Reichweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr als nur mit „Babys kuscheln“: Eine junge Hebamme erzählt von ihrem Traumberuf

Eine von vielen Aufgaben für Marie-Sophie Biehl: das Wiegen der Kinder. Die 24-Jährige hat den Hebammen-Beruf über ein Studium e
Eine von vielen Aufgaben für Marie-Sophie Biehl: das Wiegen der Kinder. Die 24-Jährige hat den Hebammen-Beruf über ein Studium erlernt – eine Möglichkeit, die sie auch anderen empfehlen würde.

Der Hebammenberuf sei „in der Krise“, heißt es häufig. Marie-Sophie Biehl erzählt, warum sie trotzdem wieder diesen Weg wählen würde und was das mit Kaninchen zu tun hat.

Ihren ersten Dienst als Hebamme hat Marie-Sophie Biehl am 5. Mai 2025 angetreten – dem Welthebammentag, der jedes Jahr an diesem Datum begangen wird. Nach dreieinhalb Jahren Studium hatte die Reichweilerin ihr „berufliches Zuhause“ in der Hebammenpraxis Lebensstern im saarländischen Wiebelskirchen und als Dienstbeleghebamme am Kohlhof in Neunkirchen gefunden. Ein Jahr später zieht sie ein erstes Resümee – und ist nach wie vor „mehr als glücklich“ mit ihrer Entscheidung.

Sie gehört zu den ersten, die den Hebammenberuf in Form eines Studiums anstelle einer Ausbildung erlernt haben. Sie bezeichnet sich daher als Teil eines „Versuchskaninchenjahrgangs“. Das habe Vor- und Nachteile gehabt, erklärt Biehl. Während ihres Studiums an der HTW Saar in Saarbrücken habe sie zwar tiefe Einblicke in Forschung und moderne Technik im Bereich der Geburtshilfe erhalten. Dennoch werde studierten Hebammen oft unterstellt, sie hätten zu wenig Praxiserfahrung. Das sei im dualen Studiengang allerdings nicht der Fall. „Die Studieninhalte sind darauf ausgelegt, die Frau im Ganzen zu sehen“, berichtet die 24-Jährige.

Traumberuf seit ihrer Kindheit

Bereits während ihres Praktikums in der achten Klasse habe sie gewusst, dass sie einmal Hebamme werden möchte. „Durch Praktika in anderen Bereichen hat sich der Wunsch nur noch mehr gefestigt. Hebamme zu werden war Plan A, B und C“, erklärt sie lachend. Und auch wenn das Studium sehr herausfordernd gewesen sei, hat sie sich danach schnell selbstständig gemacht. Seither arbeitet sie mit mehreren Hebammen in der Praxis Lebensstern und betreut auch Familien aus dem Kreis Kusel.

Freiberuflich als Hebamme zu arbeiten, berge einige Herausforderungen, erklärt Biehl. Neben dem hohen Bürokratieaufwand habe es 2025 schlechte Nachrichten gegeben: Der Hebammenhilfevertrag sah Kürzungen für freiberufliche Hebammen vor. Gut 20 bis 30 Prozent weniger Einnahmen habe sie plötzlich verschmerzen müssen. „Es wurde anders abgerechnet. Für die erste zu betreuende Frau gibt es 80 Prozent des geplanten Stundenlohns. Für die Betreuung einer zweiten oder dritten Schwangeren soll dann nur noch ein geringerer Prozentsatz fällig werden, obwohl man trotzdem noch zu 100 Prozent die Verantwortung für alle trägt und zwischen den Personen hin und her rennen muss“, sagt Biehl, die den Hebammenhilfevertrag weiterhin kritisch sieht.

Sogar Kreißsäle müssen geschlossen werden

Apropos hin und her rennen: Das müssten viele Hebammen, da zahlreiche Stellen unbesetzt seien. Sogar Kreißsäle mussten laut Biehl geschlossen werden. Einige ihrer Kolleginnen hätten unter diesen Voraussetzungen nicht weiterarbeiten wollen. Änderten sich diese Umstände, würde der Beruf auch wieder attraktiver, ist die junge Hebamme überzeugt. Denn obwohl sie ihre Arbeit über alles liebe und sie diese bis zur Rente ausüben wolle, sei die Aufgabe auch sehr anstrengend. Nicht nur emotionale Herausforderungen – etwa bei der Trauerarbeit während und nach Fehlgeburten – gehörten dazu, auch körperlich könne man schnell an seine Grenzen kommen.

„Man richtet sich während der Geburt nach der Mutter. Man liegt, kniet und turnt. Anders als in den US-amerikanischen Serien gebärt nicht jede Frau auf dem Rücken“, klärt Marie-Sophie Biehl auf. Demgegenüber gebe es aber auch viele Momente, die alle Strapazen wert seien. „Ich darf zusehen, wie Paare zu Familien werden und erhalte viele liebe Worte, wenn ich Menschen in so einer sensiblen und intimen Phase begleitet habe“, erzählt sie von den schönen Seiten des Berufs. Eine besondere Herausforderung könnte in Zukunft noch auf sie zukommen: dann nämlich, falls sie selbst einmal Mama werden sollte. „Wenn ich sehe, dass freiberufliche Hebammen Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen, bin ich immer beeindruckt“, sagt sie.

„Für den Beruf muss man leben“

Kritik übt sie an der Politik, von der es wenig Unterstützung gebe – wie nach den neuen Bestimmungen im Hebammenhilfevertrag deutlich geworden sei. Auch in der Gesellschaft gebe es Stimmen, die Hebammen unterstellten, nur „mit Babys zu kuscheln“. Dabei reichten die Leistungen von Akupunktur über Geburtsvorbereitungskurse bis hin zur Wochenbettversorgung – und je nach Ausbildung noch darüber hinaus. „Für den Beruf muss man leben. Mir gibt das Ganze so viel. Und wir brauchen Hebammen“, erklärt Biehl, die in ihrem ersten Jahr nach dem Studium schon etwa 70 Geburten betreut hat. Jedem, der sich für den Beruf interessiert, kann sie deshalb nur raten: „Mach es und zieh es durch!“

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