Wolfstein Leben retten mit dem Defibrillator

Notfallsanitäter Lukas Ritz probt den Ernstfall mit Schulungsteilnehmerin Manuela Gaß.
Notfallsanitäter Lukas Ritz probt den Ernstfall mit Schulungsteilnehmerin Manuela Gaß.

Einen Kurs über die richtige Verwendung eines Defibrillators hat die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein angeboten. Ein Notfallsanitäter zeigte den Anwesenden, wie das Gerät funktioniert. Es hilft auch bei der Anwendung und spricht sogar.

Jemand fällt um und zeigt keine Reaktion mehr. „Hallo. Hören Sie mich?“ Nichts. Notfallsanitäter Lukas Ritz geht zur Atemkontrolle über: Er hebt das Kinn des am Boden liegenden an und überstreckt den Hals, um sein Ohr über den Mund des Patienten zu halten. Der Blick ist auf dessen Brust gerichtet, die sich nicht hebt und senkt. „Keine Atmung, kein Puls.“ Rund zehn Sekunden sind vergangen. Dann wird ein Notruf unter 112 abgesetzt und die Herzdruckmassage eingeleitet. Währenddessen holt ein zweiter Helfer einen sogenannten AED, einen automatisierten externen Defibrillator, mit dessen Hilfe selbst Laien ein Herz Neustarten können.

Der Patient ist der Dummy Joe, eine Puppe. Die Situation ist entspannt, denn in der Verbandsgemeindeverwaltung in Wolfstein wird der Ernstfall nur geprobt und der Einsatz der von der Bittmann-Stiftung für die Region angeschafften Defibrillatoren geübt. Der 33-jährige Lukas Ritz ist Notfallsanitäter und weist 16 Interessierte in die Nutzung des rund 2,4 Kilo leichten „Defis“ ein.

Reanimation zu Highway to Hell

Atmet ein Patient, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Zeigt er keinerlei Reaktion, ist nach dem Notruf sofort die Herz-Lungen-Wiederbelebung zu starten. Hierzu müssen mittig auf Höhe der Brustwarzen die Hände übereinandergelegt werden. Arme durchdrücken, nah an den Patienten ran und fünf bis sechs Zentimeter tief drücken. Kaum startet Ritz, „leuchtet die Birne, der Sauerstoff kommt an.“ Sauerstoffhaltiges Blut wird durch den Druck von außen nun manuell bis zum Gehirn befördert.

Nach 30 Wiederholungen wird zweimal beatmet und sofort weitergedrückt. Der Defibrillator kann mittels Schock das Herz neu starten und unterstützt zudem Laien bei der Reanimation. Ein Metronom gibt den Takt für das Drücken vor. In der Minute wird 100- bis 120-mal gedrückt. Hilfreich ist da auch der Takt bekannter Lieder wie Stayin Alive oder Highway to Hell. „Reanimiert wird auf einer harten Unterlage, im Bett hat die Druckmassage wenig Effekt, da der Patient in die Matratze gedrückt wird“, weiß Ritz aus Erfahrung.

Es muss schnell gehen

Was tun, wenn kein „Defi“ greifbar ist? „Wenn der nicht direkt vor Ort ist, dauert es ja ewig das Gerät zu holen“, wirft ein Besucher ein. Sollte man alleine sein, sei es das A und O, die Herz-Lungen-Wiederbelebung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortzuführen. „Nach drei Minuten gibt es erste irreversible Schäden, nach fünf Minuten ohne Sauerstoff sind rund 50 Prozent der Hirnkapazität eingebüßt“, erklärt Ritz.

Gibt es einen Zweithelfer, sollte dieser das Gerät beischaffen. Solange der Schrank, in dem sich das Gerät befindet, offen ist, erklinge ein aggressiv lauter Ton. Der kann im besten Fall sogar medizinisches Fachpersonal auf den Notfall aufmerksam machen, aber auch verhindern, dass Blödsinn angestellt wird. Die Nutzung sei bei allen Modellen ähnlich, selbsterklärend und anwenderfreundlich, betont der Notfallsanitäter.

Das Gerät spricht

Ist die Klappe offen, spricht das Gerät: „Bleiben Sie ruhig, entfernen Sie die Kleidung von der Brust.“ Ein kleiner Bildschirm zeigt, wie es weitergeht. Bilder auf den Elektroden verdeutlichen, wie sie angebracht werden: bei Erwachsenen knapp unterhalb des rechten Schlüsselbeins und diagonal dazu seitlich unterhalb der linken Brust, bei Kindern mittig auf Brust und Rücken. So kann in beiden Fällen möglichst viel Herzmuskel vom Strom erreicht werden.

Die Pads können vom Zweithelfer während der laufenden Herzdruckmassage angebracht werden. Sind die Elektroden angebracht, analysiert das Gerät die Lage, bereitet parallel den Schock vor und gibt diesen nach Ankündigung automatisch ab, aber auch nur dann, wenn dieser tatsächlich benötigt wird. „Schock empfohlen, Patient nicht berühren“, vermeldet das Gerät. In dieser Zeit sollten sich die Helfer ihre Plätze wechseln, denn die Reanimation ist anstrengend. Zudem müssen die Hände beim Schock ohnehin weg sein, da der Strom deutlich stärker als bei einem Weidezaun ist. „Nach der Schockabgabe kann man den Patienten direkt wieder anfassen, man muss keine Angst haben und muss weiterdrücken, bis der Rettungsdienst da ist“, erklärt Ritz. Obwohl Strom im Spiel ist, sei das Gerät auch im Regen nutzbar, versichert der Notfallsanitäter.

Nach der anschaulichen Erklärung sind die Besucher paarweise an der Reihe. Die Anwender kleben die Elektroden schnell und sicher auf. Auch die Herzdruckmassage samt Helferwechsel gelingt reibungslos. Der „Defi“ schockt zwischendurch. Alles klappt. So hat der Patient eine echte Chance. Man könne nichts falsch machen, außer nichts zu tun – das sei keine Floskel, bestätigt der Kursleiter.

Info

117 Defibrillatoren wurden von der Bittmann-Stiftung für Ortsgemeinden der Verbandsgemeinden Lauterecken-Wolfstein und Nahe-Glan sowie Vereine und Institutionen angeschafft. „Wir entwickeln uns immer mehr zu einer operativen Stiftung. Wir entwickeln selbst Projekte von der Idee bis zur Umsetzung“, berichtet Stiftungs-Vorstand Eugen Krax. Ursprünglich war geplant, mit „83 Defis“ die Kommunen der beiden Verbandsgemeinden auszustatten. Da nicht alle Geräte abgefragt wurden, konnten sich Vereine für die restlichen Geräte melden. Das Interesse war sehr groß und „wir wollten nicht auslosen, da wir nicht wissen, welches Gerät einmal Leben retten wird“. Also wurden mehr Geräte geordert, deren Listenpreis bei rund 1850 Euro liegt. Außerdem wurden etwa 70 Außenschränke (650 Euro Listenpreis) angeschafft. Mehrere kostenlose Schulungen werden angeboten. Krax: „Weil es Hemmschwellen gibt, die Geräte zu nutzen, und es wäre schade, wenn das Gerät da wäre und ein Patient es benötigen würde, der Mensch dazwischen sich aber nicht traut, das Gerät zu nutzen.“ Die letzte kostenlose Schulung zur Anwendung des Defibrillators findet am Freitag, 21. Juni, ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Lauterecker Stadthauses, Hauptstraße 49, statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, bei Fragen kann Eugen Krax unter eugen.krax@bito.de kontaktiert werden.

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