Kreis Kusel
Kolumne zum Wochenende: Über die Glantalbahn und den Schnellzug in die Hauptstadt
Was macht eine Region lebenswert? Erreichbarkeit dürfte da auf der Wunschliste ganz weit oben stehen. Sei es im Hinblick auf den Arbeitsplatz, die medizinische Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie oder Freizeitmöglichkeiten. Je besser, einfacher und schneller all die Orte erreicht werden können, umso höher steht eine Region zum Wohnen im Kurs. Deshalb zieht es auch so viele Menschen in die Stadt – weil Geschäfte, Kinos, Restaurants unkompliziert erreicht werden können, weil es verlässliche Verbindungen mit dem Zug oder der Straßenbahn gibt. Das Auto verliert an Bedeutung.
Um nicht abgehängt zu werden, ist es essenziell, für Erreichbarkeit zu sorgen. Neben einem guten Autobahnnetz gehören dazu vor allem Zuganbindungen – gerade in Zeiten des Klimawandels sind diese umso bedeutsamer. Deshalb machen sich Westpfälzer und saarländische Kommunen auch so stark dafür, dass der geplante Hochgeschwindigkeitszug, der künftig zwischen Berlin und Paris verkehren soll, über die Westpfalz und das Saarland fährt. Eindringlich wird für einen Halt in Kaiserslautern appelliert, um in der strukturschwachen Region im wahrsten Sinne des Wortes den Anschluss an die beiden Hauptstädte nicht zu verpassen.
Reaktivierung hätte viele Vorteile
Der Anschluss an die Hauptstadt des Landes wiederum könnte zumindest für den Nordkreis künftig sehr viel besser werden – wird die Reaktivierung der Glantalbahn auf dem Abschnitt Lauterecken-Staudernheim tatsächlich realisiert. Diese Woche wurde entschieden, dass das Planungsverfahren für diesen Abschnitt vorangetrieben wird. Eine Reaktivierung würde viele Vorteile bringen: Pendler, die nach Mainz, Wiesbaden oder auch Frankfurt unterwegs sind, könnten künftig bequem im Zug arbeiten, statt sich im Auto auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Auch umgekehrt könnten im Nordkreis ansässige Firmen einfacher und ohne Auto erreicht werden. Wohnen im Norden würde attraktiver, in jenem Teil der Westpfalz, der fernab der nächsten Autobahn liegt, der so eine Aufwertung erführe.
Nicht zuletzt wirken sich bessere Zuganbindungen auf den Tourismus aus. Wenn es für Menschen aus dem Nordkreis einfacher wird, in den Rhein-Main-Raum zu gelangen, gilt das auch umgekehrt. Ein Wochenendtrip ins Grüne, ins Nordpfälzer Bergland, ist deutlich reizvoller, wenn dafür lediglich in den Zug gestiegen werden muss.
Ein Anfang muss gemacht werden
Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, dass auch die Reaktivierung des Abschnitts Altenglan-Lauterecken weiter verfolgt wird. Auf diese Weise hätte man auch Orte wie Offenbach-Hundheim, Glanbrücken oder St. Julian ans Bahnnetz anschließen können. Ein Lichtblick: Es besteht Hoffnung, dass die Draisine so zumindest zwischen Altenglan und Lauterecken eine Überlebenschance hat.
Es ist allerdings davon auszugehen, dass bis zur Realisierung – wird das Vorhaben denn tatsächlich umgesetzt – wohl noch viel Zeit ins Land ziehen wird. Das zeigt das Beispiel der Bahnstrecke Zweibrücken-Homburg. Gewiss stellt sich auch die Frage, was weitere Streckenkilometer bringen, wenn es die Bahn schon jetzt bei den bestehenden nicht schafft, für einen verlässlichen Fahrbetrieb zu sorgen. Stichwort Lautertalbahn und Personalmangel. Vielleicht dürfte die Zeit jedoch das Problem überholen. Schließlich wissen wir nicht, was bis dahin technisch alles möglich sein wird. Vielleicht fahren die Züge dann schon ganz von allein, kein Personal – zumindest in den Zügen – wird dann noch gebraucht. Roboter fahren durch die Gänge, um die Fahrscheine zu kontrollieren oder aber es gibt Schleusen, die den Zutritt nur dann ermöglichen, wenn ein gültiges Fahrticket – in welcher Form auch immer – vorgehalten wird. Denkbar ist viel, wer weiß, was alles kommt.
Klar ist jedoch: Egal was kommt, ein Anfang muss gemacht werden.