Glan-Münchweiler
Ohne Dirigent, aber mit Getränkewart: Blechquäler musizieren seit zehn Jahren
„Der Name stammt aus unserer Anfangszeit. Damals war er natürlich ironisch gemeint, heute ist er Programm“, sagen Uli Weißenauer und Joachim Niklasch, Trompeter und Tubist bei den Blechquälern. Das elf Frauen und Männer starke Mini-Orchester feierte am Samstag bei „Blech im Park“ sein zehntes Jubiläum – inklusive 90-minütigem Jubiläumskonzert. Von einem anderthalbstündigen Repertoire war die Gruppierung bei ihrem ersten Auftritt noch weit entfernt. „Unsere Premiere feierten wir beim Kerweumzug 2013 in Glan-Münchweiler. Damals konnten wir gerade einmal drei Stücke halbwegs fehlerfrei spielen – und die quälten wir von Anfang an immer wieder durch, bis der Umzug rum war. So kamen wir zu unserem Namen“, erinnern sich Niklasch und Weißenauer.
Die Gründung der Formation hat allerdings einen ernsten Hintergrund, wie die beiden Musiker berichten: Früher gab es, wie in fast allen größeren Dörfern der Westpfalz, in Glan-Münchweiler einen Musikverein, der bei den Festen für Musik sorgte. Nachdem der Verein wegen fehlender Aktiver den Spielbetrieb eingestellt hatte, wurden für die Kerwen im Dorf Blaskapellen oder Blasmusik-Gruppen aus anderen Gemeinden verpflichtet. Für die Kerwe 2013 konnte aber keine Gruppe gefunden werden. „Da dadurch nicht nur der Umzug, sondern der Charakter unserer Kerwe auf dem Spiel stand, entschlossen wir uns dazu, unsere Instrumente auszumotten und selbst für die Musik zu sorgen“, schildert Weißenauer.
Spazieren statt marschieren
Weißenauer, Niklasch und die anderen Blechquäler der ersten Stunde hatten als Kinder und Jugendliche ein Blasinstrument erlernt, das Hobby aber meist an den Nagel gehängt. „Ich hatte fast 25 Jahre lang nicht mehr in eine Tuba geblasen und bei allen anderen sah das ähnlich aus“, berichtet Niklasch.
Für die nötige Motivation der damaligen Kerwemusikanten sorgte, dass fast alle späteren Blechquäler einst Mitglieder der Glan-Münchweilerer Straußjugend waren. Ob der Motivation gelang es immerhin, in kurzer Zeit jene drei Stücke so einzuüben, dass man sie vor den Kerwegästen zum Besten geben konnte. Nur eines hat damals – und daran hat sich bis heute nichts geändert – nicht geklappt: zum Spielen im Gleichschritt marschieren. „Wir haben uns damals für Marschproben auf dem Sportplatz getroffen. Aber es wollte einfach nicht hinhauen“, sagt Weißenauer und ergänzt schmunzelnd, dass die Blechquäler deshalb bei den Kerweumzügen nicht marschieren, sondern spazieren.
Kein Dirigent, aber Noten- und Getränkewart
Dass die Blechquäler nun auf zehn Jahre gemeinsames Musizieren zurückblicken, lässt erahnen, dass die Kerwe-Premiere damals nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Musikern gut ankam. Mittlerweile sind die Blechquäler nicht nur bei Veranstaltungen ihrer Heimatgemeinde – zehn der elf Musiker leben in Glan-Münchweiler – gern gesehene Gäste, sondern auch bei anderen Festen in der Region.
Geprobt wird ein Mal pro Woche. Einen Dirigenten gibt es nicht. „Bei uns läuft alles basisdemokratisch, von der Auswahl der Stücke über die Proben bis hin zur Entscheidung, ob wir einen Auftritt annehmen oder ablehnen“, berichtet Niklasch. Dabei sei in der Regel entscheidend, ob alle den jeweiligen Termin wahrnehmen können. „Bei unserer kleinen Besetzung müssen alle da sein, sonst können wir nicht auftreten“, schildern beide, wobei als Gage meist „e Werschdsche un e Bier“ genommen wird.
Trotz der kleinen Besetzung ist das Repertoire der Blechquäler breit gefächert und reicht von klassischer Blasmusik mit Märschen, Walzer und Polkas bis hin zu Swing-Titeln. „Wenn wir irgendwo sind und hören, dass eine Gruppe ein Stück spielt, das uns gefällt, probieren wir das auch aus. Wobei es dafür natürlich Noten geben muss, die man mit kleiner Besetzung auch spielen kann“, berichtet Niklasch. Einen Vorsitzenden oder einen Chef gibt’s bei den Blechquälern ebenfalls nicht. „Die einzig wichtigen Posten, die wir haben, sind der Noten- und der Getränkewart“, sagen die Musiker und lachen.