Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel „Hiwwe wie driwwe“: Filmteam dreht auf Burg Lichtenberg

Regisseur Benjamin Wagener (rechts) und Kameramann André Poschadel drehen Schnittbilder für den zweiten Teil des Dokumentarfilms
Regisseur Benjamin Wagener (rechts) und Kameramann André Poschadel drehen Schnittbilder für den zweiten Teil des Dokumentarfilms »Hiwwe wie Driwwe«.

Reportage: Auf Burg Lichtenberg war vergangene Woche ein Filmteam unterwegs, um Landschaft und Leute einzufangen. Hintergrund sind die Dreharbeiten für den zweiten Teil des pfälzischen Dokumentarfilms „Hiwwe wie driwwe“, der auch die Westpfalz genauer unter die Lupe nimmt.

Langsam bewegt sich die Kamera auf der Schiene nach links, schwenkt ein wenig nach oben und wieder nach unten, um das alte Burggemäuer in Gänze einzufangen. Einige Sekunden lang steht der Apparat, filmt die Szenerie, ehe er wieder einige Zentimeter nach rechts fährt. Regisseur Benjamin Wagener überprüft auf dem kleinen Display der Kamera, ob Winkel und Belichtung passen. Der Schwegenheimer Filmemacher ist gemeinsam mit Kameramann und Fotograf André Poschadel aus Landau an diesem Tag auf Burg Lichtenberg unterwegs, um Schnittbilder für seinen Film einzufangen. Schnittbilder für den zweiten Teil des Dokumentarfilms über Pfälzer und Pennsylvania-Deutsche: „Hiwwe wie Driwwe 2“.

An der einen oder anderen Stelle hilft Wagener nochmal nach, verstellt hier und dort etwas, beispielsweise als die Sonne mit voller Kraft hinter einer dichten Wolke herausschaut. „Das ist jetzt Feintuning“, erklärt der Filmemacher, während er die Kamera ausrichtet. „Ich muss das einige Male machen, bis alles passt.“ Ein prüfender Blick noch, dann wird auf die Fernbedienung gedrückt und die Kamera gleitet langsam wieder los. Kamera-Slider nennt sich das Gerät, das Kamerafahrten ermöglicht. „Mit der Hand wäre das unmöglich zu führen“, erläutert der Profi.

Vor vier Jahren ist dem Filmemacher mit seinem rund 90-minütigen, unterhaltsamen Dokumentarfilm ein echter Überraschungscoup gelungen. 20.000 Besucher schauten sich im Kino an, wie sich der in Pennsylvania geborene und aufgewachsene Deutschlehrer Douglas Madenford in der Hauptrolle auf Spurensuche durch die Pfalz und seine Heimat begibt.

Kurze Aufnahmen für Interviews

Schließlich wohnen im US-Bundesstaat Pennsylvania sowie im Nachbarstaat Ohio rund 400.000 Menschen, deren Vorfahren im 17. und 18. Jahrhundert von der Pfalz nach Amerika ausgewandert sind und dort jenseits des Atlantiks mit dem Pennsylvania-Dutch einen Dialekt sprechen, der dem Pfälzischen sehr ähnlich ist. Um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Menschen „hiwwe“ wie „driwwe“ geht es also in dem Dokumentarfilm, dessen zweiter Teil gerade produziert wird.

Mit der Drohne haben Regisseur Wagener und Kameramann Poschadel an diesem Tag bereits einige Runden um die Burg gedreht, Relikt und Landschaft eingefangen. Der ganze Tag ist für die Schnittbilder eingeplant. Schließlich wird für den Film so einiges an Material benötigt – lieber ein bisschen mehr als zu wenig, erklärt der Regisseur und Produzent. Von jeder Szene macht er deshalb auch gleich mehrere Aufnahmen, um eben genug Auswahl zu haben. Die kurzen Videoaufnahmen werden später im Film vor allem bei Interviews eingeblendet.

Eine ruhige Hand ist beim Dreh gefragt.
Eine ruhige Hand ist beim Dreh gefragt.

Burg prägend für Westpfälzer Landschaft

Warum ausgerechnet auf der Burg gedreht wird? Weil im zweiten Teil mit die Westpfalz im Fokus steht. Verschiedene Menschen wurden vom Filmteam unter anderem zu Unterschieden zwischen Vorder- und Westpfalz interviewt, dazu, wie Landschaft und Leute wahrgenommen werden. Unter ihnen beispielsweise Comedian Chako Habekost, der frühere Ministerpräsident Kurt Beck sowie Edsel, Frontmann von „Die anonyme Giddarischde“. Auch „jemanden aus der Westpfalz, der authentisch ist“, wollte Regisseur Wagener für ein Interview im Film gerne haben. Er fragte Burgverwalter Andreas Rauch, ob er nicht Lust dazu hätte. Die beiden kennen sich durch eine Open-Air-Veranstaltung auf der Burg, bei der der erste Teil von „Hiwwe wie Driwwe“ vor einigen Jahren gezeigt wurde. Generell sei das Thema Burg prägend für die Westpfälzer Landschaft, weshalb das gut für den Film gepasst habe, erklärt der Filmemacher.

Das Interview mit dem Burgverwalter ist schon lange im Kasten. Noch vor den Dreharbeiten in den USA im Sommer vergangenen Jahres rückte das Kamerateam an. Für Schnittbilder jedoch habe damals die Zeit gefehlt. „Wir haben gesagt, wir kommen nochmal extra“, erzählt Wagener. „Die Burg rennt uns ja auch nicht weg.“ Immerhin bringe so ein Interviewdreh einiges an logistischem Aufwand mit sich, erklärt Poschadel – allein der Auf- und Abbau koste viel Zeit, drei Kameras seien in der Regel im Einsatz, die auch bedient werden müssen. Etwa fünf bis acht Minuten lang werde das Interview nachher im Film sein – auch wenn das Material eigentlich viel länger ist.

Hälfte der Budgetkosten bereits zusammen

Heute ist der technische Aufwand ein bisschen geringer. Eine Kamera, ein Stativ, besagter Slider und eine Drohne haben die beiden Kameraleute im Gepäck. „Für unsere Verhältnisse ist das fast nichts“, sagt Poschadel und lacht. Zu acht und mit viel Equipment ist das Filmteam im vergangenen Jahr für drei Wochen in die USA gereist, um dort die Aufnahmen jenseits des Atlantiks in den Kasten zu bringen. Mit dabei: Mundartbandsänger Monji el Beji, der im zweiten Teil die Hauptrolle spielt. „Heute hat er aber mal Pause“, sagt Poschadel.

Filmemacher Benjamin Wagener dreht alle Szenen mehrmals und sucht sich am Ende die beste Aufnahme aus.
Filmemacher Benjamin Wagener dreht alle Szenen mehrmals und sucht sich am Ende die beste Aufnahme aus.

Viele, viele Stunden hat das Filmteam bereits in die Produktion gesteckt. „In Stunden darf man aber nicht rechnen“, sagt Wagener, der sich die Regiearbeit des ersten Teils noch mit dem Landauer Christian Schega teilte. „Es ist ein Herzensprojekt.“ 185.000 Euro brauche das Team, um alle Kosten zu decken – und das sei noch ein recht geringes Budget. Rund die Hälfte sei bereits zusammen, etwa durch die Unterstützung der Medienförderung Rheinland-Pfalz, des Bezirksverbands Pfalz und einer Crowdfunding-Aktion. „Natürlich hofft man aber darauf, dass man die Gesamtfinanzierung erreicht und noch Sponsoren findet“, sagt Wagener. Ziel sei, dass „Hiwwe wie Driwwe 2“ im April nächsten Jahres in die Pfälzer Kinos kommt. Bis dahin sei aber noch einiges zu tun. „Die Postproduktion ist ein riesen Aufwand. Ich hoffe, dass wir das schaffen.“

Noch einmal lässt Filmemacher Wagener die Kamera über die Schiene gleiten, ehe die beiden abbauen und zum nächsten Set wechseln. Im Museum wollen sie nachher noch ein bisschen filmen, denn auch zu den Wandermusikanten hat Andreas Rauch im Interview einiges erzählt. Das alles unterzubringen, werde zwar schwierig – „ansonsten wird’s eben Bonusmaterial“, sagt der Regisseur.

Ein sogenannter Kamera-Slider ermöglicht Kamerafahrten.
Ein sogenannter Kamera-Slider ermöglicht Kamerafahrten.
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