Landtagswahl
„Durchs Raster gefallen“ und neu gestartet: Sebastian Demmel (Linke) will in den Landtag
Seine Wurzeln hat Sebastian Demmel, der seit der Bundestagswahl 2025 Mitglied der Linken ist, in Roth im Kreis Bad Kreuznach. Seine Schulzeit in Meisenheim an der damaligen Regionalen Schule sei herausfordernd gewesen, erzählt Demmel: „Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit dem Schulsystem, bin, wie man so schön sagt, durchs Raster gefallen.“ Eine Rechtschreibschwäche sei damals nicht als solche benannt worden: „Da hieß es immer nur: ,Jetzt konzentrier’ dich mal.’“ Also habe er sich durch die Jahre gequält und die Schule mit dem Hauptschulabschluss verlassen.
Es folgte eine Ausbildung zum Koch. „Das habe ich durchgezogen und fünf Jahre im Beruf gearbeitet“. Doch er sei auf der Suche nach einem sinnstiftenden Job gewesen und habe sich nach einem neunmonatigen Praktikum in der Arbeit mit behinderten Menschen neu orientiert. Bei einem Förderungswerk in Süddeutschland hat er zunächst als Heilerziehungspflegehilfe gearbeitet und nebenbei seinen Realschulabschluss nachgeholt. Anschließend hat er eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger angehängt.
Ein solidarisches Netz von Unterstützern
„Damals habe ich gemerkt, was man leisten kann, wenn man motiviert ist, wenn man etwas wirklich will“, sagt der heute 44-Jährige. Ebenfalls eine Erkenntnis aus der Zeit: „Wie wichtig ein solidarisches Netz ist, wie wichtig Menschen sind, die einem helfen.“ Denn die Ersparnisse seien irgendwann aufgebraucht gewesen und die Bezahlung überschaubar: „Familie, Freunde und Bekannte haben mir in der Zeit sehr geholfen. Oft nur mit Kleinigkeiten, aber es war immer jemand da.“
Zu dieser Zeit sei er durch seine damalige Freundin zum ersten Mal mit linker Kultur in Kontakt gekommen, habe die Strecke zwischen Ausbildungs- und Wohnort der Freundin (Frankfurt) oft trampend hinter sich gebracht. „Teilzeithippiemäßig war ich damals bei der Besetzung des Kelsterbacher Waldes dabei, als es um den Ausbau des Frankfurter Flughafens ging.“ Das Engagement sei allerdings „nie Hardcore gewesen“: „Ich war nie im Schwarzen Block.“ Dennoch sei ihm wichtig, für seine Überzeugungen einzustehen, auch bei Demonstrationen. Unter anderem engagiert sich Demmel als Helfer beim „Kein Bock auf Nazis“-Festival auf Burg Lichtenberg.
Politisches Interesse bislang nicht ausgelebt
Vor wenigen Jahren hat der 44-Jährige eine Anstellung in Meisenheim gefunden, wo er im Bodelschwingh-Zentrum mit Behinderten arbeitet. Eine herausfordernde Arbeit, wie er erzählt: „Das sind Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten, die zwar den Alltag bewältigen können, aber nur schwer mit Emotionen klarkommen. Da geht’s dann darum, Strategien zu entwickeln, wie sie damit umgehen können, ohne sich selbst oder andere zu gefährden.“ Die Liebe habe ihn schließlich nach Glanbrücken geführt, wo er mit seiner Partnerin lebt.
Er sei schon immer politisch interessiert gewesen: „Ich hab’s nur nie richtig ausgelebt.“ Demmel findet, dass den Menschen zu wenig bewusst sei, dass sie durch ihr Konsumverhalten großen Einfluss nehmen können. Als Beispiel nennt er: Wenn nahezu ausschließlich Elektroautos gekauft würden, erledige sich die Verbrenner-Aus-Diskussion von allein. Dass Mieten aus seiner Sicht in Deutschland zu hoch sind, habe er mehrfach am eigenen Leib erlebt: „Ich finde es frech, dass Konzerne das Geld einstreichen, an den Gebäuden nur das Nötigste machen, aber den Aktionären Dividenden auszahlen.“ Klima- und Naturschutz seien ihm ebenfalls wichtige Anliegen. Er habe als Auszubildender aus seiner Wohnung lange auf die riesigen Kühltürme eines Atomkraftwerks schauen müssen: „Windräder stören mich dagegen überhaupt nicht.“
Ziel: eine Linken-Kreisgruppe gründen
Demmel hofft, dass die Linke in den Landtag einzieht und die Partei weiter Mitglieder gewinnt: „Eine eigene Kreisgruppe für Kusel wäre da schon ein Ziel.“ Besonders junge Menschen könnten sich mit den Parteizielen identifizieren. Ihm sei wichtig, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Und für den Landkreis Kusel? Da nennt der 44-Jährige die Themen Ausbau der digitalen Infrastruktur, öffentlicher Personennahverkehr und die medizinische Versorgung als vordringlich, um die Lebensqualität in der Region zu erhalten. Wenn er zwischen Job und Wahlkampf Zeit findet, fährt Demmel gern im Glantal Fahrrad und misst sich beim regelmäßigen Brettspieltreff seiner Partnerin mit anderen Spielern.