Kusel Nahbar, offen und kommunikativ: Früherer protestantischer Dekan Ralf Lehr gestorben
Lehr, der ab 1999 für 15 Jahre an der Spitze des Gemeindeverbunds stand, war ein nahbarer, offener und „diesseitiger“ Seelsorger – kommunikativ statt distanziert, auf Augenhöhe statt um Ehrfurcht heischend. „Wenn wir“, so sagte er 2000 im RHEINPFALZ-Interview, „hier an der Basis nicht in der Lage sind, Glauben und Gemeinschaft zu leben und zu vermitteln, dann hat der gesamte Überbau keine Bedeutung.“
Als er damals zum Nachfolger von Dekan Baldur Melchior gewählt wurde, zählte der protestantische Kirchenbezirk Kusel noch 29.600 Mitglieder. Heute sind es mehr als 10.000 Mitglieder weniger. Die Anzahl der Gemeinden liegt nach diversen Fusionen bei 21. Die Reduktion von Pfarrstellen sah Lehr durchaus kritisch, zumal er für mehr pastorale Nähe plädierte.
Mitbegründer der Kuseler Tafel und in Diakonie engagiert
Für ihn war „das Pfarrersein im ländlichen Raum keine leichte Übung“, bei deren Bewältigung er auf die seelsorgerische Präsenz der „Volkskirche“ setzte. Im persönlichen Gespräch wirkte er – bei aller unbestreitbaren Fachkompetenz auch in Verwaltungsfragen – stets zugewandt. Er war Mitbegründer der Kuseler Tafel und engagierte sich mit Nachdruck in der Diakonie, also der sozialen Arbeit der Landeskirche. Deren Synode gehörte der Vater von vier erwachsenen Kindern, der in seiner Freizeit gern angelte und Schach spielte, fast 25 Jahre lang an.
Ralf Lehr wurde in Alsenz am Donnersberg geboren und begann nach dem Wehrdienst ein Theologiestudium in Heidelberg. Nach dem Vikariat im Neustadter Stadtteil Lachen-Speyerdorf kam er 1983 als Pfarrer nach St. Julian. Die kirchliche Arbeit bezeichnete er einmal als „eine Art Gegenbewegung zur veräußerlichten Welt“, die an der Basis der globalen Gemeinschaft diene. Gemeinsam mit seinem katholischen Amtsbruder, dem 2002 verstorbenen Dekan Alois Hemmerling, warb er für die Ökumene vor Ort. Beiden ging es „nicht um irgendwelche Ideologien, sondern um die Vermittlung der christlichen Idee“.
Ralf Lehr wird am Montag, 9. März, in Diedelkopf beigesetzt.