Glanbrücken Laufen wie ein Raubtier: Ein unerwarteter Erfolg beflügelt die Motivation des Anfängers
„Du solltest mal darüber nachdenken, deine Laufstrecke zu verändern“, hat mir kürzlich ein Bekannter geraten, der mich am Wochenende mittags beim Laufen beobachtet hat. Wieso? „Na, bei den ganzen Wolfsrissen in der Kante. Wie man ja weiß, jagt so ein Wolf ja auch kranke und schwache Opfer. Und wenn ich dich hier so joggen sehe ...“ Na, vielen Dank dafür! Immerhin schiebt er noch nach: „Respekt, das über Winter so durchzuziehen!“ Ich laufe und schnaufe weiter.
Das mit dem Tempo kommt noch, sagt Lauftherapeut Günther Bergs mir in der Woche darauf. Eins nach dem anderen. Doch allmählich machen wir uns Gedanken darüber, wie es perspektivisch weitergeht, wenn ich nach der Einzelbetreuung ohne Trainer dastehe. Ich will beispielsweise wissen: Was ist die beste Tageszeit zum Laufen, wann sollte ich die Einheiten einbauen? Wichtig seien möglichst zwei Laufeinheiten unter der Woche, eine am Wochenende. Immer mit mindestens einem Tag für die Regeneration dazwischen.
Tipp gegen Seitenstechen
Tatsächlich sei es durchaus sinnvoll, weiter morgens zu laufen. Bergs erläutert: „Raubtiere jagen immer mit leerem Magen, die fressen nie vor der Jagd. Und bei der Menschwerdung stand die Bewegung immer vor der Nahrungsaufnahme, bei Jägern und bei Sammlern.“ Laut Bergs funktioniere der menschliche Organismus nicht gut, wenn gerade verdaut wird, weil Magen und Darm in der Zeit gefordert sind. Wer beim Sport immer mit Seitenstechen zu kämpfen habe, sollte den Rhythmus seiner Mahlzeiten oder den Zeitpunkt des Trainings überdenken, rät da der erfahrene Sportanleiter.
Pasta-Partys am Abend vor langen Läufen (ich muss mir also darüber eigentlich keine Gedanken machen) hätten durchaus ihren Sinn, erklärt mir Bergs. Das bezweifle ich nicht: Pasta geht schließlich immer! Jedenfalls füllen die kohlenhydratreichen Nudeln die Glykogenspeicher des Körpers auf und sorgen für Energie während des Laufs – vereinfacht erklärt. Bergs macht’s bildlich: „Der Löwe wacht mit vollen Akkus, aber mit leerem Magen auf. Also geht er auf die Jagd, wobei er die gespeicherte Energie verbraucht. Ist er erfolgreich, frisst er und schlägt sich den Magen voll. Zum Verdauen legt er sich unter einen Baum und schläft. Währenddessen wird das Essen verstoffwechselt. Dann wacht der Löwe mit vollen Akkus ... und so weiter.“
Abends zu laufen ist auch okay
Von daher sei der Morgen für Läufe die optimale Tageszeit. Durchaus eine Option für mich in der Zukunft ... „Natürlich ist es auch völlig okay, abends oder mittags zu laufen“, sagt Bergs. Er betont: „Die Laufeinheit muss natürlich mit dem Beruf, der Familie und anderen Hobbys unter einen Hut gebracht werden können.“ Nur direkt nach dem Essen sei aus den genannten Gründen nicht zu empfehlen. Optimal sei ein Frühstück nach der morgendlichen Tour. „Wer es nicht aushält, der isst vorher eine Scheibe Weißbrot mit Marmelade“, sagt Bergs: „Direkt vorm Sport essen wir ballaststoffarm, sonst gerne ballaststoffreich.“ So sei die berühmte Banane bei Läufen durchaus sinnvoll, am besten kurz vor dem Lauf, denn das gelbe Obst liefere Energie durch die Kohlenhydrate und sei leicht verdaulich.
Auf den Strecken, die der RHEINPFALZ-Laufanfänger hinter sich legt, braucht’s noch keine besondere Ernährung. Denn für mich geht’s erstmal darum, eine halbe Stunde am Stück zu laufen. Denn wie Bergs mir schon zu Beginn erklärt hat, ist diese Marke die Grundlage für alles, was läuferisch noch kommt. Noch vor Weihnachten schien dieses 30-Minuten-Ziel unendlich weit entfernt: Mich plagten stets nach einigen Laufminuten Schmerzen am Unterschenkel oder in der Achillessehne.
Ein unerwartetes Erfolgserlebnis
Die Vergangenheitsform verrät es schon: Die Wehwehchen oder „Anfangserscheinungen“, wie sie Bergs nennt, sind plötzlich weg. Ohne dass wir es uns erklären können. Kein Schmerzmitteleinsatz, keine spezielle Massage oder Tapes. Nur ein darauf ausgerichteter Trainingsplan. Bergs, der mich wirklich hat leiden sehen, freut sich jetzt mit mir und gibt zu: „Ich hab keine Ahnung, wieso das jetzt weg ist. Ich bin auch bis heute noch nicht sicher, was es war. Aber das zeigt uns: Im Sport muss man Disziplin beweisen und nicht gleich aufhören – zumindest, wenn keine akute Verletzung vorliegt.“
Während echte Läufer jetzt nur müde lächeln, kann ich mit einem gewissen Stolz behaupten: Die halbe Stunde ist geknackt! Allen Widrigkeiten zum Trotz sogar noch vor Ende Januar. Konfetti! Zeit für eine Pasta-Party!
Die Serie
In der Reihe „Laufen, ohne zu schnaufen“ gibt RHEINPFALZ-Redakteur Benjamin Ginkel Einblicke in sein Lauftraining mit Lauftherapeut Günther Bergs. Das Ziel, eine halbe Stunde ununterbrochen laufen zu können, hat er erreicht.
In der Serie bereits erschienen sind
Teil 7: Winterlauf ohne Risiko: Die Pech-Regel, das richtige Schuhwerk und angepasstes Training
Teil 6: Kleine Schritte, kurze Strecke: Ein Laufanfänger ringt mit der Motivation
Teil 5: Kalt? Egal! Warum Dehnen vorm Joggen nicht nötig ist
Teil 4: Lauftraining für Anfänger: Wenn der Fotograf schneller spaziert, als der Chef läuft
Teil 3: Waldboden in der Sohle: Was gute Schuhe für ein Lauftraining ausmacht
Teil 2: Glatzkopf-Trick und obdachlose Spinnen: Erste Lauftrainingseinheiten eines Sportmuffels
Teil 1: Treppe 1 – bgi 0: Wie ein Redaktionsleiter ins Lauftraining stolperte