Medard
Protestanten in Medard und Wiesweiler kämpfen gegen Zwangsfusion
Protestanten in Medard und Wiesweiler kämpfen um den Erhalt ihrer Kirchengemeinde. Drei Tage vor dem Zusammenschluss zur Zukunftsgemeinde Nahe-Glan wurde bei einer Informationsveranstaltung des Presbyteriums deutliche Kritik an der Kirchenleitung laut.
Zum 1. Januar haben im Evangelischen Kirchenkreis Obere Nahe 17 Kirchengemeinden zu drei großen Einheiten fusioniert: Fischbachtal, Saar-Westrich-Nahe und Nahe-Glan. Zwei weitere Zukunftsgemeinden – die Edelsteingemeinde und die Hoffnungsgemeinde Nahe-Hochwald – entstanden Anfang 2025. Als Gründe nennt der Kirchenkreis Pfarrermangel, sinkende Mitgliederzahlen, finanzielle Engpässe und den Wunsch nach Verwaltungsvereinfachung.
„Randlage“ bereitet Sorgen
Diese Einschätzung teilt das Presbyterium der rund 500 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde Medard-Wiesweiler grundsätzlich. Dennoch lehnte es im März eine Fusion mit Grumbach/Herren-Sulzbach, Niederalben-Niedereisenbach, Offenbach am Glan, Weierbach-Sien sowie Dickesbach zur neuen Kirchengemeinde Nahe-Glan einstimmig ab. Begründet wurde dies mit der befürchteten Randlage in der neuen Struktur und einer unzureichenden seelsorgerlichen Versorgung – in der geplanten Großpfarrei sind nur anderthalb Pfarrstellen vorgesehen.
Gegen die zum 1. Januar vollzogene Fusion legte das Presbyterium Widerspruch ein. Über das weitere Vorgehen informierten die Presbyteriumsvorsitzende Konstanze Klein (Wiesweiler) und ihr Stellvertreter Tobias Klinker (Medard) bei einer mit rund 25 Personen gut besuchten Veranstaltung am Montagabend. Demnach wird die Kirchengemeinde Medard-Wiesweiler zum 1. Januar aufgelöst, das Presbyterium damit abgeschafft und seine Mitglieder aus dem Amt entlassen.
„Wir fühlen uns nicht gehört“
Laut Klein geht aus einem Schreiben der Kirchenleitung hervor, dass es sich um eine Zwangsfusion handele. Bereits im Sommer hatte Superintendentin Jutta Walber angekündigt, der Synodalvorstand werde sein Antragsrecht nutzen, um die Fusion von oben voranzutreiben. „Diktatorisch“, nannte dies ein Besucher. „Wir fühlen uns nicht gehört“, sagte Klein.
An die Stelle des Presbyteriums tritt ein Bevollmächtigtenausschuss – ohne Vertreter aus Medard-Wiesweiler. Dieser Ausschuss entscheidet auch über die Finanzen. Daran entzündet sich weiterer Widerstand: Die Kirchengemeinde mit zwei Kirchen und einem Pfarrhaus wirtschaftet nach Angaben Klinkers „mehr als ausgeglichen“. Das Pfarrhaus generiere Mieteinnahmen, und seit dem Wechsel des Pfarrerehepaars Hülser ins Dekanat Kusel falle keine Pfarrbesoldung mehr an. In der Versammlung wurde die Sorge geäußert, die Konten könnten zum 1. Januar abgeräumt werden. Ein Kirchenmitglied sprach gar von einer „Schweinerei“.
Die Pfalz: eine ungeschmückte Braut?
Hintergrund ist auch das Bestreben, die Evangelische Kirche im Rheinland zu verlassen und sich der Protestantischen Kirche der Pfalz anzuschließen. Ein Antrag mit 290 Unterschriften liegt der Kirchenleitung in Düsseldorf vor. Gespräche mit der pfälzischen Landeskirche habe es bereits gegeben, berichtete Klinker. Ein erforderliches Grenzverschiebungsverfahren liege der Landeskirche vor, sei aber noch nicht eröffnet. Mit Blick auf die Finanzen wurde die Sorge formuliert, man könne in der Pfalz als „ungeschmückte Braut“ nicht willkommen sein.
Einige Mitglieder handeln bereits: Mehrere Konfirmandinnen und Konfirmanden werden in Lauterecken oder Odenbach betreut, informierte das Presbyterium. „Sonst müssten sie nach Weierbach fahren – eine Zumutung“, kritisierte eine Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte.
Kritik gab es auch an der Erreichbarkeit der zuständigen Pfarrerinnen Tanja Bodewig (Idar-Oberstein) und Denise Roth (Herren-Sulzbach). In Medard habe es laut Presbyterium zuletzt nur vierteljährlich Gottesdienste gegeben. Seit Juli sei kein Pfarrer mehr erschienen. Unter dem fehlenden persönlichen Kontakt leide die Seelsorge. Klinker zufolge haben beide Pfarrerinnen Überlastungsanzeige gestellt. Positiv bewertet wurde der Einsatz einer Diakonin mit einer Drei-Viertel-Stelle.
Widerspruch geht auch an Kirchengericht
Deutliche Worte richteten Besucher zudem an die Leitung des Kirchenkreises. Die Kommunikation von Superintendentin Jutta Walber wird demnach als „äußerst arrogant“ empfunden. Sie habe erst nach mehr als sechs Wochen und nach Nachfrage beim rheinischen Präses Thorsten Latzel geantwortet. Aber Kirche lebe von der Basis und dem Ehrenamt – das gehe gerade verloren, hieß es im Presbyterium.
Zum Schluss appellierte Konstanze Klein, sich nicht entmutigen zu lassen und „das Licht zum Leuchten“ zu bringen. Ziel sei, als Kirchengemeinde Medard-Wiesweiler zu bestehen und handlungsfähig zu bleiben. Der eingelegte Widerspruch werde nun auch an das Kirchengericht der Evangelischen Kirche in Deutschland nach Hannover geschickt.
Im Kreis Kusel sind von den Fusionen im Evangelischen Kirchenkreis Obere Nahe auch Offenbach, Niederalben-Niedereisenbach, Grumbach-Herren-Sulzbach, Pfeffelbach und Burg Lichtenberg betroffen. Aus diesen Gemeinden gab es keinen Widerstand.