sagt: „Wir wollen zeigen, dass hier etwas los ist.“ Dass die beiden Pfarrerinnen nicht nur zeitlich stark eingespannt, sondern auch recht weit ab vom Schuss seien, werde in der Kirchengemeinde bedauert, sagt Lißmann. Doch wird sich das in Zukunft kaum ändern, denn in der neuen Großgemeinde nimmt Offenbach geografisch eine Randposition ein.
Lichtblick beim Personal
Einen Lichtblick gibt es, was das Personal betrifft: Der Engpass soll durch Thomas Reppich ausgeglichen werden. Er wird für die kommenden neun Monate zu 50 Prozent eingesetzt, auch um Zeit zu gewinnen, die neuen Strukturen zu schaffen, kündigt Walber an. Im Vorfeld der Fusionen seien mehrere Arbeitsgruppen tätig. Die Fusionsbeschlüsse der zum Kreis Kusel gehörenden Gemeinden werden für kommendes Jahr erwartet.
Wichtig ist Jutta Walber, „Verständnis zu wecken, warum wir das machen“, wie sie sagt. „Wir haben nicht genügend Pfarrer. Wir können froh sein, wenn überhaupt Pfarrer in unsere Region kommen.“ Der Kirchenkreis sei weit entfernt vom Düsseldorfer Sitz der Evangelischen Kirche im Rheinland mit vielen städtischen – also auch durchaus attraktiven – Gebieten. „Es ist so, dass sich bei uns mittlerweile die Gemeinden für einen Pfarrer bewerben, nicht umgekehrt.“
Menschen haben sich verändert
Der Kirchenkreis zähle derzeit rund 41.600 Mitglieder. Elf Gemeindepfarrer seien im Einsatz, zweieinhalb weniger als angestrebt. „Wir brauchen ganz andere, neue Formate“, sagt Walber. Ziel sei es, die pfarramtliche Versorgung unter veränderten Rahmenbedingungen gewährleisten zu können. Auch bedauert sie, dass viele rheinische Pfarrer die Gegend im Süden der Landeskirche gar nicht kennen würden. Daher gehe es auch darum, die Region an der Oberen Nahe als lebenswert bekannter zu machen.
„Wir wollen das Gebiet nicht abhängen“, stellt Walber klar. Kirche solle weiterhin präsent sein, „aber wir können nicht mehr in gleicher Form Kirche sein wie in der Vergangenheit“. Gesellschaftliche Zusammenhänge und auch Menschen hätten sich verändert. Walber: „Wir müssen uns an den Menschen orientieren, nicht an Traditionen.“ Wenn Statistiken nur noch zwei Prozent Kirchenbesucher zählen, gebe das zu denken. „Die übrigen 98 Prozent sind ja auch unsere Mitglieder“, sagt Walber. Doch für diese große Mehrheit gebe es nur rudimentäre Angebote.
Noch nicht klar, welche Kirchen genutzt werden
Im Blick hat die Pfarrerin auch die rückgehenden Kirchenmitgliederzahlen. Drei Prozent der Mitglieder habe der Kirchenkreis im vergangenen Jahr verloren, und die Tendenz halte an. Beispielsweise zähle die Gemeinde Offenbach nur noch rund 400 Mitglieder.
Noch offen ist, welche Kirchengebäude an der Oberen Nahe in Zukunft weiter genutzt werden. Mit diesem Thema würden sich die neuen „Zukunftsgemeinden“ befassen und bis 2027 entscheiden, kündigt Walber an. Das betreffe auch die Abteikirche in Offenbach. Klar sei, dass die kleine Kirchengemeinde die Kirche nicht allein tragen kann. Für den langfristigen Erhalt der Abteikirche seien Kooperationen mit neuen Partnern erforderlich.