Kreis Kusel / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schockanrufe und SMS: Wie Betrüger vorgehen

Mit Schockanrufen versuchen Betrüger hohe fünfstellige Beträge zu erbeuten.
Mit Schockanrufen versuchen Betrüger hohe fünfstellige Beträge zu erbeuten.

Betrüger sind nicht nur dreist, sie sind auch kreativ. Mit verschiedensten Methoden versuchen sie Geld und Daten von ihren Opfern zu ergaunern. Welche das sind und wie man sich schützen kann, verrät der Leiter des Betrugsdezernats des Polizeipräsidiums Westpfalz, Gerhard Jost.

Wohl die meisten haben schon einmal zwielichtige Kurznachrichten, Anrufe oder E-Mails erhalten. Dahinter steckt meist eine ausgeklügelte Betrugsmasche. Die Täter lassen sich dazu immer wieder neue Methoden einfallen, um an Geld oder Zugangsdaten von Online-Konten zu kommen. Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen auf solche Betrugsversuche hereinfallen. Solche Fälle landen auf dem Schreibtisch von Gerhard Jost. Er leitet das Betrugsdezernat des Polizeipräsidiums Westpfalz.

„Die Täter haben keine technischen Finessen. Wir haben immer das Problem, das ein User hereingelegt wird“, erklärt Jost. Bei einer der aktuell populärsten Maschen erhalten die Betroffenen eine SMS, die den Anschein erwecken will, von einer Zollbehörde zu kommen. Darin wird auf ausstehende Zoll-Gebühren hingewiesen, die über einen Link in der Nachricht bezahlt werden sollen. „Da geht es meist nur um etwa zwei Euro. Aber wenn man den Link anklickt und seine Kreditkartendaten eingibt, können mehrere Tausend Euro weg sein“, warnt der Experte im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mit den Kredikartendaten allein könnten die Betrüger zwar noch nichts anfangen, sagt Jost, doch die ahnungslosen Opfer bestätigen die Transaktion per TAN, Code oder App und öffnen den Tätern so Tür und Tor. Jost appelliert: „Bei SMS sollte man nie auf einen Link klicken und sich stattdessen fragen: Woher sollte der Zoll überhaupt meine Nummer haben?“ Generell spiele das Kommunikationsmittel SMS heute kaum noch eine Rolle. Besonders Behörden würden sich nie auf diese Weise melden. „Da sollte man den Kopf einschalten und merken, dass das unplausibel ist“, rät Jost.

Ein sehr großes Problem stellen laut Gerhard Jost sogenannte Fake-Shops dar: „Es ist schwer für Kunden, das zu erkennen und auch schwer für uns, präventiv Ratschläge zu geben.“ Hier werden Nutzer mit Schnäppchen angelockt, jedoch nur mit dem Ziel, ihre Bankdaten abzugreifen.

Tausende Euro für Wohnungsbesichtigung

Auch auf gängigen Immobilien-Portalen im Internet treiben sich Betrüger herum, wie Jost weiß: „Die Täter präsentieren tolle, billige Wohnungen mit schönen Bildern.“ Meldet sich ein Interessent auf die Anzeige, werde ihm signalisiert, dass er die Wohnung haben könne, allerdings nur, wenn ein vierstelliger Betrag allein für eine Besichtigung im Voraus gezahlt werde.

Gewinnversprechen sind ebenfalls ein beliebter Weg für Betrüger, um sich zu bereichern. Den Opfern wird vorgegaukelt, sie hätten eine hohe Geldsumme oder ein Auto gewonnen. Kurz darauf meldet sich aber wieder jemand, der behauptet, dass Notargebühren oder Speditionskosten vorgestreckt werden müssten. Die Täter verlangen zum Decken dieser Kosten die Codes von Paysafe- oder Gutscheinkarten. „Da entstehen schnell mehrere Hundert Euro Schaden“, sagt Jost.

Dauerbrenner Schockanrufe

Ein Punkt, der die Polizei schon lange beschäftigt, sind Schockanrufe. „Das ist ein Dauerbrenner“, berichtet Jost. Unbekannte rufen ohne Vorwarnung an und geben sich etwa als Polizeibeamte aus. Es wird behauptet, dass etwa der Sohn oder die Tochter des Angerufenen einen schweren Verkehrsunfall verursacht hätte und deshalb in Untersuchungshaft sitze. Darum werde schnellstmöglich ein hoher Geldbetrag als Kaution benötigt. Hier habe die Aufklärungsarbeit der Polizei bereits Früchte getragen, wie Jost sagt: „Es fallen nur noch wenige darauf herein, aber wenn doch, dann ist der Schaden hoch fünfstellig.“ Der Experte rät, ruhig zu bleiben und sich erst einmal Zeit zu verschaffen. „Halten Sie inne, legen Sie auf und rückversichern Sie sich. Tauschen Sie sich mit Angehörigen aus oder rufen Sie direkt bei der Polizei an“, so Jost. Zudem weist er darauf hin, dass es eine Kaution, um jemanden aus der Haft freizukaufen, in dieser Form in Deutschland gar nicht gibt, aber viele durch US-Serien und -Filme so geprägt seien.

Besonders dreist wird es, wenn die Betrugsmaschen so ausgelegt sind, dass die Opfer gleichzeitig zu Tätern werden, wenn auch unwissentlich. Dazu nutzen die Betrüger laut Jost Stellenangebote, die in den sozialen Medien verbreitet werden. „Sie versprechen viel Geld für wenig Arbeit“, sagt Jost. Es werden etwa Tester für neue Online-Banking-Apps gesucht, sogar echt wirkende Arbeitsverträge werden ausgestellt. Die ahnungslosen Opfer eröffnen ein neues Konto, doch haben danach keinen Zugang. Dieses Konto wird letztlich für Betrugsgeschäfte und Geldwäsche genutzt. Dadurch bekommen die Opfer nicht nur kein Gehalt für ihren vermeintlichen Job, sondern als Kontoinhaber auch eine Anzeige. „Das ist ganz übel“, bilanziert Jost, der zudem betont, wie wichtig die Prävention dabei ist. Denn: „Polizeilich ist da wenig zu holen.“

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