Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Für Abrüstung und Vermögenssteuer: Andreas Hartenfels, BSW-Landtagskandidat, im Porträt

Andreas Hartenfels hat eine Vorliebe für skandinavische Krimis.
Andreas Hartenfels hat eine Vorliebe für skandinavische Krimis.

Er sieht eine klare Rolle für sich in der Partei und hat eine eindeutige Haltung zu vielen Themen. Andreas Hartenfels ist der Spitzenkandidat des BSW für die Landtagswahl.

Sein Terminkalender füllt sich zurzeit von alleine, sagt er: Andreas Hartenfels, rheinland-pfälzischer Spitzenkandidat des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) sowie Direktkandidat im Wahlkreis Kusel für die Landtagswahl, ist auf vielen verschiedenen Veranstaltungen im ganzen Land unterwegs. „Diese Präsenz ist wichtig“, betont der Nanzdietschweilerer im RHEINPFALZ-Gespräch. Nach eigenen Angaben wird er zu vielen Stammtischen quer durch das Bundesland eingeladen. In seiner Partei sei er der „einzige Promi“ in Rheinland-Pfalz: „Da wir noch so klein sind und keine Kreisverbände haben, sind wir eher über diese Stammtische organisiert“, erklärt der 59-Jährige, der 2022 aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen ausgetreten ist und auch deren Landtagsfraktion verlassen hat. Seit Januar 2024 sitzt er als BSW-Abgeordneter im Landtag. Zwischenzeitlich war er fraktions- und parteilos.

Für den Landkreis Kusel erachtet Hartenfels insbesondere eine „auskömmliche Finanzausstattung“ als wichtig. Das Thema habe ihn schon umgetrieben, als er noch Mitglied des Kreistags war. „Auch Anfang der 90er-Jahre, als ich in das Gremium kam, ging es schon um defizitäre Haushalte“, blickt er zurück. Mit dem Unterschied, dass die Defizite damals noch nicht so groß gewesen seien wie die heutigen. Schwarze Zahlen habe er im Kreis Kusel jedoch nie gesehen.

„Nicht genügend Geld in die Hand genommen“

„Das wesentliche Pfund, mit dem wir hier wuchern können, sind Investitionen“, unterstreicht Hartenfels. Und dass in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig investiert worden sei, sehe man in etlichen Bereichen der Infrastruktur. Er nennt in diesem Zusammenhang nicht nur den aus seiner Sicht schleppenden Breitbandausbau in der Westpfalz, sondern auch marode Straßen und Schulgebäude. „Besonders deutlich wird das in unserer Kreisstadt“, sagt er und fügt gleich hinzu: „Ich weiß, dass ich mir mit dieser Aussage keine Freunde mache.“ Als Beispiele nennt er selten gepflegte Grünanlagen, Vermüllung und zahlreiche leerstehende Geschäfte. „Dieses Bild ist für mich symptomatisch dafür, dass man drei Jahrzehnte lang nicht genügend Geld in die Hand genommen hat.“

Bereits zu seinen Kreistagszeiten habe er für Bedarfszuweisungen geworben – aus seiner Sicht ein „ganz wichtiges und schnelles Instrument“: Eine strukturschwache Region wie der Kreis Kusel müsse auf diese Weise gesondert unterstützt werden, um wieder zukunftsfähig zu werden, wie Hartenfels verdeutlicht. Weiterhin will sich der BSW-Spitzenkandidat für eine Vermögenssteuer starkmachen – für Superreiche ab einem Vermögen von 20 Millionen aufwärts: „Die Steuer könnte eine Milliarde für das Land bringen.“ Das Geld werde dringend gebraucht und könne für die hohen Sozialausgaben in den Kommunen eingesetzt werden: „Der Kreis Kusel könnte davon also auch profitieren.“

Das Thema Krieg und die Unterstützerrolle

Hartenfels hat sich in einer RHEINPFALZ-Befragung als einziger Landtagskandidat aus dem Kreis klar gegen eine Rückkehr der Bundeswehr nach Kusel ausgesprochen. „Wir gehen mit dem Thema ,Krieg und Frieden’ ja grundsätzlich anders um als die restlichen Parteien im Bundestag’“, sagt er. „Wir brauchen nicht mehr Kasernen für mehr Soldaten – das ist nicht mehr zeitgemäß“, ist er überzeugt. Eine „Minimalbundeswehr“ sei ausreichend. Es gebe eine Greenpeace-Studie, aus der klar hervorgehe, dass die Nato – auch ohne Amerika – Russland klar überlegen sei. „Die Debatte, in der es ständig heißt, wir wären unterlegen, ist eine Pseudo-Debatte.“

Seine Rolle innerhalb des BSW ist für ihn recht klar: Wenn er noch mal in den Landtag kommen sollte, will er „ein junges politisches Projekt“ unterstützen, sagt Hartenfels. Als erfahrener Politiker könne er einer neuen Fraktion helfen, Fuß zu fassen. Das BSW sieht er nicht als Partei für eine Regierungsbeteiligung: „Wir brauchen vielmehr eine gute Sichtbarkeit für uns und unsere Themen.“

Blumen, Berge und das Bücherregal

Der Nanzdietschweilerer hat eine Frau und zwei Kinder. Bis vor 15 Jahren hatte ein eigenes Planungsbüro geführt – er ist studierter Stadt- und Landschaftsplaner: „Da könnte ich sicher noch mal tätig werden, wenn es nicht mehr für den Landtag reicht“, sagt er. Die Wahl findet am 22. März statt. In seiner Freizeit geht Hartenfels gerne wandern, arbeitet im Garten oder liest Krimis – mit Vorliebe die skandinavischen.

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