Medard
Hängepartie bei IGM: Jetzt kommt Besuch aus Berlin nach Medard
Geht er oder bleibt er – oder gibt’s einen Abzug auf Raten? Die Zukunft des Stammsitzes von Fassadenbauer IGM ist weiterhin in der Schwebe. Sollte bereits eine Entscheidung gefallen sein, haben sie die beiden Chefs und Gründer zumindest (noch) nicht verraten. Die Geschäftsführung des Unternehmens bemüht sich zumindest weiterhin darum, das Areal am Glan erweitern zu dürfen. Jetzt wird ein prominenter Bundespolitiker erwartet, von dem man sich Unterstützung verspricht.
Unterstützung hat das Unternehmen – mittlerweile ein führender Spezialist in Sachen Fassadenbau, in Fachkreisen europa-, sogar weltweit ein Begriff – Ende vergangener Woche erhalten: Unter dem Motto „Kultur trifft auf Wirtschaft & Politik“ hatte IGM zu einem Konzert mit einem 13 Jahre jungen georgischen Pianisten geladen. Unternehmer, Ärzte, Repräsentanten aus Sport, Kultur, Gesellschaft waren der Einladung gefolgt. Und Politiker, die momentan zur Wahl stehen. Die drei Kandidaten um das Bürgermeisteramt in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, Christian Sauer (parteilos), Philipp Gruber (FWG) und Isabel Steinhauer-Theis (CDU) kamen dabei zu Wort. Ebenso gefragt waren zwei der acht Kandidaten um das Bundestags-Direktmandat, die der Einladung gefolgt waren: Otto Rubly (CDU) und Tonit Haliti (FDP).
Michael Groß hat Visionen – wäre dem nicht so, stünden die bereits bestehenden Werkhallen nicht an der Bundesstraße 420. Und von daher hätte der Geschäftsführer des ehemaligen Fensterbau-Unternehmens IGM auch nicht einige Meter über Straßenniveau aus einer gläsernen Front hinaus in Richtung Waldrand schauen und dabei eine Wunschvorstellung formulieren können: „Dort, in ganzer Länge, am Wald entlang – idealer Platz für unser Technologiezentrum ...“
Mit diesem Zentrum liebäugelt Groß schon seit geraumer Zeit. Der ins Auge gefasste Standort allerdings ist fraglich. Schon von daher, als er zwar ganz nah am Verwaltungsgebäude liegt und sich erhöht hinzieht, der Bau des Technologiezentrums für Groß allerdings nur in einem größeren Zusammenhang Sinn ergibt: Nur wenn sich IGM in Gänze auch am Glan ausdehnen und dort Werk 4 errichten kann, lohnt sich’s laut Groß, den Bau der Ideen- und Entwicklungsschmiede anzupacken. Der Werksbau allerdings lässt weiter auf sich warten. Seit 2017 schon ziehen sich die bürokratischen Verfahren dahin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Allenfalls eine Beschleunigung.
Groß sieht seine Pläne seit Jahren blockiert
Mitte November vergangenen Jahres war Groß der Kragen geplatzt. Wenn sich nicht schleunigst etwas tue, „gehen in Medard die Lichter aus“. Die Ankündigung, im schlimmsten Fall das Weite zu suchen, verband der Mitgründer und Mitgeschäftsführer des vor einem guten Vierteljahrhundert als Fensterbaubetrieb gegründeten Unternehmens mit einem Ultimatum. Binnen eines Monats solle Klarheit herrschen. Lokalpolitisch Verantwortliche sollten Voraussetzungen für den Verbleib schaffen – oder in die Röhre schauen.
„Wir haben keine Zeit mehr – wir warten jetzt schon seit fünf Jahren“, hatte Groß beklagt . Weil aber nicht der kleinste Fortschritt zu erkennen sei, hat Groß die Hoffnung wohl fast aufgegeben: Der Fassadenbauer brauche dringend Platz. Der Bau von „Werk vier“ aber stocke noch immer. Problem am angestammten Sitz des Unternehmens vor den südwestlichen Toren von Medard: Die geplante Halle soll in einem Hochwasserschutzgebiet entstehen, das zu alledem auch noch von einer Eisenbahnlinie durchzogen ist.
Zwar ist der letzte Zug schon vor ziemlich genau 40 Jahren über die Gleise dort hinweg gerauscht. Doch auch die in puncto Bahnverkehr verwaiste Schienenstrecke, deren sündhaft kostspielige Wiederbelebung durch einige Köpfe spuke, lässt das Vorhaben nur noch komplizierter werden. „Das ist doch Irrsinn, vollkommen unrealistisch“, lässt Groß kein gutes Haar an Plänen, die Strecke zu reaktivieren. Er verweist auf immense Kosten, die schon ein einziger von vielen Bahnübergängen mit sich bringe, die entlang der Strecke gebaut werden müssten.
Vor fünf Jahren schon ist eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Jetzt ist, so viel zum Fortschritt des Projekts, dieser Tage beschlossen worden, der Weiterplanung zumindest grundsätzlich Zustimmung zu erteilen.
Viele Gespräche, nur wenige Ergebnisse
Groß hat also einen Warnschuss losgelassen und den Abschied aus der Westpfalz angekündigt. „Offenbar aber interessiert das niemanden“, hatte Groß mit Blick auf politisch Verantwortliche gesagt. Inzwischen ist mehr als ein Vierteljahr lang weiteres Wasser den Glan hinunter geflossen. Einstweilen hat es etliche Gespräche in verschiedenster Zusammensetzung gegeben, haben sich Kommunalpolitiker und Entscheidungsträger aus Mainz eingeschaltet. Unter anderem war das Wirtschaftsministerium des Landes mit der Sache befasst.
Groß ist mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Zum einen beklagt er, dass sich offenbar auf politisch höherer Ebene kein Mensch mehr für den Mittelstand interessiere. Und das so innovative Unternehmen aus Medard erhalte offenkundig ebenfalls keinerlei Unterstützung. „IGM ist nicht auf Schnäppchenjagd, so wie es das Wirtschaftsministerium darstellt“, empörte sich der Geschäftsführer, der sich eben diesem Vorwurf ausgesetzt sieht: Groß betont aber, nur das gefordert zu haben, was andere auch bekommen hätten, die in der topografisch schwierigen Lage investiert hätten: Die Ausgleichsmaßnahmen von anderen Anliegern seien mit 80 Prozent gefördert worden. Diese Behauptung stößt auch nicht auf Widerspruch. Nur: Es heiße, dafür sei heute kein Geld mehr da, dafür gebe es kein Förderprogramm mehr.
Groß hat gegenüber der RHEINPFALZ bekundet, er habe alternative Standorte im Blick. Gleichzeitig hat er durchblicken lassen, dass er den Standort Medard nicht komplett verlassen, ein Teil der Produktion zumindest weiterlaufen werde. Mittlerweile gibt es aber offenbar auch Angebote aus der „Nachbarschaft“: Zu Gast waren bei IGM jüngst auch Politiker aus umliegenden Landkreisen. „Es gibt ja auch im Kreis Bad Kreuznach oder im Donnersbergkreis vielleicht Flächen, die in Frage kämen“, sagt Groß vieldeutig.
Minister soll Nahe-Glan-Spange in Fokus nehmen
Zunächst jedoch will der Unternehmer weiter um Unterstützung seiner Ideen werben. So etwa auch am kommenden Sonntag. Da hat sich hoher Besuch aus der Bundeshauptstadt angesagt. Zu IGM kommt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Der aus Trier stammende Christdemokrat ist der Bruder von Gordon Schnieder, dem CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 22. März. Den Verkehrsminister hat der Kuseler Landtagskandidat Otto Rubly in den Kreis Kusel gelotst.
Auch wenn die Stärkung des Mittelstands nicht ureigene Aufgabe des Verkehrsministeriums sei: Groß sieht auch für Schnieder Handlungsbedarf. Wichtig für die Region seien nämlich nicht unrealistische Träumereien von einer Bahnstrecke, die nie mehr erwache. Sondern Projekte, die leicht zu bewerkstelligen seien und handfeste Vorteile für alle brächten. Konkret geht es dabei um die sogenannte Nahe-Glan-Spange, die die Bundesstraßen 41 und 420 bei Bad Sobernheim miteinander verbinden soll.