Lauterecken
RHEINPFALZ-Biber Nils Nager berichtet: Darum geht’s im Lauterecker Waldklassenzimmer
„Wir haben einen tollen Wald“, sagt Isabel Steinhauer-Theis, Stadtbürgermeisterin von Lauterecken. Daher sollten Kinder direkt vor Ort auch alles rund um Bäume und Waldbewohner lernen können. Und deshalb sollte es in Lauterecken wieder ein Waldklassenzimmer geben, sagt Steinhauer-Theis. Ein früheres werde aufgrund seines Alters nicht mehr genutzt.
Die Stadtbürgermeisterin ging zum Forstzweckverband Lauterecken-Wolfstein, in dem 25 Orte vereint sind. Diese arbeiten zusammen, damit der Wald auch in Zukunft fit und gesund ist. Damit dieses Ziel erreicht wird, müssen Kinder lernen, warum der Wald wichtig ist, ist Verbandschef Albert Graf überzeugt. Die Förster, die sich beruflich um den Wald kümmern, waren schnell mit im Boot.
Nichts verschwenden – wiederverwenden
Zuerst musste eine gute Stelle für das Waldklassenzimmer gefunden werden. Die Revierleiterin Kai-Sophie Nöcker kennt sich im Lauterecker Wald gut aus und fand einen großen Platz in der Nähe des Veldenzköpfchens. Dort befindet sich auch eine Schutzhütte, falls Besucher im Wald von Regen überrascht werden. Die Arbeiten begannen im Sommer, die Förster haben bis kurz vor der Eröffnung gewerkelt. Ausbildungsmeister Timo Emrich und seine Auszubildenden haben sich ins Zeug gelegt, um einen schönen und sicheren Platz zum Lernen zu schaffen.
Zuerst mussten alle gefährlichen Stellen entfernt werden. Es wurde überprüft, welche Bäume umfallen und welche Äste von Bäumen abbrechen könnten. Solche Bäume – darunter eine alte, kaputte, dicke Eiche – mussten gestutzt oder gefällt werden. Von der Eiche „haben wir den Stumpf stehen lassen. Jan Klein hat dann dort unser Maskottchen geschnitzt“, schildert Nöcker und deutet auf den Waldwichtel, der das gesamte Gelände im Blick hat. Generell sei nichts weggeworfen worden: Alles, was abgeschnitten wurde, haben die Waldprofis wiederverwendet. Die neuen Sitzmöbel sind aus Baumstämmen entstanden.
Das ist doppelt clever, denn neues Material in den Wald zu schaffen, wäre viel Arbeit gewesen. Die Förster haben das Holz aufbereitet und die Bänke zu einer Art Baumkreis angeordnet. Dazu gibt es noch ein paar Tische und Möglichkeiten, um Plakate aufzuhängen. „Wir können das noch erweitern, beispielsweise um einen Barfußpfad“, sagt Gabi Kleinhempel, die Chefin vom Forstamt Kusel. Rund um das Gelände gibt es zudem einen Wall aus Totholz. Dort finden Tiere einen guten Lebensraum und die Kinder wissen, dass sie nicht allein weitergehen sollen.
Der Wald hat viel zu bieten
Nicht nur Schulen und Kitas dürfen das Waldklassenzimmer nutzen. Auch Umweltveranstaltungen des Forstamtes Kusel sollen dort stattfinden, und Wanderer können dort eine Pause einlegen. Wer das Zimmer unter freiem Himmel sehen möchte, parkt am Lauterecker Friedhof und geht den Forstweg links hoch. Der Weg ist teils sehr steil, umso schöner ist es, sich wenig später im Wald hinzusetzen, dem Vogelkonzert zu lauschen und Neues zu lernen.
Das Ökosystem Wald hat viel zu bieten, wie Schüler des Veldenz-Gymnasiums, der Lauterecker Grundschule und der Janusz-Korczak-Schule bei der Waldrallye gemerkt haben. Den Dachs zum Beispiel, der mit großen Krallen selbst seinen Bau gräbt. Sein Haus wird manchmal so groß, dass auch andere Tiere einziehen. Dachse leben dann friedlich mit Kaninchen und sogar dem Fuchs zusammen. Weniger gut gefallen hat den Kindern, dass Waldhonig aus Honigtau, dem Pipi der Blattläuse entsteht, dafür mögen sie das Waldklassenzimmer, in dem man toben, aber auch gemütlich sitzen kann.