Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Metzgerei Maino: Über Discounter, die Bürokratie und das Schöne im Metzgerhandwerk

Jürgen Maino in der Metzgerei in Lauterecken. Das Fleisch bezieht das Unternehmen des 59-Jährigen aus der Eifel. Importware komm
Jürgen Maino in der Metzgerei in Lauterecken. Das Fleisch bezieht das Unternehmen des 59-Jährigen aus der Eifel. Importware komme bei ihm nicht in Frage.

Jürgen Maino führt die Metzgerei Maino in vierter Generation. Gegen die Supermarkt-Konkurrenz hat er ein Rezept, dem „Bürokratie-Wahnsinn“ fühlt er sich hingegen ausgeliefert.

Seit mehr als 130 Jahren ist die Metzgerei Maino in Lauterecken fest verwurzelt. Sie wurde 1892 gegründet; Jürgen Maino führt den Betrieb heute in vierter Generation. Der Weg dorthin war geprägt von unternehmerischem Mut. Nach dem Meisterbrief 1988 machte er sich ein Jahr später zunächst in Meisenheim selbstständig – mit einem Gesellen und einer Verkäuferin.

Mit seiner Metzgerei trat er damals in direkte Konkurrenz zum Betrieb seines Vaters in Lauterecken. 1994 übernahm er das Gesamtunternehmen. 1999 folgte der Umzug innerhalb Lautereckens. In der Innenstadt wurde es allerdings schnell zu eng, sodass der Betrieb an den heutigen Standort am Ortseingang von Kusel kommend wechselte. Seitdem befinden sich dort Hauptsitz, Produktionsstätte und Filiale.

Chance durch Zusatzangebote wahren

Das Fleisch bezieht der Betrieb aus der Eifel; geschlachtet wird in Wittlich. Importware komme für ihn nicht infrage, sagt der Metzgermeister. Zweimal täglich beliefern drei Kühlfahrzeuge die Filialen – nach dem Motto: „Vom Wurstkessel direkt in den Laden.“ Allerdings hat sich der 59-Jährige längst auch auf moderne Ernährungstrends eingestellt. In der Gastronomie stehen stets drei bis vier vegetarische Gerichte auf dem Speiseplan, etwa Gemüselasagne. Dennoch beobachtet Maino eine Rückbesinnung: „Die Nachfrage nach traditionellen Wurstspezialitäten steigt wieder – und die gibt es in dieser Qualität nur beim Metzger.“

Auf Qualität und Vielseitigkeit setzt Maino auch im Wettbewerb mit den Discountern. „Kein Discounter kann ein Jägerschnitzel mit Pommes und Salat anbieten“, sagt Jürgen Maino. Um gegen die Konkurrenz bestehen zu können, kombiniert der 59-jährige Metzgermeister aus Lauterecken das Fleischerhandwerk mit Partyservice, Lebensmittelhandel und Gastronomie. Während Discounter Fleisch verpacken, bietet Maino einen fertigen Mittagstisch. „Eine klassische Metzgerei ohne Zusatzangebote hätte mittelfristig keine Chance“, sagt Maino.

Zusammenarbeit mit Norma

Die Strategie scheint aufzugehen: Mit 104 Mitarbeitern, darunter zehn Metzgern und ständig fünf bis sechs Auszubildenden, sowie einem Jahresumsatz von rund 6,5 Millionen Euro ist die Metzgerei Maino ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. Das Unternehmen betreibt neben Lauterecken acht weitere Standorte: Hennweiler, Herrstein, Nußbach, Kirn, Meisenheim, Alsenz, Kusel und Waldmohr.

Warum gerade Waldmohr – so weit weg im Südkreis? „Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit Norma“, sagt Jürgen Maino. Schon an den Norma-Standorten Kusel und Alsenz betreibt Maino die dortigen Metzgereien. „Also haben wir das Geschäftsmodell auf den neuen Norma-Markt in Waldmohr ausgeweitet“, berichtet er. Für die Stadt im Südkreis sprechen Maino zufolge zudem die hohe Einwohnerzahl, das Bevölkerungswachstum und die Autobahnanbindung. Die Eröffnung weiterer Filialen plant Maino derzeit nicht; dafür sei die gesamtwirtschaftliche Lage zu unsicher.

Maino: Kunde zahlt Bürokratie mit

Gegen eine Expansion spreche aus Mainos Sicht auch der wachsende Aufwand für Bürokratie. Die „Prüfungsflut“ für Metzgereien in Deutschland treibt ihn um; Maino spricht von „Bürokratie-Wahnsinn“. Vor 20 Jahren habe eine Halbtagskraft die Arbeit im Büro allein erledigt; „jetzt sind wir zu viert“, sagt der 59-Jährige.

Die Metzgerei müsse regelmäßig Rechenschaft ablegen – gegenüber Finanzamt, Veterinäramt, Ordnungsamt, Eichamt, Gewerbeaufsichtsamt, Statistischem Landesamt, dem Zoll, der Rentenversicherung, der Landwirtschaftskammer und der Künstlersozialkasse. Ins Haus kommen zudem Lohnsteuer- oder Sozialversicherungsprüfer. „Das sind alles Spezialisten auf ihrem Gebiet, und ich bin eigentlich nur Handwerker“, sagt Maino. Der 59-Jährige ist überzeugt: Diese bürokratischen Hürden halten viele Menschen davon ab, sich selbstständig zu machen. Leidtragende seien auch die Verbraucher: „Mit jedem Bissen in das Fleischkäsbrötchen“ zahle der Kunde für die ausufernde Bürokratie mit.

Doch selbst dieses „bürokratische Monster“ könne Jürgen Maino den Spaß an seinem Beruf nicht verderben. Ihm gefalle die Vielseitigkeit und die Kreativität seines Jobs. Als Metzger „kann ich mich selbst verwirklichen“, sagt Maino. Er ist optimistisch, die Begeisterung für sein Handwerk in der Familie weitergeben zu können. Er hoffe, dass wenigstens einer seiner vier Söhne den Weg ins Metzgerhandwerk findet – damit die über 130-jährige Geschichte der Metzgerei Maino in Lauterecken auch in fünfter Generation weitergeschrieben wird.

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