Kreis Kusel
Polizei zieht Kriminalbilanz: Zwei Orte stechen heraus
Es ist nicht lange her, da schrillten bei den Beamten der Polizeiinspektion Kusel die Alarmglocken. Denn beim Blick auf die Kriminalstatistik 2024 wurde schnell ersichtlich, dass deutlich mehr Kinder an Straftaten beteiligt waren. Allein 29 Körperverletzungsdelikte rechnete die Polizei in dem Zeitraum den 58 Tatverdächtigen unter 14 Jahren an. Die Sorge, dass sich der Negativtrend im Folgejahr fortsetzen wird, sei entsprechend hoch gewesen, sagt Inspektionsleiter Christoph Maurer bei der Vorstellung des aktuellen Zahlenwerks.
Inzwischen aber ist sich der Erste Polizeihauptkommissar sicher: „Die Zahlen von damals waren ein Ausreißer.“ Demnach verzeichnete die Dienststelle 2025 für ihren Wirkungskreis, der auch den Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache in Schönenberg-Kübelberg umfasst, nur noch 40 Tatverdächtige in der Altersklasse U-14 – ein Rückgang von rund 31 Prozent. Eine Rückkehr zum „Normalmaß“, sagt Maurer. Dennoch habe der Anteil der Kinder an allen 2025 erfassten Tatverdächtigen erstmals die Drei-Prozent-Marke überschritten.
„Es lässt sich belegbar sicherer leben“
Das liegt allerdings auch daran, dass insgesamt die Kriminalität merklich zurückgegangen ist. 2454 Straftaten sind im vergangenen Jahr bekanntgeworden – 2024 waren es 3497. Im Straftatenaufkommen erfasst sind allerdings auch die ausländerrechtlichen Verstöße, die laut Maurer in der Regel dadurch zustande kommen, dass Bewohner der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende ohne gültigen Aufenthaltstitel einreisen. Alltagskriminalität wie Diebstahls- oder Körperverletzungsdelikte spielen dabei keine Rolle. Rechnet man die Verstöße gegen das Asyl- und Aufenthaltsgesetz heraus, bleiben 2025 noch 2321 Straftaten (2024: 2710).
„Es lässt sich also belegbar sicherer leben“, zieht Maurer für seinen Beritt als Schluss. Besonders zwei Orte stechen dabei positiv heraus: Ehweiler und Jettenbach. In beiden Ortsgemeinden wurde das gesamte Jahr 2025 über keine einzige Straftat registriert. Kriminalitätshochburg ist dagegen immer noch die Stadt Kusel: Laut Maurer entfielen 33,9 Prozent aller erfassten Straftaten in seinem Beritt auf die Kreisstadt. Ein leichtes Minus verzeichnen die Beamten dagegen bei der Aufklärungsquote, die von 73,7 auf 72,5 Prozent gesunken ist. Doch das sei immer noch ein gutes Niveau, merkt Maurer an: Der Landesdurchschnitt für das vergangene Jahr liege bei 64,8 Prozent.
„Nicht unbedeutende Gewaltbereitschaft“
Dennoch gibt es mehrere Deliktsbereiche, bei denen die Anzahl der Fälle nach Einschätzung der Polizei zu hoch ist. Dazu zählen unter anderem sogenannte Rohheitsdelikte, also Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Bedrohung oder Nachstellung. 520 solcher Fälle wurden 2025 registriert (2024: 657), was die Beamten als Indiz für eine „nicht unbedeutende Gewaltbereitschaft zur Lösung von Konflikten in der Gesellschaft“ bewerten. Häufig spiele dabei Alkohol eine bedeutsame Rolle.
Ebenfalls hoch sei das Niveau trotz sinkender Fallzahlen im Bereich Eigentumskriminalität, ergänzt Maurer. Demnach erfasste die Polizei im vergangenen Jahr 403 einfache sowie 169 schwere Diebstähle – im Vorjahr waren es 241 einfache beziehungsweise 467 schwere Fälle. Auffällig ist laut dem Inspektionsleiter, dass zunehmend verschlossene Autos in den Fokus von Einbrechern geraten.
Mann für 50 Polizeieinsätze verantwortlich
Als Ermittlungserfolg zählt Maurer, dass die Polizei mehrere Serientäter dingfest machen konnte. Beispielsweise hätten die Beamten einem Mann aus Kusel nachweisen können, aus acht unverschlossenen Fahrzeugen Gegenstände gestohlen zu haben. Einem Tatverdächtigen aus dem Raum Kaiserslautern werde wiederum zur Last gelegt, 18 Straftaten im Bereich der Kreisstadt begangen zu haben – darunter Einbrüche in Sportheime und Fitnessstudios. Besonders negativ fiel allerdings ein weiterer Mann aus Kusel auf: Laut Maurer war er allein für mehr als 50 Polizeieinsätze und 27 Strafanzeigen verantwortlich – unter anderem wegen Brandstiftung und Diebstahl.
Wenig erfreulich ist aus Sicht der Beamten, dass zwei sogenannte Straftaten gegen das Leben – dazu zählen etwa Mord oder fahrlässige Tötung – in der Statistik verzeichnet sind. 2024 gab es keinen registrierten Fall, im Folgejahr zwei, die von der Polizei an die Staatsanwaltschaft übergeben wurden. Einer davon betraf den Totschlag an einer 58-jährigen Kuselerin, deren Leiche im Februar gefunden wurde. Der Täter, ein 61-jähriger Gelegenheitsarbeiter aus der Westpfalz, wurde im April vom Landgericht Kaiserslautern zu zehn Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Tatverdächtige meist zwischen 25 und 30
Was das Täterprofil betrifft, waren 74 Prozent der Tatverdächtigen männlich. Zudem geht das Gros der Straftaten auf das Konto der Altersgruppe der 25- bis 30-Jährigen. „In der Gesamtbetrachtung kommen 75 Prozent aus dem nahen Umfeld. Das heißt, aus der Tatortgemeinde beziehungsweise aus dem Landkreis“, sagt Maurer. Der Anteil der Tatverdächtigen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, liege ohne Berücksichtigung der Verstöße gegen das Asylgesetz bei 26,5 Prozent und pendele sich damit wieder auf Mehrjahresniveau ein. 2024 betrug der Ausländeranteil am Gesamtaufkommen 29,5 Prozent, im Jahr davor 26,1 Prozent.