Idar-Oberstein / Kreis Kusel
Kirchenkreis setzt auf Fusionen
Im neuen Jahr wird es in dem rheinischen Kirchenkreis Obere Nahe nur noch 19 Kirchengemeinden statt wie bisher 28 geben. Mitgliederschwund, Rückgang der Finanzkraft der Gemeinden und eine gewünschte Verwaltungsvereinfachung sind Hintergründe der Fusionen. Betroffen sind die Kirchengemeinden Idarbachtal, Göttschied, Veitsrodt-Herborn, Leisel und Siesbach, die zur „Evangelischen Edelsteingemeinde“ fusionieren, sowie die Kirchengemeinden Achtelsbach-Brücken, Birkenfeld, Bosen, Niederbrombach, Nohfelden und Sötern, die sich zur „Hoffnungsgemeinde Nahe-Hochwald“ zusammenschließen.
Die 17 übrigen Kirchengemeinden werden erst im Januar 2026 zu weiteren drei Großgemeinden fusionieren. Davon sind auch Gemeinden im Kreis Kusel betroffen: Von Niederalben über Offenbach am Glan, Herren-Sulzbach, Sien bis nach Weierbach gründet sich die „Kirchengemeinde Nahe-Glan“. Von Baumholder bis nach Pfeffelbach und Wolfersweiler im Kreis St. Wendel wird sich die „Kirchengemeinde Saar-Westrich-Nahe“ erstrecken. Zudem fusionieren weitere Gemeinden zur „Kirchengemeinde Obere Nahe Fischbachtal“.
Weniger Gottesdienste
Ziel der Fusion soll nach Angaben des Kirchenkreises sein, bis zum Jahr 2030 die pastorale Versorgung sicherzustellen. Dann sollen 13,5 Vollzeit-Pfarrstellen zur Verfügung stehen. Superintendentin Jutta Walber setzt sich seit ihrem Amtsantritt vor zehn Jahren für größere Gemeinden ein. Damit soll auch der Verwaltungsaufwand verringert werden. Es gehe um die Profilierung der Gemeinden und den gezielten Einsatz der Ressourcen, so Walber. „Nicht mehr jede Gemeinde muss alles vorhalten können, aber man sollte wissen, wo man ein Angebot findet“, berichtet sie. Ziel sei, auf der Ebene des Kirchenkreises zusammenzurücken.
Damit einher geht allerdings auch ein geringeres Angebot an Gottesdiensten. So werden etwa in Offenbach in der Abteikirche schon seit dem Weggang von Pfarrer Johannes und seiner Frau Freya Hülser vor rund zwei Jahren deutlich weniger Gottesdienste angeboten. Dass die künftige Großgemeinde „Nahe-Glan“ ab 2026 weiterhin nur mit 1,5 Stellen besetzt werden soll, hatte bei der Synode im Oktober zu Kontroversen geführt. Die Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses aus Offenbach, Jutta Lißmann, hält zwei Vollzeitstellen aufgrund der geografischen Lage für sinnvoller. In einem Antrag an die Bezirkssynode argumentierte Lißmann, dass das seelsorgerliche Leben in ihrer Gemeinde fast brach liege. So finde „abgesehen von sporadisch stattfindenden Gottesdiensten keinerlei kirchliches Leben in den Gemeinden statt“.
Entfernungen nicht berücksichtigt?
Ehrenamtlichem Engagement sei es zu verdanken, dass Gemeindemitglieder überhaupt noch außerhalb des Gottesdienstes mit Kirche in Kontakt kommen, so Lißmann weiter. Pfarrerin Tanja Bodewig, die eine volle Stelle innehat, wohne 30 Kilometer entfernt, und Pfarrerin Denise Roth sei mit ihrer halben Stelle mit den Aufgaben in der Gemeinde Herren-Sulzbach-Grumbach völlig ausgelastet. Lißmann: „Ich mache mir große Sorgen, da wir hier feststellen müssen, dass die Menschen zunehmend die Bindung an ihre Kirche verlieren.“
Lißmann befürchtet, dass die besonderen Entfernungen bei der Stellenzuweisung im Bereich Nahe-Glan nicht berücksichtigt wurden. „Unter diesen Voraussetzungen kann Kirche ihrem seelsorgerischen Auftrag nicht gerecht werden“, ist sie überzeugt. Daher möge sich die Synode für eine weitere halbe Stelle für die Glangemeinden Niedereisenbach-Niederalben, Offenbach, Medard-Wiesweiler im Zuge der Fusion einsetzen, hieß es weiter.
Der Kirchenkreis Obere Nahe mit Sitz in Idar-Oberstein erstreckt sich von Kirn-Sulzbach im Norden über Offenbach-Hundheim im Nordosten bis nach Nohfelden am Bostalsee im Südosten über vier Landkreise und zwei Bundesländer. Die Anzahl der Mitglieder liegt bei knapp 40.000. Derzeit sind 14 Pfarrer im Dienst. Außer im Bereich Nahe-Glan soll jede Großgemeinde künftig drei volle Pfarrstellen erhalten.