Relsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Historischer Friedhof in Relsberg: Wie aus dem alten Gottesacker ein Landschaftspark wurde

Ein Kleinod: der alte Friedhof in Relsberg.
Ein Kleinod: der alte Friedhof in Relsberg.

Der historische Friedhof in Relsberg im Kreis Kusel hat ein neues Aussehen. Lange Zeit kümmerte sich niemand um das Gelände. Jetzt hat sich ein Verein seiner angenommen.

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Verstorbenen aus Relsberg in Reipoltskirchen und später in Niederkirchen beerdigt worden. Erst ab 1833 hatte das kleine Dorf dann einen eigenen Friedhof. Bis 1946 wurde dieser belegt. Es war aber bereits 1920 ein neuer Gottesacker auf der anderen Seite des Dorfes angelegt worden. Daraufhin wurde der alte Friedhof – wahrscheinlich die älteste erhaltene Begräbnisstätte im Kreis Kusel – nicht mehr gepflegt und wuchs langsam mit Büschen und Bäumen zu. Außerdem waren viele Grabsteine im Laufe der Zeit umgestürzt. Als auch die das Areal umgebende Sandsteinmauer baufällig war, gab es Vorschläge, den Friedhof zu beseitigen.

Dass er trotzdem erhalten blieb, ist dem Heimat- und Kulturverein Relsberg (HUK) zu verdanken. Der Verein schloss 2007 einen Pachtvertrag mit der Gemeinde ab und kümmerte sich um die Sanierung der Mauer und des schmiedeeisernen Tores. Seitdem bemühte er sich um den Friedhof und seine Grabmale. Aber die Arbeiten, die von den Vereinsmitgliedern vorgenommen wurden, konnten nur außerhalb der Nistzeit der Vögel (1. März bis 30. September) stattfinden. Sie reichten nicht aus, sodass der Friedhof immer mehr verwilderte.

Umgestürzte Grabmale zusammengepuzzelt

Deshalb beauftragte der HUK im vergangenen Jahr eine Fachfirma mit der Rodung. Dabei konnten Zuschüsse des Leader-Förderprogramms in Anspruch genommen werden. Die meisten Büsche wurden entfernt, nur eine mächtige Kastanie an der hinteren Mauer und etwa zwei Dutzend Bäume ließ man stehen. So wirkt der Friedhof jetzt wie ein Landschaftspark, und es gibt einen freien Blick auf die Grabsteine.

Um die umgestürzten Grabmale wieder aufzustellen, hat der Förderverein den Bildhauer Michael Koch aus Wolfstein beauftragt. „Es war eine anspruchsvolle Aufgabe“, berichtet er. „Wir mussten zuerst die erhaltenen Teile zueinander ordnen und sie zusammensetzen, bevor wir sie aufrichten konnten.“ Die Fragmente wurden mit Epoxidharz verklebt und mit Gewindestangen stabilisiert. „Die Grabsteine sind bedeutsame historische Zeugnisse, denn sie wurden in Handarbeit hergestellt“, erklärt Koch. „Sie stammen zum Teil aus einem Steinbruch in Olsbrücken, der schon lange stillgelegt ist.“ Die Überreste, die nicht zugeordnet werden konnten, wurden am Eingang zusammengetragen.

Verein wird sich weiterhin kümmern

Die 20 Grabsteine berichten auch über die Geschichte des kleinen Dorfes Relsberg und seine Bewohner. Auf einem Stein liest man, dass Jakob Gödtel III. (1843 bis 1915) hier bestattet wurde, der ein „Mitkämpfer in den Kriegen 1866 und 1870/71“ war. Nicht weit entfernt liegt das Grab von Maria Immesberger, die 1904 geboren wurde und nach sechs Wochen starb. An der hinteren Mauer steht der älteste Grabstein, der für Johann Heinrich Gödel III. (1784 bis 1833) aufgestellt wurde. Als Adjunkt (Amtsgehilfe), Kirchenvorsteher und Steuerverteiler hatte er wichtige Ämter in der Gemeinde.

Auch das schönste Monument, ein neugotisch verzierter Stein im hinteren Bereich, erinnert an einen wichtigen Relsberger: an den Lehrer Johannes Lehmann (1788 bis 1843), dessen Vater, sein älterer Bruder und zwei seiner Söhne ebenfalls Lehrer waren. Für die Mitglieder des HUK wird es auch künftig immer wieder einige Arbeiten geben, die in Eigenleistung erledigt werden müssen. Zumindest sollen die Gehwege frei bleiben, denn inzwischen haben schon wieder einige Büsche ausgeschlagen, und Kräuter sind ebenfalls gewachsen.

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