Glanbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kleine Schritte, kurze Strecke: Ein Laufanfänger ringt mit der Motivation

Ähnlich wie diesem Läufer auf dem Foto geht’s Laufanfänger Benjamin Ginkel. Ihn plagen beim Joggen entweder Schmerzen im unteren
Ähnlich wie diesem Läufer auf dem Foto geht’s Laufanfänger Benjamin Ginkel. Ihn plagen beim Joggen entweder Schmerzen im unteren Schienbein oder in der Achillessehne.

Es gibt Menschen, die nahezu aus dem Stand zum Laufsportler werden. Und es gibt Menschen, die sich quälen müssen. Raten Sie mal, zu welcher Sorte der Autor gehört ...

„Na, wie viele Kilometer lauft ihr schon?“ Die Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich muss da mittlerweile hörbar durchatmen. Mein Mentor, Lauftherapeut Günter Bergs, hat mir recht früh in meiner Läuferkarriere (also vor wenigen Wochen) mal gesagt, dass es im Prinzip zwei Sorten von Laufanfängern gibt. Die eine Gruppe beginnt zu laufen und läuft einfach. Nicht gleich einen Marathon, aber zumindest in kurzer Zeit eine halbe Stunde durch. Die andere Gruppe muss sich durchbeißen, weil die unterschiedlichsten Wehwehchen auftauchen.

Jedenfalls leidet meine Motivation momentan arg: Denn nach einigen Minuten Joggen schmerzt entweder mein unteres Schienbein oder alternativ meine Achillessehne. Glücklicherweise nicht dauerhaft: Nach wenigen Minuten Gehen geht’s wieder besser. Auch, der Zeitpunkt, zu dem die Schmerzen auftreten hat sich schon verschoben: War es anfangs nach nur wenigen Laufminuten der Fall, werden die Zeiträume ohne Schmerzen langsam größer. Aber, meine Güte, ist das mühsam! Bergs reagiert darauf natürlich und passt die Trainingseinheiten an – aber mich nervt’s tierisch, dass es nicht so vorangeht, wie es gehen könnte. „Wär ja auch zu einfach und Sie hätten nix zu schreiben“, hat mir jüngst ein Bekannter gesagt ...

Bergs: „Nicht gleich hinwerfen!“

Und auch Günther Bergs sagt offen und ehrlich: „Nicht jede Trainingseinheit macht Spaß.“ Diese Erfahrung hatte ich damals bei Horst Eckel schon gemacht, meinem Sportlehrer in der Realschule Kusel ... Bei dessen Verabschiedungsfeier hatten wir uns – nach zwei harten Jahren – versöhnt. Jemandem zum Sport zwingen, sei keine gute Idee, sagt Bergs, der dazu rät, sich eine Sportart zu suchen, die Spaß macht. „Wer Sportarten googelt, bekommt mehr als 800 angezeigt, die organisiert sind“, erzählt der Lauftherapeut. Wer fitter werden wolle, habe mehr Auswahl als Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking: „Da gibt’s noch mindestens 897 Alternativen.“ Ausprobieren sei anschließend das A und O. Ob er mich loswerden will? Er winkt ab: „Den Rat, eine Sportart aufzugeben, wenn etwas wehtut, gibt jeder.“

Vielmehr sei es wichtig, die Beschwerden in Relation zu setzen, Ursachen und Gegenmaßnahmen zu finden und nicht gleich hinzuwerfen. Fortschritte seien bei mir ja schließlich zu erkennen. Mit Blick auf meine bröckelnde Motivation mahnt mich Bergs, mir mehr Zeit zu geben. „Sie hatten 40 Jahre Zeit, dorthin zu kommen, wo Sie stehen. Das soll sich jetzt in sechs Wochen ändern?“ Also tasten wir uns langsam voran. Denn Schmerzmittel lehnt er in meinem Fall ab: „Dann kommt das böse Erwachen, wenn die Wirkung nachlässt.“ Und eine echte Verletzung wollen wir auf keinen Fall riskieren.

Hausaufgabe für die Feiertage

Wie kriege ich mich nun motiviert? „Wenn die grundsätzliche Entscheidung steht, dass Sie etwas tun wollen, dass Sie laufen wollen, dann kriegen wir das hin“, sagt Bergs im Brustton der Überzeugung. Er fügt an: „Wichtig ist, sich kleine Ziele zu setzen, die man erreichen kann.“ In meinem Fall macht das Bergs, der die Trainingseinheiten anpasst. Ohne Fachmann an meiner Seite hätte ich vermutlich längst die Segel gestrichen.

Und wie läuft’s an Weihnachten? Bergs: „Sport richtet sich nicht nach den Feiertagen, aber man kann ja ab- und zugeben und das Training vorziehen oder einen Tag nach hinten verschieben.“ Eine Laufeinheit von einer Stunde lasse sich oft selbst an einem Feiertag in den Tagesablauf einbauen. Je länger eine Pause sei, desto gefährlicher sei das für die Motivation. Eine Winterpause kommt für den Lauftherapeuten also nicht infrage. Bergs: „Bei Glatteis, Schneeregen oder Gewitter muss ich nicht raus, aber ansonsten fällt mir kaum ein Wetter ein, bei dem man nicht laufen kann.“

RHEINPFALZ-Sprechstunde im neuen Jahr

Ob ich an Weihnachten laufen werde? Das sehen wir dann am ersten Weihnachtsfeiertag. Für den habe ich nämlich eine Hausaufgabe bekommen, die ich unbedingt abhaken will. Mal schauen, wie es mit Schienbein und Sehne wird. Rein zufällig *hüstel* steht Anfang 2026 direkt eine RHEINPFALZ-Ärztesprechstunde auf dem Programm. Unter dem Titel „Fit ins neue Jahr“ stehen am 7. Januar Harald Dinges, Orthopäde am Westpfalz-Klinikum, und Martin Reiß, Physiotherapeut in der Klinik, Leserinnen und Lesern Rede und Antwort. Vielleicht hat dann auch Benjamin G. aus S. die Gelegenheit, eine Frage zu stellen ...

Die Serie

In der Reihe „Laufen, ohne zu schnaufen“ gibt RHEINPFALZ-Redakteur Benjamin Ginkel Einblicke in sein Lauftraining mit Lauftherapeut Günther Bergs. Ziel ist es, im Januar eine halbe Stunde ununterbrochen laufen zu können.

In der Serie bereits erschienen sind

Teil 5: Kalt? Egal! Warum Dehnen vorm Joggen nicht nötig ist

Teil 4: Lauftraining für Anfänger: Wenn der Fotograf schneller spaziert, als der Chef läuft

Teil 3: Waldboden in der Sohle: Was gute Schuhe für ein Lauftraining ausmacht

Teil 2: Glatzkopf-Trick und obdachlose Spinnen: Erste Lauftrainingseinheiten eines Sportmuffels

Teil 1: Treppe 1 – bgi 0: Wie ein Redaktionsleiter ins Lauftraining stolperte

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