Kreis Kusel
Fachkräftemangel: Wie sehr stehen die Verwaltungen im Landkreis unter Druck?
Bei der Kreisverwaltung Kusel macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar – wenn auch nicht in dem Maße, wie es bei der Ludwigshafener Stadtverwaltung der Fall ist. Demnach sind in der Verwaltung des Landkreises derzeit 36 von rund 455 Stellen nicht besetzt, wie Kreissprecherin Karla Hagner auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt. Für rund acht Prozent der Stellen sucht die Verwaltung also Personal.
Am stärksten von der Personalnot betroffen seien die Abteilungen Soziales, Jugend und Familie sowie das Jobcenter, das seit dem Jahreswechsel in die Kreisverwaltung eingegliedert ist. Eine Priorisierung einzelner Fachbereiche nehme die Kreisverwaltung bei der Personalsuche allerdings nicht vor, betont Hagner: „Es ist wichtig, jede offene Stelle schnellstmöglich zu besetzen.“
Besonders schwierig gestalte sich die Personalsuche bei befristeten Stellen, die etwa nur für bestimmte Projekte in der Kreisverwaltung eingerichtet wurden. Erschwert werde die Besetzung zudem durch Konkurrenz mit anderen Behörden, ergänzt Hagner: „Alle suchen in der Regel im gleichen Bereich bei teilweise besserer Bezahlung.“ Bis eine offene Stelle besetzt ist, könne es manchmal sogar mehrere Monate dauern. Die Folge sei eine Belastung der Mitarbeiter – auch die Ausschreibungs- und Auswahlverfahren, die teilweise wiederholt werden mussten, binden laut Hagner Personalressourcen.
Druck durch wachsende Aufgabenfülle
Weniger angespannt scheint die Situation in der Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Oberes Glantal. Laut Rathaus-Büroleiter Jörg Pahnke sind derzeit in der Kernverwaltung alle 96,3 der sogenannten Vollzeitäquivalente besetzt. Diese entsprechen der Arbeitszeit von rund 96 Vollzeitkräften.
Engpässe entstünden allerdings dennoch durch ständig neue Aufgaben und die Bearbeitung von Förderprogrammen, ergänzt Pahnke. Dies betreffe alle Abteilungen, am meisten aber den Baubereich. Die VG-Verwaltung suche etwa bereits seit längerem einen Bauingenieur für den technischen Bereich, um die lange Liste an Projekten schneller abzuarbeiten. Insbesondere durch die Konkurrenz mit der freien Wirtschaft gestalte sich die Suche als schwierig.
Stelle wegen Bewerbermangel gestrichen
In der Kernverwaltung der VG Lauterecken-Wolfstein sind nach eigenen Angaben sogenannte 72,16 Vollzeitäquivalente vorgesehen, die sich auf 86 Mitarbeiter verteilen. „Grundsätzlich ist keine Stelle unbesetzt“, sagt Büroleiter Christian Sauer. Dennoch gebe es regelmäßig in allen Fachbereichen Personalengpässe, die Sauer zufolge auf längere Krankheitsausfälle zurückzuführen sind. Die Aufgaben übernehme dann das vorhandene Personal, wodurch sich die Arbeitsbelastung erhöhe.
Besonders schwierig gestalte sich die Personalgewinnung in stark spezialisierten Aufgabenfeldern – Sauer nennt Klimaschutz und Energiemanagement als Beispiele. Die ausgeschriebene Stelle eines Energiemanagers sei etwa wieder zurückgenommen worden, da sich kein geeigneter Bewerber finden ließ. Ein Problem bestehe darin, dass nur wenig qualifiziertes Fachpersonal am Arbeitsmarkt verfügbar sei, sagt Sauer: „Wir bieten Quereinsteigern entsprechende Fortbildungen an. Tarifrecht bietet zwar Sicherheit, jedoch wenig Verhandlungsspielraum.“ Das Verdienstniveau im öffentlichen Dienst könne schlicht nicht mit der freien Wirtschaft mithalten.
Personalsuche zunehmend schwieriger
Besonders große Personalengpässe konnte die Verwaltung bisher vermeiden, heißt es auf Nachfrage bei der VG Kusel-Altenglan: Aktuell seien 99,11 von 101,66 vorgesehenen Stellen für das laufende Haushaltsjahr besetzt. Die verbleibenden Vakanzen führt die Verwaltung auf mehrere Faktoren zurück: Unter anderem Verrentungen, Neueinstellungen, befristet geschaffene Stellen sowie Abgänge in Elternzeit. Insgesamt entwickle sich die Personalsituation fortlaufend „dynamisch“, heißt es aus dem Kuseler Rathaus.
Generell werde es allerdings zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden – nicht nur für die technischen Bereiche, sondern auch für Stellen mit einer Verwaltungsausbildung als Voraussetzung. Als Gründe nennt die Verwaltung unter anderem die hohe Nachfrage am Arbeitsmarkt, demografische Veränderungen, steigende Anforderungen an Qualifikationen sowie die Konkurrenz durch die Privatwirtschaft.
Personalleasing bleibt Ausnahme
Von Personalleasing – Leihfirmen stellen kurzfristig Personal bereit, um Engpässe zu überbrücken – wird im Landkreis Kusel bei den angefragten Behörden bisher kaum Gebrauch gemacht. Die beiden VG-Verwaltungen Kusel-Altenglan und Oberes Glantal etwa teilen auf Anfrage mit, dass lediglich im Reinigungsbereich externe Dienstleister hinzugezogen wurden.
Sauer merkt für die VG Lauterecken-Wolfstein an, dass für die Kernverwaltung noch nie Personalleasing notwendig gewesen sei – lediglich wegen eines kurzfristigen Ausfalls in der Zentralen Vergabestelle habe die Verwaltung vorübergehend auf eine externe Aushilfe gesetzt.