Lohnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Lohnweiler: Römische Villa rustica soll als Grabungsschutzgebiet gesichert werden

Keller aus der Zeit der Römer. Wolfsteiner Historiker Arno Braun vor dem Eingang.
Keller aus der Zeit der Römer. Wolfsteiner Historiker Arno Braun vor dem Eingang.

Vor mehr als 50 Jahren wurden in Lohnweiler die Mauern einer römischen „Villa rustica“ entdeckt. Weitere Funde folgten. Vermutlich gibt es noch mehr Überreste.

Lohnweiler feiert 2026 sein 700-jähriges Bestehen, denn im Jahr 1326 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Aber schon sehr viel früher wohnten hier Menschen, wie vereinzelte Funde aus der Steinzeit und der Eisenzeit beweisen. Eine dauerhafte Besiedlung gab es in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, in denen ein römisches Landgut bewohnt und bewirtschaftet wurde.

Auf die römische Geschichte des Dorfes wurde man erst aufmerksam, als im Jahr 1973 auf der Gemarkung „Flur“ der Keller für einen Neubau ausgehoben werden sollte. Dabei legte man die Mauern eines Gebäudes frei, das eine Grundfläche von 500 Quadratmetern besaß. Es muss also das Herrenhaus eines Landgutes, einer „Villa rustica“, gewesen sein. Zu ihm gehörte ein Raum mit Fußbodenheizung, einer römischen Zentralheizung (Hypokaustum), bei der heiße Luft von einer Feuerstelle durch Hohlräume unter dem Fußboden und in Wandkanälen zirkulierte. Der Bereich wurde wahrscheinlich als Bad genutzt.

Einige Funde sind verschwunden

1978 legte man bei der Anlage eines Gartenteiches die Mauern eines gut erhaltenen Kellers frei, der etwa zwölf Quadratmeter umfasst. Zu seinen Besonderheiten gehören fünf quadratische Mauernischen, in denen wahrscheinlich Lichtquellen aufgestellt waren.

Auch die Treppenstufen in den Lohnweilerer Keller sind aus der Zeit der Römer.
Auch die Treppenstufen in den Lohnweilerer Keller sind aus der Zeit der Römer.

Die beiden Öffnungen dienten vermutlich als Lichtschächte, wie sie auch in anderen römischen Kellern, zum Beispiel in Wachenheim, eingebaut waren. In den folgenden Jahren entdeckten die Archäologen immer wieder Dachziegel, Mörtelreste, Tonscherben, Bronzeschmuck, Tierknochen und Münzen. Weitere Mauerreste ließen sich Wirtschaftsgebäuden zuordnen. Denn wie bei einem modernen Bauernhof gehörten zum Hofareal Ställe, Scheunen und Werkstätten, aber auch Quartiere für die Arbeiter. Teile einer Mauer, die den gesamten Hof umgab, wurden ebenfalls ausgegraben.

Einige Funde blieben in Lohnweiler in der Grundschule, doch diese Sammlung ist seit der Schließung der Schule – das heutige Bürgerhaus – verschwunden. Die meisten Überreste befinden sich heute im Depot des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Sie werden dort in Kartons aufbewahrt, denn eine wissenschaftliche Auswertung hat bisher nicht stattgefunden. Die wichtigste Quelle für die Ausgrabungen ist ihre Dokumentation, die in der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Speyer archiviert wurde. Lohnweiler ist eine wichtige Ergänzung zur „Villenlandschaft der Pfalz“, deren Erforschung zur Kenntnis der antiken Siedlungsgeschichte und ihren Übergang zum frühen Mittelalter beiträgt.

Schon 1988 Denkmalzone ausgewiesen

Im Vergleich zu etlichen anderen Anlagen muss mit weiteren Funden auf dem Gelände gerechnet werden. Deshalb soll es als Grabungsschutzgebiet „Villa rustica Flur“ ausgewiesen werden. Bereits 1988 hatte der Kreis Kusel eine Rechtsverordnung erlassen, wonach eine Denkmalzone im Neubaugebiet „Auf dem Flur“ unter Schutz gestellt werden sollte. Die neue Verordnung ist eine Aktualisierung, wie sie für etwa 10.000 Fundstellen in Rheinland-Pfalz gilt. Der Entwurf der Rechtsverordnung enthält eine ausführliche Beschreibung der bisherigen Ausgrabungen und betont, dass der Fundplatz „von besonderer wissenschaftlicher und kulturhistorischer Bedeutung“ ist.

Der Boden in dem Keller könnte ebenfalls aus der Zeit der Römer sein.
Der Boden in dem Keller könnte ebenfalls aus der Zeit der Römer sein.

Was die Verordnung für die Besitzer der betroffenen Grundstücke auf der „Flur“ bedeutet, erläutern zwei Wissenschaftler der GDKE. Für Bettina Hünerfauth, der stellvertretenden Leiterin der Direktion Landesarchäologie, und den Gebietsreferenten David Hissnauer ist sie für den Schutz der Bodendenkmäler und deren einheitliche Behandlung gedacht. Eine Nutzung, soweit sie sich auf den Mutterboden beschränkt, ist davon nicht betroffen. Tiefere Eingriffe müssen aber von der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung genehmigt werden. Das gilt auch für Geländebegehungen mit Suchgeräten. Wenn man auf weitere Bodenfunde stößt, werden die Archäologen aus Speyer aktiv und begleiten die Arbeiten.

Güter auf erhöhtem Gelände errichtet

Über die historische Bedeutung der Landgüter in den römischen Provinzen kann der Archäologe Arno Braun aus Roßbach Auskunft geben, der an mehreren Ausgrabungen beteiligt war. „Wichtig für eine ,Villa rustica’ war die bevorzugte Wohnlage“, erklärt Braun. „Deshalb wurden die Güter auf einem erhöhten Gelände errichtet, was mehrere Vorteile brachte: Es wurden die sumpfigen, vom Hochwasser bedrohten Täler gemieden, und die Bewohner hatten eine weite Sicht.“ Vor allem aber sollte das Herrenhaus einen repräsentativen Eindruck vermitteln. In Gallien war deshalb die Vorderfront besonders auffällig gestaltet. Die beiden Seitenflügel endeten mit vorspringenden Eckrisaliten, die durch ihre Höhe wie Türme wirkten. Der Raum zwischen ihnen war ein offener Laubengang (Porticus). Bei der Wahl des Bauplatzes wurde auch darauf geachtet, dass es Quellen in der Nähe gab. Denn Wasser wurde nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Bäder benötigt.

In den Landgütern wurden auch handwerkliche Produkte hergestellt oder sie waren für den Bergbau zuständig. Aber ihre wichtigste Aufgabe war die Produktion von Lebensmitteln. Denn sie mussten die Bewohner der benachbarten Städte und die Soldaten versorgen. Die Höfe im Westrich belieferten die kleineren Städte, vielleicht auch das Legionslager Mogontiacum, neben dem sich eine große Zivilsiedlung entwickelte. Hier lebten zusammen mit den etwa 11.000 Soldaten 20.000 Personen. „Wenn man von 500 Gramm pro Person ausgeht, dann betrug der tägliche Getreidebedarf für die Bewohner etwa zehn Tonnen“, meint der Archäologe.

Viel genauere Untersuchungen notwendig

Bei Fundstellen wie Lohnweiler erfährt man viel über die Wirtschaft in den römischen Provinzen. Es muss wesentlich mehr Gutshöfe gegeben haben, als bisher bekannt ist. Braun kann sich vorstellen, dass sie zum Beispiel im Lautertal nur wenige Kilometer voneinander entfernt waren. „Um sie zu entdecken, muss das Gelände viel genauer untersucht werden“, sagt er. Eine Methode dafür ist die Lidar-Technologie („Light Detection and Ranging“), bei der mit Laser-Scanning detaillierte Modelle der Landschaft erstellt werden. Sie liefert auch Bilder von bewaldetem Gelände und kann geringfügige Veränderungen sichtbar machen.

Für den Handel mit Agrarprodukten war eine gute Infrastruktur notwendig. Sie bestand aus einem Netz von gepflasterten Straßen, die meist auf den Höhen verliefen und für deren Sicherheit es eine eigene Polizei gab. Für die etwa 80 Kilometer von Lohnweiler nach Mainz brauchte man mindestens vier Tage. Das konnten nur professionelle Händler leisten, die wahrscheinlich auf festen Routen unterwegs waren und die Waren regelmäßig bei den Landgütern abholten.

Weil es früher auf der Gemarkung „Flur“ hauptsächlich Gärten gab, sind die Funde in Lohnweiler ungestört erhalten geblieben. Ihre Bedeutung besteht auch darin, dass sie alle Merkmale einer typischen „Villa Rustica“ zeigen. Sie wurde errichtet auf einem wenig geneigten Hang, der etwa 50 Meter über dem Lautertal liegt und zum Tal und zum Berg hin von steileren Hängen eingerahmt wird. Zwei Quellen liegen etwas oberhalb des Geländes. Eine Verbindung zur Straße erfolgte wahrscheinlich durch einen Weg, der heute „Römerweg“ heißt. Die Münzen aus der Zeit der Kaiser Domitian (81 bis 96) und Constantius II. (337 bis 361) geben Auskunft über die etwa 400-jährige Besiedlung.

x