Tallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Eine barrierefreie Burg Lichtenberg für alle

Das Kopfsteinpflaster wird komplett neu verlegt, die Steine zum Teil wiederverwendet.
Das Kopfsteinpflaster wird komplett neu verlegt, die Steine zum Teil wiederverwendet.
Die Öffnungen für den Aufzug der Zehntscheune.
Die Öffnungen für den Aufzug der Zehntscheune.

Eine über 800 Jahre alte Burg zumindest in Ansätzen barrierefrei zu gestalten, ist ein anspruchsvolles Projekt. Es geht auf der Burg Lichtenberg dennoch voran. Dabei müssen die Planer immer mal wieder auch improvisieren.

Die Zehntscheune bekommt an der Gebäuderückseite Richtung Thallichtenberg einen Aufzugsturm. Das Stahlgerüst sollte mit entspiegeltem Glas verkleidet werden – ein Wunsch der Denkmalschützer. Bei der Detailplanung stellte sich jetzt aber heraus, dass so eine Lösung so gut wie unbezahlbar ist. „Der Kostenrahmen wäre um das Fünffache übersprungen worden.“ Das erklärt Christoph Rübel, Projektleiter „Barrierefreier Tourismus“ bei der Kreisverwaltung.

Jetzt bekommt der Aufzug eine Schieferverkleidung. Der Auftrag ging für 63.000 Euro an die Zimmerei von Wolfgang Deppert aus Hermersberg in der Südwestpfalz. Ursprünglich waren Kosten für die Schieferverkleidung von 44.000 Euro veranschlagt. „Das ist Ausdruck der guten Auftragslage im Baugewerbe“, sagte Landrat Otto Ruby vor dem Kreisausschuss.

Die neue Burgzufahrt.
Einwurf

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Mit dem Lift unters Dach

Vier dicke Löcher haben die Bauarbeiter bereits in die Burgmauer geschlagen. Auf vier Ebenen wird es Eingänge in die Scheune geben. Wegen der Dachkonstruktion kann der Kammermusiksaal auf der Galerie nicht über den Aufzugsturm erreicht werden. Stattdessen wurde bereits ein Treppenplattformlift installiert, um vom zweiten Obergeschoss unter das Dach zu kommen. Auch im Eingangsbereich der Zehntscheune gibt es einen kleinen Treppenlift. Im Kellergeschoss stehen die Arbeiten für ein Behinderten-WC kurz vor dem Abschluss.

Bereits fertiggestellt ist die neue barrierefreie Bushaltestelle am anderen Ende des Burggeländes. Vor dort führen drei neue Wege zum Burgtor. Der Abschnitt für Fußgänger hat einen mittigen Leitstreifen, um auch sehbehinderte Besucher lenken zu können. Um das Gefälle zu reduzieren, ist die Topographie leicht verändert worden. „Maximal sechs Prozent Steigung oder Gefälle ist erlaubt, um die Zuschüsse nicht zu verlieren“, erklärt Rübel.

Wetterfestes Modell

Noch zwei Überraschungen warten in diesem Bereich künftig auf die Besucher. Direkt am Parkplatz wird ein großes digitales Infoportal aufgebaut. Und unmittelbar am Burgeingang soll ein wetterfestes Modell der Burg aufgebaut werden – um die Burg im Gesamtüberblick sehen und fühlen zu können. Taktil, die Wahrnehmung über den Tastsinn, spielt beim Projekt „die Burg für alle“ eine wichtige Rolle.

Der zweite Bauabschnitt startet dann im Februar, wenn das komplette Kopfsteinpflaster vom Eingang bis zum Urwelt-Museum Geoskop erneuert wird. „Die Wege sind aus den 1960er Jahren und damals schon nicht eben verlegt worden“, zeigt Rübel auf die vielen Unebenheiten. Auch hier wird es einen mittigen Leitstreifen zur besseren Orientierung geben. Die Arbeiten sind für 766.000 Euro an die Baufirma Horn aus Kaiserslautern vergeben worden. Sie sollen bis April zumindest bis zur Höhe des Burg-Restaurants abgeschlossen sein, damit ein neuer Pächter nicht in einer Baustelle loslegen muss. Wie berichtet, zieht sich die Familie Emrich zum Jahresende aus privaten Gründen zurück.

Künftig mit Audioguide-System

Der Höhenunterschied zum Gelände der Oberburg wird über einen Treppenlift unter freiem Himmel überwunden. Gegenüber entsteht ein zweiter Aufzugsturm, um auf die Ebene von Jugendherberge und Geoskop zu gelangen.

Bis Ende 2021 sollen die Arbeiten beendet sein. Dann sind knapp zwei Millionen Euro verbaut. 85 Prozent kommen als Zuschüsse von Land und von der EU.

Wer dann 2022 das Gelände „erobert“, kann über Kopfhörer viel Wissenswertes über die Burg erfahren. Das neue Audioguide-System soll über kleine Übertragungsgeräte oder das eigene Handy funktionen.