Medard
Möglicher IGM-Abschied: Kommunalpolitiker wollen Unternehmen im Landkreis halten
Arbeitgeber, Gewerbesteuerzahler, nicht zuletzt auch Aushängeschild in puncto Innovationskraft: Dass ein Unternehmen vom Format des Fassadenbauers IGM dem Landkreis nur zu gut zu Gesicht steht, daran herrscht wohl kein Zweifel. Und das soll auch so bleiben – da sind sich führender Kommunalpolitiker einig. Landrat Johannes Huber und sein Vorgänger Otto Rubly, Bürgermeister Andreas Müller und Medards Ortsbürgermeister Thomas Müller haben sich am Donnerstag zum möglichen Abschied von IGM aus Medard geäußert. Tenor: Dies gelte es zu verhindern – im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten.
Michael Groß, einer der beiden Inhaber und Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens, hatte gegenüber der RHEINPFALZ von einem womöglich bevorstehenden Aus für alle Expansionspläne in Medard gesprochen. Ließen sich die Erweiterungspläne vor Ort nicht verwirklichen, werde man sich neu orientieren müssen. Der Geschäftsführer sprach von Alternativen. Es gebe Möglichkeiten, andernorts die für IGM notwendigen räumlichen Kapazitäten schneller und günstiger zu schaffen als am angestammten Sitz.
Groß, der gemeinsam mit Co-Gesellschafter Gunter Mohr die Firma aus dem Boden gestampft und zur Blüte gebracht hat, macht Versäumnisse der Akteure in Politik und Verwaltung dafür verantwortlich, dass die Expansionspläne des Unternehmens nicht wie gewünscht umgesetzt werden können.
Rubly: Vorhaben eine immense Herausforderung
„Es ist ja nicht so, dass wir nichts getan hätten“, will der bis Mitte Oktober amtierende Landrat Otto Rubly Vorwürfe nicht einfach so im Raum stehen lassen. Gleiches gilt für seinen Nachfolger: „Seit meinem Amtsantritt, seit ich involviert bin, hake ich nach und höre ich auch an verantwortlichen Stellen nach“, betont Johannes Huber. Die Fallakte IGM-Erweiterung Werk vier füllt in der Kreisverwaltung bereits dicke Ordner.
Seit die Pläne zum Bau des vierten Werks konkretere Form angenommen hätten, „haben wir alles Mögliche versucht, das Unternehmen bei seinen Expansionsbemühungen zu unterstützen“ und mitzuhelfen, den Bau der Werkhalle auf den Weg zu bringen, sagt Rubly. Und das „obwohl wir ja auch wussten, dass dies eine Riesenherausforderung ist“, so der ehemalige Landrat. Versäumnisse müssten sich die Verwaltungen, Behördenleiter und Gremien im Kreis jedenfalls nicht anlasten lassen.
Das Kernproblem: Das Areal, auf dem das neue Werk in Nachbarschaft zu den beiden bestehenden errichtet werden soll, liegt im Hochwasserschutzgebiet. Entsprechend groß sei der Planungs- und Genehmigungsaufwand. Eine Fülle von Gutachten sei notwendig, ein Wust von Bestimmungen zu beachten.
Müller: „Müssen uns an Recht und Gesetz halten“
Das betont auch Andreas Müller, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein. „Michael Groß hat ja im Grunde völlig recht“, sagt Müller. Alles dauere viel zu lange, werde von allzu vielen Vorschriften gebremst. Abgesehen davon, dass aber mit Blick auf den Schutz von Leib und Leben im Falle von Hochwassergefahr – Müller verweist auf die Ahrtalflut – tatsächlich besondere Vorsicht geboten sei: IGM-Chef Groß habe insofern recht, als der überbordende bürokratische Aufwand nicht mehr vermittelbar sei.
Aber, und das betont der Chef der VG-Verwaltung: „Wir sind eben an Recht und Gesetz gebunden“, spricht Müller den seiner Ansicht nach entscheidenden Aspekt an. Die Verwaltungen und deren Mitarbeiter, die Verantwortlichen, auch die Ratsmitglieder: Keiner von ihnen könne nach Lust und Laune oder nach Gutdünken Entscheidungen treffen, die nicht den gesetzlichen Bestimmungen genügen. „Wir sind insofern die Falschen, die es abkriegen“, so der Verwaltungschef: „Denn wir sind nicht der Gesetzgeber.“
Entscheidung womöglich noch vor Weihnachten
Untätigkeit möchte sich auch der Ortsbürgermeister nicht anlasten lassen. „Am 1. Dezember findet die nächste Ortsgemeinderatssitzung in Medard statt. Da wird auch IGM auf der Tagesordnung stehen“, kündigt Thomas Müller an. Allerdings sei die Sitzung schon vor dem Gesprächstermin bei dem Unternehmen anberaumt worden.
Zu besagter Gesprächsrunde hatten sich am Montagabend die erweiterte Unternehmensführung von IGM sowie politisch Verantwortliche der drei kommunalen Ebenen getroffen. Im Verlauf des Abends habe sich abgezeichnet, dass es bezüglich der Erweiterungspläne keinerlei Vorwärtskommen gebe, so Groß nach der Besprechung. Wie berichtet, hatte Groß danach ein Ultimatum gestellt: Sollten bestimmte Angelegenheiten binnen vier Wochen nicht abgearbeitet sein, „gehen in Medard die Lichter aus“, so der Geschäftsführer. Die Entscheidung darüber werde womöglich schon am Abend der nächsten Zusammenkunft Mitte Dezember fallen.