Rammelsbach RHEINPFALZ Plus Artikel Geplante Steinbruch-Erweiterung bereitet Sorgen: Bürgerschaft weiterhin im Zwiespalt

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Papier ist bekanntlich geduldig: Rammelsbacher Bürger haben zwar einiges an Informationen zur möglichen Steinbruch-Erweiterung mitnehmen können. Ihre Sorgen aber waren auch mithilfe bunter Pläne nicht vom Tisch zu wischen.

So mancher sorgt sich um sein Haus: Nebst Staub und Erschütterungen drohe Verlust von Lebensqualität wie materiellem Wert. Der Steinbruch bewegt die Gemüter in Rammelsbach.

Je näher dran, umso größer die Skepsis: Wer Haus und Hof in Straßenzügen am südwestlichen Rammelsbacher Ortsrand sein Eigen nennt, macht sich Sorgen um die gar nicht mehr ferne Zukunft. Die Basalt AG will mit einem Abbau-Areal des Steinbruchs weiter in Richtung Ortslage vordringen. Nicht eben wenige Rammelsbacher sehen dieses Ansinnen ganz offenkundig kritisch. Wie viele dies zur Ablehnung der Erweiterung bewegt, wird sich in gut vier Monaten weisen: Am 22. März werden die Bürger darüber befinden, ob das Erweiterungsvorhaben überhaupt zustande kommt – oder ob die mittlerweile fast 160-jährige Geschichte des „Dimpel“ in wenigen Jahren endet.

Imposant: Abbau-Front im Rammelsbacher Steinbruch. Die Basalt AG möchte gerne in Richtung Rammelsbacher Ortslage vorrücken. Dami
Imposant: Abbau-Front im Rammelsbacher Steinbruch. Die Basalt AG möchte gerne in Richtung Rammelsbacher Ortslage vorrücken. Damit aber sind beileibe nicht alle einverstanden.

„Dimpel“ haben die Rammelsbacher das Areal genannt, aus dem seit 1868 Hartgestein gewonnen wird. Jetzt droht die zeitweilen glorreiche Ära sogar zu enden. Nach Angaben des Betreibers Basalt AG reicht das Vorkommen wertvollen Gesteins auf bereits genehmigtem Abbaugebiet nur noch einige wenige Jahre aus. Dann wäre der Steinbruch erschöpft. In Richtung Rammelsbach ließe sich das Abbaugebiet indes noch erweitern.

Nur: Was aus bergbaurechtlicher Sicht offenbar ohne Weiteres möglich ist, bedarf noch einer vertraglichen Vereinbarung mit der Ortsgemeinde Rammelsbach. Im Ort allerdings regt sich Widerstand. Die erklärten Gegner und Skeptiker fürchten nämlich Schäden. Und auch wenn solche ausbleiben sollten, so drohe – wie die Kritiker argumentieren – doch zumindest ein merklicher Wertverlust ihrer Immobilie.

Viele Interessierte – von der einen Seite

Um Bedenken und Zweifel zu zerstreuen oder zumindest abzumildern, dafür hat der Steinbruchbetreiber am Mittwochabend groß aufgefahren: Die Basalt AG hat die Turn- und Festhalle mit Infoständen und mit Personal gefüllt. Betriebsleiter, ein Sprengmeister, auch der Chef des zu Forschungszwecken im Steinbruch agierenden Teams vom Urweltmuseum Geoskop standen Rede und Antwort.

Die Resonanz werteten die Veranstalter als erfreulich groß. Nicht ganz so zufrieden war allerdings Ortsbürgermeister Thomas Danneck. Zwar seien es viele Leute gewesen – aber leider eher wenige von denen, die nicht unmittelbar betroffen sind. Doch auch die sollten sich eine Meinung bilden. „Es geht ja um unsere Ortsgemeinde“, sorgt sich Danneck seinerseits, dass sich im Zuge der Entscheidung womöglich ein Riss durch Rammelsbach zieht.

Riss droht durch den Ort zu gehen

Risse ganz anderer Art hat dem Vernehmen nach schon der ein oder andere Anlieger beklagen müssen. Berichtet wird von einem Mann, der bei einer Sprengung gesehen habe, wie sich ein Spalt an der Zimmerdecke aufgetan habe. Was mit möglicherweise auftretenden Schäden sei? Die Basalt-Leute haben an diesem Abend sogar dafür eine Erklärung: Pfusch am Bau. Man habe in der Umgebung durchaus schon mithilfe von Gutachten Baumängel nachweisen können – wenn etwa der Putz von den Wänden falle, erläutert Massimo Döbell, Mitarbeiter der Betreiberfirma. Döbell hat auf alles eine Antwort parat – sogar auf mögliche Wertverluste. Die lägen in der „globalen Marktsituation“ begründet. Das klingt nun aber nach Überzeugung der Umstehenden einfach nur hanebüchen.

Einblicke an Ort und Stelle: Ende Juli hatte die Basalt AG RHEINPFALZ-Leser durch das Steinbruchgelände geführt. Das war eine vo
Einblicke an Ort und Stelle: Ende Juli hatte die Basalt AG RHEINPFALZ-Leser durch das Steinbruchgelände geführt. Das war eine von mehreren Ferienaktionen, die die Kuseler Redaktion angeboten hat.

Thomas Preis zieht bei solcherlei Erläuterungen ungläubig die Augenbrauen hoch. „Wer will denn mein Haus noch kaufen, wenn der Steinbruch noch näher rückt?“ Tatsächlich habe er sich mit dem Gedanken getragen, die Immobilie zu veräußern, wenn er im kommenden Jahr in den Ruhestand wechsele. In eine kleinere Wohnung ziehen und sich vom Rest des Geldes noch ein bisschen was gönnen – solche Pläne sieht der Rammelsbacher in ernster Gefahr. „Wir haben immer Dreck. Jetzt kommt noch ein Stück Wald weg“: Da könne doch keiner sagen, damit gehe kein Wertverlust einher.

Preis ist beileibe nicht alleine: Mit Verlust von Lebensqualität wie materiellem Wert argumentiert auch Michael Morgenstern: „Man muss doch mal unsere Situation sehen. Die Generation vor uns, auch unsere Eltern: Die haben sich krummgelegt, um sich mit harter Arbeit etwas leisten zu können.“ Das sei jetzt in Gefahr. „Wir sehen unsere Altersversorgung gefährdet“, sagt Morgenstern – und erntet unter den Umstehenden nur Zustimmung.

Kritiker warten mit Argumenten statt Polemik auf

Morgenstern wie Preis sind nun beileibe keine erbitterten Steinbruchgegner rein aus Prinzip. Eher im Gegenteil: „Mein Vater hat im Steinbruch in Jettenbach gearbeitet“, verweist etwa Preis auf die emotionale Bindung zu dem Gewerbe rund um das Gestein, das so vielen Menschen der Region Lohn und Brot beschert hat.

Zudem erweist sich Preis als profunder Kenner der Materie und kann selbst vieles zu Bodenbeschaffenheit, Vorgehen und auch zur Sprengproblematik erläutern: Wegen unterschiedlichen Untergrunds könnten auch benachbarte Häuser hier mehr, oder weniger betroffen sein, wie Preis erklärt. Dass sich die Betreiber im rechtlich zulässigen Rahmen bewegen und Grenzwerte einhalten, bezweifelt er nicht. Doch seien alleine damit Schäden durch immer wieder auftretende Erschütterungen auch im erlaubten Rahmen keinesfalls auszuschließen.

Unbekannte Perspektive: Solcherlei Einblicke bieten sich nur jenen, die das Steinbruchareal betreten dürfen.
Unbekannte Perspektive: Solcherlei Einblicke bieten sich nur jenen, die das Steinbruchareal betreten dürfen.

Was hat der Informationsabend nun gebracht? „Wir haben einige vielleicht überzeugen können, andere nicht. Doch auch wenn Kritiker bei ihrer Meinung bleiben: Es war eine gute Veranstaltung“, ist Dominik Watzig, Referent für Liegenschaften und Genehmigungen bei Basalt, überzeugt. Da stimmen ihm sogar Kritiker des Vorhabens zu: „Ja. Das war durchaus interessant“, räumt Thomas Schmitt ein. Dabei sei es doch gerade das, was die Arbeitsgemeinschaft Steinbruch gefordert habe: „Die Bürger wollen nicht übergangen und plötzlich mit einer Entscheidung über ihre Köpfe hinweg überfahren werden. Sie wollen miteinbezogen, wollen mitgenommen werden“, lautet Schmitts Forderung.

Bei Erweiterung geht’s um finanzielle Interessen

Klar ist soviel: Es geht bei der Angelegenheit um Geld. „Wir müssen auch unseren Haushalt im Blick behalten“, sagt der Ortsbürgermeister, der keine Partei ergreifen, sondern alle Bürger im Dorf vertreten möchte. Kurz zuvor noch hatte der Ortschef die Frage einer Bürgerin beantwortet, die auf den finanziellen Aspekt zielte: Ob es denn nicht andere Möglichkeiten für die Gemeinde gebe, Einnahmen zu erschließen? Klares Nein: Für Gewerbeansiedlungen wie für Erneuerbare Energien fehle in Rammelsbach der Platz.

Ihm sei von höherer Stelle schon wieder dringend geraten worden, angesichts der katastrophalen Haushaltslage mal eben Hundesteuer und Friedhofsgebühren weiter zu erhöhen, sagt Danneck. Klar scheint allerdings auch: Der marode Haushalt lässt sich mit dem, was da an weiteren Einnahmen aus dem Steinbruch winkt, ganz sicher nicht sanieren.

Danneck möchte Angebot gern auf den Tisch legen

Spätestens nach der Landtagswahl drohe erneut der Zwang, an der Grundsteuerschraube zu drehen. Am Wahltag allerdings fällt auch die Entscheidung zur Steinbrucherweiterung. Bis davon möchte der Ortsbürgermeister übrigens mit Zahlen aufwarten: Ihm und dem Rat ist bekannt, was die Basalt AG für die Erweiterung zu zahlen bereit ist. Über das Angebot aber sind die Ortsvertreter zum Stillschweigen verpflichten. Danneck will nun sehen, wie er das vor dem Entscheid noch ändern kann.

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